EMBRYO

 

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Neue Zürcherzeitung 21.07.013

Christoph Wagners Buch «Der Klang der Revolte»

Musik als utopische Bewegung

 
In seinem Buch «Der Klang der Revolte» zeigt der Musikpublizist Christoph Wagner, wie sich Ende der siebziger Jahre Rock und Avantgarde verbündeten.
 

In der Rückschau erscheinen die späten sechziger, die frühen siebziger Jahre als Adoleszenz der Gegenwart, eine Phase des Aufbruchs, in der so vieles spannend und möglich schien. Die fortschreitende Industrialisierung hatte traditionelle Bindungen zersetzt. Dazu hatte das stete Wirtschaftswachstum der Nachkriegszeit jungen Menschen Geld ins Portemonnaie gespült – die Jugend festigte sich als eine eigene Lebensphase, die mit Alltag und ästhetischen Inhalten gefüllt werden wollte. Elvis hatte die Hüften kreisen lassen, die Beatles erst die Reeperbahn gerockt und sich später dem Friseur verweigert. Das Neue war da, aber noch war nicht geklärt, in welche Richtung es sich entwickelte. Gleichzeitig schickten die, die den Wandel fürchteten, nach der Ordnungspolizei. Musik war eines der wichtigen Felder, auf denen die Spannung ausgetragen wurde............

Ethno à la Embryo

So setzte sich eine der langlebigsten, aber am meisten unterschätzten Bands der Pop-Geschichte in Bewegung. Auf ausgedehnten Reisen durchstreifte Embryo den Maghreb und stiess bis tief nach Afghanistan und Indien vor, spielte überall mit ansässigen Musikern, sammelte Eindrücke und Ideen und entwickelte eine spezielle Form von globalisierter Groove- und Improvisation-Musik, die wenig zu tun hatte mit dem Ethno-Touch, der später populär wurde. Dem Geist der Brüderlichkeit aber huldigten viele Bands, die ausgesteuerte Bauernhöfe in der Provinz zu Musik-Kommunen umgestalteten. Ein romantisches Modell der Einheit von Arbeit und Freizeit, von privat und öffentlich stand hier als Utopie im Hintergrund und erzeugte in der Konfrontation mit der kargen Realität realer Menschen Reibung, die nicht immer nur als Wärme wahrzunehmen war.

In Wagners gelungener Darstellung wird immer wieder deutlich, wie sehr diese fruchtbare Periode in der Geschichte der deutschen Pop-Kultur von der Offenheit divergierender Positionen lebte. Zwischen den einzelnen Szenen und auch zu anderen Künsten blieben die Kanäle offen. Erst mit dem zunehmenden Einfluss von Musikproduzenten und der etablierten Musikindustrie verflüchtigte sich diese Offenheit und überlebte in Spuren allenfalls in den Nischen des Betriebs. Mit seinem Buch bietet Wagner einen kenntnisreichen Einstieg in das musikalische Schaffen jener Zeit, als Musik noch als eine Form von utopischem Denken funktionierte.

Christoph Wagner: Der Klang der Revolte. Die magischen Jahre des westdeutschen Musik-Underground. Herausgegeben vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Broschur, 388 S. mit zahlreichen Schwarz-Weiss-Fotografien. Schott-Verlag, Mainz 2013.

 
 

Rhein-Neckarzeitung

15.07.013

Der Pioniergeist ist noch da

Von Jörg Knausenberger

Wiesloch. Am Freitag war die legendäre Band "Embryo" im Kultur- und Kommunikationszentrum Loch Ness zu Gast. Im fulminanten Konzert war der Pioniergeist spürbar, der die 1969 gegründete Band zur Kultgruppe des "Krautrock" aufsteigen ließ (als "Krautrock" wurde damals im angelsächsischen Raum die Musik der ersten deutschen Rockbands bezeichnet). Vom Orient über Nordafrika ins Abendland und wieder zurück - Embryo nahmen ihr Publikum mit auf eine Reise durch geheimnisvolle Melodien und Rhythmen.

Leise begann das Konzert mit akustischen Improvisationen über eine traditionelle Weise aus dem Irak. Embryo zeigten sich als Meister der mikrotonalen Musik - zwei Ouds und eine Santour (orientalische Saiteninstrumente) wurden ergänzt durch Xylofon und verschiedene Schlaginstrumente. Langsam baute sich ein Klangteppich auf, der schon früh eine große Faszination auf die Zuhörer ausübte.

Nach einem Stück aus Ägypten wurden E-Gitarren und ein Bass ausgepackt - der elektropsychedelische Teil begann. Ethnische Elemente flossen ein in ein sphärisches Konglomerat aus Jazz und Rock. Trotz erheblicher Länge der Einzelstücke verstanden es Embryo, den Spannungsbogen durch feine Improvisationen stets hochzuhalten. Gespickt mit Polyrhythmik und Tempowechseln führte die Band die Zuhörer durch ihr abwechslungsreiches Programm. Gründungsmitglied Christian Burchard sorgte immer wieder für feine Farbtupfer, mal am Keyboard, mal am Vibrafon, um dann singend verschiedenste Laute von sich zu geben.

Im Loch Ness standen Andi Rust (Oud, Gitarre, Bass), Valentin Altenberger (Oud, Gitarre, Bass), Conrad Reukauf (Percussion, Bass, Gitarre), Lothar Stahl (Xylofon, Schlagzeug) und Christian Burchard (Santour, Vibrafon, Percussion, Keyboard, Gesang) als Embryo auf der Bühne.

Das Konzert endete, wie es begann - akustisch. Wieder fühlte man sich in die Wüsten Nordafrikas versetzt, und das Feuer glomm weiter, als Embryo das Loch Ness verließen, um zum nächsten Auftritt zu fahren.

 

 

 

 

 metzinger volksblatt vom 1. 6. 2013

Wanderer zwischen den Welten
Embryo besteht aus lauter Musikern, die mehrere Instrumente
beherrschen: Im Glemser Hirsch zeigen die fünf Weltmusik-Propheten
aus München, wie beweglich der gute alte Krautrock auch heute noch
sein kann.
Das Konzert beginnt gegen viertel nach neun und erzeugt sofort eine
erstaunliche Ruhe im Publikum. Schlagwerker Christian Burchard,
der informelle Boss der Band hebt nach weiteren fünf
Minuten Einspielphase den Kopf.
Tatsächlich, nach kurzer Zeit fühlt man sich wie unter entspannten
Tuaregs und genießt die kleinen Freuden der Wüste. "Salem aleikum"
heißt das Eröffnungsstück, in welcher Rechtschreibung auch immer.
Eine Art Zusammenfassung von Ethnotrance bietet dieses Quintett,
das sich in einem langen Wanderleben schon auf jedem Zipfel der Welt
umgehört hat. Mehr als 400 Musiker haben seit der Gründung 1969
bei Embryo gespielt, darunter Charlie Mariano, Marty Cook oder Mal
Waldron, mit denen sie auch diverse Schallplatten aufgenommen haben
(bis heute insgesamt 35). Die clownesk wirkende Inszenierung des
Auftakts wird schon bald von Bewunderung für die ausgezeichneten
Musiker und den kreativen Spielaufbau abgelöst: Ständig wechseln die
Mitspieler ihre Instrumente, vor allem Burchards Tochter Marja
erweist sich als äußerst bewegliche und gleichzeitig brillante
Multi-Instrumentalistin. Sie beherrscht Klavier, Keyboard, Drums
und Marimba ebenso geschmeidig wie Posaune und Akkordeon. Der
zweite Schlagwerker, Lothar Stahl, gibt an der Marimba den coolen
Altmeister, Andy Rust spielt souverän Gitarre oder Oud, und auch der
Bass des jungen Simon Otto stimmt in jedem Stil.
Die weit gereisten Musiker von Embryo sind ein Konglomerat höchst
variabler Stilistiken. In ihrer Musik hat es noch nie ein endgültiges
Ergebnis gegeben.  Der überschwängliche Applaus am Ende spricht
Bände.

 

Neue Musik Zeitung online
01.2013
Blind Date im Gasteig – musikalische Begegnungen beim 23. Jazzfest München der Jazzmusiker-Iniative JIM
Zum dritten Mal fand das Jazzfest München mit Unterstützung des Kulturreferats der Landeshauptstadt in der Black Box des Kulturzentrums
am Gasteig statt. Für die 23. Ausgabe ihres Selbstdarstellungs-Festivals hatte JIM, die Jazzmusiker-Initiative München, das Motto „blind date“ ausgegeben.......
Opulentes Fest im Geiste Sun Ras mit dem Programm „Calling Planet Munich“.
Eine wirklich großartige Begegnung ganz anderer Art fand am letzten Abend unter dem Titel „Calling Planet Munich“ statt. Hier widmeten sich die Ad-hoc-Band „Space Elephants“ (Leszek Zadlo, Markus Heinze, Götz Liekfeld, Marty Cook und Famadou Kojate) zusammen mit Embryo und der Express Brass Band der Musik von Sun Ra. Embryo-Chef Christian Burchard, meist am Vibraphon, und Posaunist Cook haben ihre ganz eigene persönliche Beziehung zu dem Outer Space-Avantgarde-Jazzer: Der eine hat mit ihm gearbeitet, der andere träumte von einer Mitwirkung in dessen Arkestra. Und Wolfi Schlicks Mannen und Damen haben die Musik von Ra fest im Programm. In wechselnden Besetzungen entstand ein opulentes Spektakel mit verrückten Kostümen und einer Menge mitreißender Musik, eine rundum gelungene Hommage an eine immer noch aufregende Musik.
 

 

 


Klangreise Ibn Battutta
Forum 30.6.2012
EthnoWorldRockband Embryo




Oudsolo Roman Bunka kontemplative Einstimmung
allmählich Santur dazu, arabische Maqam
Thema Ibn Battuta -
Solistische Vorstellungen
Thema Seebouni  Ya Nas
II
Auftritt PMH Klavier Solo
Christian Burchard Vibraphon
Thema Anverwandlungen
7/8 Johnny Darabuka
Marja und Carlo Posaunen

Thema Andernorts
(Von Kabul nach Tanger)
Posaune Carlo solo
Bass Jens
perc Marimbas

Thema Was bleibt ?
5/8 Xizhie Sheng Roman Oud
Carlo Posaune
Abschiedssong von PMH

Pause

III
Xizie Sheng-Solo Einstimmung
versch. chin. Instrumente, Stücke und Stile
Roman Oud
Christian Santur
Lothar Marimba
Marja Marimba
Johnny Djembé

Thema Hungriges Pferd
Session
Andreas / Lothar / Mick / Jens /
Valentin / Carlo / Johnny / Marja
Christian
evtl mit Gästen.













30.6.2012 Forum der HfMT, 20 Uhr



DIE KLANGREISE DES IBN BATTUTA

mit der Ethno-World-Rockband Embryo


Seit 1967 kennen sich Peter Michael Hamel

und der Embryo-Gründer Christian Burchard,

ihre Freundschaft hat sie immer wieder zu

gemeinsamen Konzerten zusammengeführt.

Musiker fremder Völker waren stets dabei,

wie der Trompetenstar Juri Parvenow aus Kirgistan

oder der malinesische Meistertrommler Madou Djembe.



Gemeinsam mit ihren Kindern spielten sie 2010 in Tanger

mit marokkanischen Meistern der Gnawa und Al Andaluz.

Und sie besuchten dort das Grabmahl des Ibn Battuta,

dessen große Forschungsreisen im 14. Jahrhundert

von Marokko bis China sie als Klangreise musikalisch

nachvollziehen wollen.



Diesmal werden Xizhi Nie aus dem Reich der Mitte

und Carlo Mascolo aus Süditalien, gerade von einer

langen Tournee durch Lateinamerika zurückgekehrt,

mit einer bestens besetzten Embryoband diesen

besonderen Auftritt anläßlich Peter Michael Hamels

Hochschulabschied zelebrieren.



Besetzung:



Xizhi Nie (China)           Sheng, Erhu, chinesische Flöten,

                                     Perkussion, Stimme

Carlo Mascolo (Italien)  Posaune, Perkussion
Roman Bunka                Oud, Gitarre
Jens Pollheide               Flöten, Bass
Lothar Stahl                  Perkussion, Mikrotonmarimba
Marja Burchard             Perkussion, Mikrotonmarimba,

                                     Posaune
Mik Quantius                 Stimme
Christian Burchard        Santour, Vibraphon, Perkussion,

                                     Mikrotonmarimba
Johnny Hamel               Perkussion, Djembé, Darabukka

Peter Michael Hamel     Piano, Keyboard



"Gegründet 1969 ist die Münchner Gruppe Embryo die älteste

Weltmusikgruppe Deutschlands. Ihre Auftritte und weitläufigen

Auslandsgastspiele, die bis nach Afghanistan und Indien führten,

organisieren die Musiker meist selbst. Vor drei Jahren hierzulande

endlich preisgekrönt, erhielten die 'Krautrocker' bereits vor

Jahrzehnten ein Lob von dem begeisterten Miles Davis:

'Das sind Hippies, die verrücktes Zeug und schräge Rhythmen

spielen und großartig improvisieren können!' "

(Neues Deutschland, Berlin-Kultur, Nov 2011)


 

 

 

" Neues Deutschland " 12/13.11.2011 Berlin-Kultur S.14:


                                                                         Globetrotter der Musik


Gegründet 1969 von dem Schlagzeuger und Marimba - bzw Vibrafonspieler Christian Burchard, ist die Münchner Gruppe Embryo die älteste Weltmusikgruppe Deutschlands.
Ihre Auftritte und weitläufigen Auslandsgastspiele, die bis nach Afghanistan und Indien führten - siehe "Embryos Reise" erschienen bei der unabhängigen Schallplatten-gesellschaft "Schneeball"- organisieren die Musiker bis heute meist selbst. Vor drei Jahren hierzulande endlich preisgekrönt,  erhielten die "Krautrocker" breits vor Jahrzehnten ein Lob von dem begeisterten Miles Davis: "Das sind Hippies, die verrücktes Zeug und schrägeRhythmen spielen, und großartig improvisieren können".
Als swingendes Portal nach Europa und selbstloser, musikalischer Gastgeber stellte Embryo bereits in den 70 er und 80 er Jahren heute international anerkannte Künstler vor - etwa das Karnataka College of Percussion,Seinkho Namtylak, Trilok Gurtu, Ramesh Shotham - oder sie gingen mit Charlie Mariano ins Studio.
Mit Michi Wehmeyer und Christian Burchard erscheint lebendige Embryo- Geschichte auf den Bühnen - Lothar Stahl von der versunkenen Gruppe Check Point Charlie ist ebenso dabei wie Mik Quantius frei improvisierten Gesang anbietet. Die Keyboard - und Marimbaspielerin Marja Burchard, die Tochter Christians, die auch Posaune spielt, steht für eine hoffnungsfrohe
musikalische Aufgeschlossenheit, die seit über 40 Jahren die Musik Embryos auch auf Rille klingen lässt. In diesem Sinne muss auch auf die empfehlenswerte Doppel- CD "Embryo 40" verwiesen werden.

(Hans Dieter Grünfeld)
 

 


Mittelbayerische Zeitung 16.09.2011
Seit 42 Jahren auf Tour: Die
Reise vonEmbryo geht weiter

WELTMUSIK Heute gastiert das berühmte Kollektiv  

REGENSBURG. Seit 1969 haben sie den halben Globus bereist. Dabei sind sie überall auf Musiker, ethnische Stile und Instrumente getroffen, die sie kurzerhand ins Kollektivgeschehen integriert haben. Als Gäste habe in den Jahrzehnten unter vielen anderen Fela Kuti, Trilok Gurtu, Charlie Mariano und Mal Waldron mit der Münchner Gruppe um den genialen Vibraphonisten und Schlagzeuger Christian Burchard gespielt. Embryo sind die ultimative Weltmusik-Krautrock-Formation. Zum 40-jährigen Jubiläum vor zwei Jahren erschien bei Trikont eine spannende Doppel-CD mit 28 raren Tracks aus dem riesigen Archiv von Burchard.
Mit diesem Sampler wird die abenteuerliche Geschichte der Band nachgezeichnet.
Seit ihrem elften Lebensjahr gehört auch Tochter Marja zur – von Konzert zu Konzert immer mal wieder wechselnden – Stammbelegschaft der Band und ist Teil einer „gegenkulturellen Bewegung“, die mit dem oft beschworenen Hippietum wenig, aber viel mit kreativem Musikertum zu tun hat.
MZ-Autor Michael Scheiner hat im Vorfeld mit Christian Burchard über Väter und Töchter gesprochen.
Wie lange spielt Deine Tochter Marja schon bei Embryo mit?
Christian Burchard: Marja ist 1985 zur Welt gekommen und hat mit elf Jahren das erste Mal bei Embryo am Piano gesessen. Sie spielt außerdem Marimba, Schlagzeug und seit einigen Jahren Posaune. Mit diesem Instrument ist sie auch festes Bandmitglied bei der Express Brassband. Gelegentlich singt Marja auch.
Deine Tochter ist doch vermutlich in einer anderen musikalischen, kulturellen und sozialen Situation aufgewachsen?
Marja ist vor ihrer Schulzeit oft auf den Tourneen mitgefahren und damit
praktisch mit der Weltmusik aufgewachsen. 1991 war sie lange mit in Japan unterwegs... Dann hat sie auch immer Musiker aus Asien, Afrika und Amerika um sich gehabt, die bei uns zu Gast waren und ihr diese Kulturen nahe gebracht haben.
Embryo haben immer mannigfaltige ethnische, musikalische und stilistische Einflüsse aufgesogen. Welche Einflüsse bringt Marja in die Band?
Unser Bassist Gregor Platzer hat seit seiner Marokkoreise immer eine Gembri, den „Urbass“ der Gnawa dabei. Mittlerweile ist er bestens vertraut mit dieser Kultur. Marja hat ebenfalls einen großen Einfluss auf die Band.
Kürzlich war sie in Mali und Senegal unterwegs. Die dabei gesammelten Erfahrungen werden von der Band verarbeitet. Dann hat sie einen anderen
Freundeskreis. So war sie auf Tournee mit Musikern des Andromeda Mega Express Orchester. Momentan touren diese für das Goetheinstitut in Lateinamerika, deshalb werden sie in Regensburg nicht dabei sein. Marja ist auch eine originelle Komponistin. Demnächst wird es eine Embryo-Platte geben mit ihren eigenwilligen rhythmischen Ideen.
Liegen die glorreichen Zeiten hinter Embryo – oder hat Eure Musik heute noch etwas zu sagen?
Glorreiche Zeiten gab es eigentlich nie bei uns. Wir hatten immer Schwierigkeiten, mit unserer Kunst zu überleben. Das Big Business ist uns nicht begegnet. An ein Aufhören haben wir nie gedacht. Vielleicht macht diese Energie uns bei jungen Leuten so attraktiv.
40 Jahre Bandgeschichte auf einer Doppel - CD – ist das bei eurer Geschichte nicht ein bisschen wenig?
Wir haben einmal sogar daran gedacht 40 CDs auf einmal herauszubringen,
Material dafür gäbe es genug. Es  wurden dann vier CDs, die wirunserem Freund und Musikjournalisten Christoph Wagner zuschickten. Der hat dann die zwei CDs daraus gemacht, wie sie auf der Trikont-Veröffentlichung zu hören sind.

 

 

Süddeutsche Zeitung 7.07.2011 Nr.154/Seite R5 Kultur im Landkreis
Kollektives Wachstum
Die Weltmusik-Band "Embryo", die stets nach Neuem sucht....
Starnberg - Verhalten tastet sich das Xylophon an die leisen Klänge der Oud,
Melodien verschmelzen, Rhythmen überlagern sich. Europa trifft auf Afrika trifft
auf Ozeanien: Weltmusik in der Starnberger Montessori-Schule. Die Gruppe
Embryo, seit 1969 in unterschiedlichen Formationen unterwegs, erweist sich nach
wie vor als Schmelztiegel, ja Kulminationspunkt musikalischer Sprachen. Den
Stil des Kollektivs haben viele mit Krautrock charakterisiert - was das Phänomen
Embryo nur zum Teil definieren kann. Weltmusik nennen die Künstler ihre lang
ausschwingenden Improvisationen, was dem Klangerlebnis gerechter wird.
Herz, Kopf und Bauch der Gruppe ist Christian Burchard, der sie vor 42 Jahren
mit Gleichgesinnten gegründet hat; seitdem hatten etwa 400 Musiker, oft aus
dem (östlichen) Ausland, Kontakt zu der Formation. Multiinstrumentalisten sind
die Bandmitglieder allesamt, allen voran Burchard, der von diversen Klöppel-be-
triebenen Tonerzeugern zum Klavier wechselt und neue Ideen vorgibt, die die
anderen weiterentwickeln. An Blasinstrumenten verwenden die sechs Musiker neben
dem Alphorn noch Trompeten und Posaune, das früher obligatorische Saxophon
fehlt diesmal. Embryo experimentieren gern mit außergewöhnlichen Takten - da
fällt ein Fünfviertel' wie in " Take Five" kaum auf.
Und wenn sich Burchards Tochter Marja ans Schlagzeug setzt, ändert sich der Ge-
samteindruck von Embryos Musik: Sie wird härter, lauter, rockiger. Doch auch
ein normaler.. fröhlich vor sich hinswingender Rhythmus bleibt nicht aus, sorgt
für locker-lässige Atmosphäre. Embryo, das bedeutet auch ausgedehnte Reisen.
Die Musiker saugen die Klänge der jeweiligen Gastländer wie Schwämme in sich auf, um sie dann zu einer spannenden Collage zu verarbeiten.......
Trotz seiner 65 Lebensjahre sucht Christian Burchard noch nach Neuem. Er uns sein
Musik-Kollektiv sehen sich immer noch in einer Phase des Wachstums-Embryonen halt.
Peter Baier

 

Erlangener Nachrichten 10.06.2011
Orgiastischer Flusslauf
Konzert der musikalischen Weltenbummler Embryo:
...Deren Musik ist ein ewiger, seit den frühen Siebziger Jahren sich permanent wandelnder Fluss, ohne Anfang und Ende...
Zauberhafte Klänge
Die Weltenbummler mit Münchner Basis sind gut drauf an diesem Abend. Das meiste dieser risikofreudigen, freien Musik gelingt so zauberhaft, wie der Sitar - umwölkte Trip nach Indien oder der John - Coltrane - artige 5/4 Groove mit den herrlich verstrahlten Gitarrenläufen...
Irgendwie schön, dass es in unserer Event - gebeutelten Facebook - Ödnis noch solche Chaoten gibt....

Windsheimer Zeitung 15.06.2011 Kultur S.5
Auf der Suche nach dem ultimativen Sound
Embryo begeisterte mit seiner bizarren Synthese aus progressiven Rock, E - Musik und Free - Jazz das Publikum.
BAD WINDSHEIM - Wer am Samstagabend beim Auftritt der Musikerformation Embryo die unmittelbare Sinnlichkeit der Rockmusik mit Groove und Swing erfahren wollte, blieb gnadenlos auf der Strecke. Ganz andere Klänge bohrten sich in die Ohren im voll besetzten Obergeschoss des Tazmanian Devil.
So ganz neu waren die Klänge nicht. Aber eben auch keine Mainstreamproduktion, sondern immer noch Musik für eine kleine Minderheit von Musikliebhabern, deren Entwurf von einer Gegengesellschaft zwar seit Altamont und dem Berliner Blues in Trümmern liegt, die aber verliebt sind in die eigenen Mythen.Embryo - die Formation besteht seit über 40 Jahren mit wechselnder Besetzung - taucht immer noch hinab in ein mystisches Halb-dunkel, spielt weiterhin ihre mitunter bizarre Synthese aus progressivem Rock, E-Musik und Free-Jazz. Sie bestechen durch ihre Vielfalt und ihr hohes musikalisches Niveau, dass eine bewusst herausgearbeitete Gegensätzlichkeit zur gängigen Angloamerikanischen Rockmusik darstellt. Orientalismen, iberische und lateinamerikanisChe Anklänge erinnern an ein Label von 1974, "Dr. Aftershave and the The Mixed Pickles" (Schneeball)
Mit bedingt durch die verwendung von exotischen Instrumenten wie dem Gembri, der Marokko-Trommel, dem Marimbafon und dem Vibrafon entführte Embryo die Zuhörer in ein psychedelisches Multiversum. Geschart um das Urgestein Christian Burchard zeigten Gregor Platzer mit der Trommel und dem jazzigen Kontrabass, der Gitarrist Valentin Altenberger, der Grazer Wolfgang Petrisch an der Dharabouka und am Schlagzeug und der Trompeter Simon Otto dass immer noch eine ekstatische Steigerung möglich ist.
Zeitgenössisches Komplement
Im Grunde immer noch eine, obschon sehr gelungene, Antizipation zur gängigen Musik... Avantgarde eben; Und für die gänzlich Eingeweihtenwar es eine Vertonung des " Weges nach Ixtlan" von Carlos Castaneda.
Fazit des Abends: Wenn vor Zeiten Janis Joplin an den lieben Gott in frommer Ironie den Wunsch nach einem Mercedes Benz äußerte, angeblich weil man damit besser durchs Leben fahren konnte, so irren die deutschen Spätrocker immer noch auf ihren musikalischen Trampelpfaden durch einen dunklen Dschungel auf der Suche nach dem ultimativen Sound und bleiben dabei, dass was sie sind und waren: Ein zeitgenössisches Komplement zur deutschen Innerlichkeit (Romantik), zur deutschen Philosophie, zu einer spezifisch deutschen Intellektualität. Avantgartist zu sein, ist halt eben doch ein harter Job. HANS-PETER HAHN
 

 

 

Die Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Nr 7 Wintersemester 10/11 CD-Kritik
„Krautrock“-Legende feiert 40.
Waren das noch Zeiten: Man rauchte ein bisschen was, und irgendwann sagte der Gitarrist „Ich steig dann mal ein.“ Um 1970 herum, als Embryo das Licht der Welt erblickte, war in der progressiven Rockmusik die psychedelische Phase in Gang. „Krautrock“ lautete das eher despektierlich klingende Etikett für den deutschen Ableger des Anti-Mainstream, aber was soll’s: Ist doch richtig gute Musik dabei herausgekommen.  Davon kann man sich auf der neuen Doppel-CD „40“ überzeugen.
Die CD ist eine Rückschau mit Nostalgie-Potenzial, und ein bisschen merkwürdig ist es in der Tat schon, wie unbeschädigt und musikalisch ungemein angereichert die verschiedenen Embryo-Besetzungen ihre Reisen in verschiedene Weltregionen überstanden haben, die heute viel stärker vom Thema der Unsicherheit geprägt scheinen als damals.  Weil Embryo immer eher kreatives Sammelbecken war als eine fest umrissene Band, hört man viele ausgezeichnete Musiker auf dieser CD, unter anderem Ramesh Shotam, Roman Bunka und Mal Waldron, Charlie Mariano, Shoba und Trilok Gurtu sowie – und das ist nur einer der vielen Gründe, diese CD hier allen Lesern ans Herz zu legen – unser allseits geschätzter Peter Michael Hamel, Professor für Komposition an der HfMT..
Embryo, das ist wirklich mehr als Musik, beziehungsweise es ist das Maximum an kulturell angefüllter musikalischer Produktion, zu dem die deutsche Popmusik fähig war. Viel Kulturgeschichte der letzten vier Jahrzehnte spiegelt sich in der Musik, viel Brillanz, Kreativität, Experimentierlust und unbekümmerte, angstfreie Beweglichkeit. Das wäre für das, was man eine Band nennt, viel zu viel: Wenn Rock eine Religion ist, wofür manches spricht, dann ist Embryo unbedingt einer ihrer wichtigsten Propheten.
BU:
Peter Michael Hamel (2. V. l.i.) mit Sohn zur Rechten im Kreise von Embryo und der Gnawabruderschaft des Abdellah El Gourd, in Tanger/ Marokko im März 2010 (Foto)

RegistrierungLoginMittwoch, 17.11.2010Wetter|epaper|Sitemap|RSS|VideosFotostreckenKinderNetzmeine Startseite Embryo und Gunter Hampel überzeugten beim Free-Flow-Festival bei Salzmanns
Passt in keine Schublade

Hessische/Niedersächsische Allgemeine
HNA Online Kulturnachrichten 19.10.10
Kassel. Die Münchener Band Embryo gehört zu den wenigen Formationen, die sich nicht einer bestimmten Musikrichtung zuordnen lassen wollen. Mal blitzen Elemente afrikanischer oder sogar orientalischer Musik auf, dann plötzlich Rock oder Jazz.
Generell gestalteten sich Zuordnungen jeder Art beim Free-Flow-Festival am Wochenende in der gut besuchten Salzmann Factory äußerst schwierig. Geboten wurde dem Publikum neben zwei offenen Bühnen ein kleiner Flohmarkt und mehreren Bands.
Besonders bei dem dynamischen Schlagzeugspiel von Marja Burchard und den tollen Basslinien von Jens Pollheide blieb kaum ein Zuhörer ruhig stehen. Trotz der teilweise abstrakten und turbulenten Soli ihrer Kollegen sorgten diese beiden Bandmitglieder dafür, dass die Musik nie ihren beeindruckenden Groove verlor. Kein Wunder also, dass das begeisterte Publikum Bandleader Christian Burchard (Vibrafon), Marja Burchard (Drums), Carlo Mascolo (Posaune), Art Zen Wehmeyer (Gitarre), Ulli Faust (Percussion), Edgar Türk (Gitarre), Mik Quantius (Gesang) und Jens Pollheide (Bass) feierte.



Embryo
ROOTSZONE, das dänische Magazin für Folkmusik 04.010
Musikalisches Treffen in der Medina

Tanger in Marokko war schon immer ein Knotenpunkt für Kreativität. Willkommen im " Dar Gnawa", dem Haus der Gnawa, wo der Gnawameister Abdullah El Gourd Besuch von der legendären deutschen Kultgruppe " EMBRYO" hatte. ROOTSZONE war mit dabei.

Man erreicht nach einer einstündigen Fährpassage Europa-Afrika den Hafenort Tanger. Wenn Sie aus dem Hafenviertel kommen, drehen Sie scharf nach rechts und gehen einen Hügel empor. Wenn Sie hier neu sind werden Sie von einer Schar potentieller Stadtführer verfolgt, welche Sie dahin wünschen möchten wo der Pfeffer wächst. Dann erreichen Sie eine Treppe, gehen hoch, und kommen in den alten Stadtteil der Medina. Die meisten Leute gehen geradeaus zum Zoco chico, zum kleinen Markt, dem Zentrum des Lasters, der offiziell der "innere Markt" heißt, aber mit größerer Genauigkeit von den Einheimischen der "schwarze Markt" genannt wird.
Am Souk Dakhil, wo viele berühmte Hotels der billigen Art ein rechteckiges Karree bilden und in der Mitte einen Platz freilassen, sitzen Alle in Cafes die hier wie aufgereiht daliegen und legendäre Namen wie "Tingis", "Fuentes" oder "Tanger" besitzen. Dort herrscht immer noch ein permanentes Leben und Treiben wie es damals in den 50 er Jahren schon war, als William Borroughs hier in der Pension "Fuentes" wohnte, und sein Leben als Junkie, Sextourist und leidender Künstler später in dem Buch "Naked Lunch" beschrieb, das als eine der seriösesten Schilderungen des Lebens " On the Wild Side" gilt.
Der schwarze Markt hat immer noch seine altes Flair, und hier wohnte die deutsche Kultband EMBRYO zwei Wochen, bis sie vor ein paar Tagen nach Spanien aufbrachen, von wo sie eine niemals endende Tournee wieder aufnahmen, die schon seit Ende der 60 er Jahre im Gange ist. Wir sprechen über die Band, die die sogenannte Krautrockwelle mit angefacht hat, und die reell startete, als die gleichaltrigen Schüler Christian Burchard und Dieter Serfas in Bayern ihre erste Band gründeten. In der Anfangszeit spielten Mitglieder von "Embryo" bei Amon Düül oder umgekehrt, Dieter Serfas spielt heutzutage noch ab und zu mit Amon Düül, und "Dissidenten" haben sich vor einigen Jahren als eigenständige Band abgespalten.
EMBRYO hat eine einzigartige Geschichte. Eine ihrer spektakulären Reisen war damals, als sie nach Nigeria zogen, und bei dem phantastischen Bandleader Fela Anikulapo Kuti in seiner berühmten "Kalakuta-Republik" in der Lagosvorstadt Abuja wohnten. Oder damals, als sie über einige Jahre in Indien herumreisten und spielten, während sie natürlich von einer ganzen Anzahl musikalischer Meister lernten, mit denen sie lebenslange Freundschaften entwickelten.
Afrikanische Spielstube
Als Berichtender bin ich auf einer längeren Reise durch Marokko, und wie viele meiner anderen Reisen handelt auch diese von Musik. Ich bin in Meknes und Umgebung gewesen und nahm teil an den jährlich stattfindenden Sufifestivals der Aissaoua-und Hamacha - Bruderschaften , Feste, die dieses Jahr teilweise durch den Regen kaputtgemacht wurden, der über Südeuropa und Nordafrika die ersten Monate des Jahres 2010 hinweggefegt ist. In Meknes brach ein Minarett beim Freitagsgebet über den Betenden zusammen, und nach diesem Erlebnis war da nicht mehr viel zu feiern. Sogar in der Bergstadt Sidi Ali regnete es permanent, so daß man sagen konnte, das Wasser war dieses Jahr gegen die Festivals.
Darum war es eine schöne Überraschung für mich, bei dem Gnawameister in Tanger`s Medina einzutreten und ihn dabei zu finden, wie er mit keinem Geringeren als EMBRYO übte. In der Mitte saß der charismatische Meister Maalem Abdullah El Gourd Boulkhair mit dem dreisaitigen Gembri und dem markanten , weißen Vollbart und geschlossenen Augen. Während er so den Baß im 6/8 Takt spielte, wurde er von seinen Musikern und denen von "Embryo" begleitet. Ganz besonders eindrucksvoll Christian Burchard mit seiner persisch-indischen Santur, einem Hackbrett, das mit Schlägeln gespielt wird und einen Sprudel von Tönen hervorbringt. Dieses Instrument hat der große Meister aus Kaschmir Pandit Shiv Kumar Sharma berühmt gemacht , und Burchard brauchte drei intensive Studienjahre um darauf spielen zu lernen.
An seiner Seite war gerade seine charismatische Tochter Marja dabei ein Marimbasolo zu spielen, während ein spezieller Gast auf dieser Tournee über seinen alten Synthesizer gebeugt steht: Peter Michael Hamel, bekannt als Hochschulprofessor für Komposition und Spezialist für Weltmusik, der einst die vergessene Kultband "Between" gegründet hatte. Dann legte auch die Bläsergruppe los und mit ihnen der merkwürdige Sänger Mick Quantius, der mit einem Finger im Mund Geräusche hervorbringt und dessen Sound sich im weiten Spektrum zwischen autentischem Obertongesang unendlicher mongolischer Weiten, und Gesang a la Van Morrison befindet.
Mick ist ganz einfach ein Phänomen. Und hier in dem Gnawahaus am Rande von Tanger ist es seine Stimme, die dem Ganzen etws Schräges gibt. Ein wunderbares Treffen zwischen den afrikanischen Sufis und den weitgereisten musikalischen Schamanen aus Deutschland. Als die musikalische Ekstase wieder abflaut, merken alle, daß etwas einmaliges geschehen ist. Aber ich mußte alle umarmen und begrüßen und Neues von den religiösen Festen berichten, und von allen Gnawabrüdern aus dem Süden, die ich getroffen habe, erzählen. Währenddessen wurden die Pfeifen angezündet und der Ober von "The american Cafe" kommt mit Tabletts voll cafe au lait und Minztee. Das ist business as usual in Tanger`s alter Medina und ich fühle mich wohlig gut zusammen mit den Musikern.
Abdullah`s Haus
Ich habe den Gnawameister Abdullah vor zehn Jahren kennengelernt. Zuerst habe ich ihn bei den Master Musicians im Dorf Yarouka in den Jaballah-Bergen getroffen, wohin ich fünf Jahre lang von1997 bis 2001 gegangen bin ,und wo einige spektakuläre Festivals abgehalten wurden.
Abdullah ist ein Meister, der immer Gnawa-Musik gespielt hat. Aber er ist untypisch, weil er viele Jahre als Tontechniker bei der amerikanischen Radiostation "Voice of Amerika" war, ein Job, von dem er jetzt pensioniert ist. Deswegen konnte er seinen Lebensunterhalt im Haus seiner Eltern aufrecht erhalten, wo er mit seiner Frau und drei Töchtern lebt. Sein Sohn Abdoujabar hat einige Jahre als Artist in einem spanischen Zirkus gearbeitet. Auch eine Tradition, für die junge Leute aus Tanger berühmt sind.
Im Haus hat Abdullah das Parterre so eingerichtet, daß es wie ein Museum für Gnawakultur aussieht. Die Kultur, die von den Sklaven aus Ländern südlich der Sahara gebracht wurde, beinhaltet: Hellsichtigkeit, das afrikanische, vorislamische Ritual der "Lila" (Trancenacht), und die spezielle Musik. Abdullah ist der stolze Repräsentant der Chemeli-Kultur in Marokko, das ist der spezielle Stil den man im Norden findet, und in dem sich der Rhythmus, die Reihenfolge und der Inhalt der Lieder bedeutend von der Szene des Südens unterscheidet, die man besonders in Städten wie Marrakesch (gharbawi-Stil ) und Essaouira ( Souiri-Stil ) findet.
Abdullah`s Haus ist auch als Schule und Treffpunkt für seine Band bekannt, und nicht zuletzt auch für seine Offenheit gegenüber allen, die Lust haben Gnawamusik zu spielen, oder ihr etwas Neues hinzuzufügen. Solange sie nicht am Morgen oder Vormittag kommen, denn da sitzt er im Cafe auf dem schwarzen Markt, oder nach 21 Uhr, wo er sich dann zurückzieht. Aber zu allen anderen Zeiten gibt es freies Spiel. Abdullah und seine Musiker sind oft auf Tournee im Ausland, sie spielen u. a. mit Jazzstars wie Archie Shepp, oder Afrikakenner und Pianist Randy Weston.
Vielleicht nach Dänemark
Während die Tage im Haus vergehen wird es immer deutlicher, daß die deutsche Band und der marokkanische Meister sehr gut zusammen harmonieren. Die Band hat im Laufe der Jahre viele Erfahrungen gesammelt. Sie haben z.B. mit einer Gnawafamilie zusammengespielt der ich auch angehöre, nämlich der Guinea-Familie aus Essaouira. Da spielten sie zusammen mit dem großen Meister Mahmud Guinea. Außerdem kennen sie die alte Kultband "Nass El Ghiwane", die in den 70er Jahren Rock-, Gnawa-, Berbermusik und alte Sufipoesie im sogenannten "milhoun-Stil", fusionierte, eine Band, die in Marokko ungefähr den Stellenwert besaßen wie die Beatles in Europa. Was sie mit den Beatles noch gemeinsam haben ist, daß zwei ihrer Mitglieder bereits tot und offensichtlich unersetzbar sind.
Doch EMBRYO zeigt durchaus lebendiges Spiel in Tanger, und das obwohl ein paar ihrer Stars nicht dabei sind. Aber dafür haben sie sich mit dem phantastischen Thomas Gundermann erweitert, der bei einem speziellen Embryokonzert einige Tage später in einem kleinen Palast eines reichen Mannes oben in der Medina, seine ganz besonderen Fähigkeiten auf der Altdeutschen Sackpfeife zeigte. Übrigens ein Auftritt ohne die Gnawamusiker, mit einem Musikstück wo EMBRYO von der klassischen arabischen Makanform ausgeht, um dann ihre eigene psychedelische Version davon zu spielen. Wie früher, nur daß der alte Krautrock jetzt Lichtjahre entfernt ist.
Vielleicht wird unsere Zusammenarbeit und das zufällige Treffen noch intensiver, weil vor einigen Jahren der dänische Tontechniker Lars Rex bei einem Konzert mit EMBRYO in Dänemark dabei war, und es wird darüber gesprochen, daß in der Zukunft EMBRYO noch einmal nach Dänemark eingeladen wird. Diesmal aber mit dem charismatischen Gnawameister von dem offenen, musikalischen Haus in Tanger`s Medina.
Also haltet Augen und Ohren offen!

Text von Torben Holleufer, Dänemark, vom 6.4.2010, erschienen in : ROOTSZONE, das dänische Magazin für Folkmusik, Übersetzung aus dem Dänischen: Bettina Winkelmann
 

taz-20.8.10

Musikalische Blickwechsel

Reisen öffnet die Horizonte und schafft neue Blickwinkel, auch auf sich selbst, was manchmal gerade damit zusammenhängt, dass die Welt kleiner wird in ihren Möglichkeiten. In den Plattenläden etwa, in denen man auch anderswo gern vorbeischaut, weil man immer Entdeckungen machen kann. An so einem Ort aber schrumpft alle Fülle halt auf das Format, das in den Regalen Platz hat, im Spiel vom Angebot und Nachfrage, das bei einer Stichprobe jüngst in einem Plattenladen in Odessa in der Ukraine die Auswahl aus deutscher Perspektive auf eine CD 1.) von Modern Talking und 2.) von Dunkelwerk verknappte. Modern Talking kennt man. Dunkelwerk vielleicht nicht. Dabei handelt es sich um sogenannte "Endzeit Electro", bei der Klimperelektronik mit Marschmusik und einer schnarrenden Feldwebelstimme aufgemöbelt wird. Es rührt einen aber schon seltsam an, in einem Plattenladen in Odessa auf einem "Troops" geheißenen Album Songtitel wie "Die schwarzen Jahre" und "Gegen die Flak" zu lesen
, mit denen man mitten in einem Landser-Heft steht. Wobei das hier verhandelte Deutsche Reich in seiner Götterdämmerung in den Texten doch so bedeutungsoffen formuliert ist, dass Dunkelwerk sicher auf jeder Seite steht.

Ist das jetzt schon Nationalismus, wenn man sich in dem Plattenladen ein wenig grämt, dass als einzig nennenswerte musikalische Positionen hier nur Modern Talking und Dunkelwerk für Deutschland stehen und nicht so ein schickes Modell wie etwa Franz Ferdinand für das Königreich? Gab es auch zu kaufen, in einer eigens für den ukrainischen Markt bereitgestellten Version für umgerechnet vier Euro. So wie die CD von Dunkelwerk.

Eine deutsche Band, die es wirklich verdient hätte, in jedem Plattenladen dieser Welt mit mindestens einem Exemplar vertreten zu sein, ist Embryo. Schon deswegen, weil die auf einer nun mehr als 40 Jahren dauernden Reise einfach überall gespielt haben in der Welt, in einem immerwährenden Wandel, in dem man sich vom Krautrockjazz durch alle möglichen Traditionsmusiken improvisierte, die man am Wegesrand fand. Hunderte Musiker wurden dabei durch de Band geschleust, übrigens auch Nick McCarthy, der seine musikalische Lehre bei den Münchner Musiknomaden absolvierte, bis er später mit Franz Ferdinand erfahren durfte, dass man mit Musik doch in die Hitparaden kommen kann. Nur halt Embryo nicht, die das ja gar nicht wollen. Die wollen nur spielen. Unterwegs sein. Horizonte öffnen. Ab Montag wieder auf einer im Kreuzberger Edelweiß startenden Tour durch Berlin, bei der bis Anfang September in zwölf Konzerten wirklich jedes nur verfügbare Hinterzimmer bespielt wird. THOMAS
MAUCH

 

 

 

Vom Krautroclk zur weltumspannenden Musikerfahrung: Heute feiert die Münchner Formation Embryo das Erscheinen ihrer Doppel – CD - Werkschau zum Jubiläum
 von Christian Jooß Münchener Abendzeitung 23_4_2010.

Eben ist er mit seiner Band Embryo aus Marokko
zurückgekommen. Christian Burchard sitzt in der Küche des Münchner Trikont - Labels. Hier ist eine Doppel - CD
mit 28 Stücken aus dem Gesamtwerk erschienen.
Embryo. das ist eine mittlerweile 40 Jahre alte Münchner Musikinstitution, gewachsen aus der Krautrockszene. groß geworden auf Reisen mit Jazz und den Musiken. die man auf der Straße fand. Heute wird gefeiert, im Schwere Reiter. mit einer Embryo - Ausstellung aus Plakaten und Videos und mit einem Konzert mit verschiedenen Gästen aus dem Ausland.
Gute Nachbarschaft: Embryo und Brigitte Mohnhaupts Katze:
1971 fuhr die Gruppe nach Marokko, Algerien und Tunesien und spielte mit einheimischen Musikern Es war die erste Reise von vielen. „Da haben wir gemerkt, wir spielen die falschen Töne“. Embryo begann zu lernen. Und dieser Prozess ist für Burchard auch 40 Jahre nach der Gründung der Band noch nicht abgeschlossen. Die Osmanen kennen zwischen C und D neun verschiedene Mikrotöne. „Ich habe das gelernt zu hören,“ sagt Christian Burchard, „aber ich kann das immer noch nicht hundertprozentig“. Er ist schließlich wohltemperiert mit Johann Sebastian Bach aufgewachsen...........................
Burchard erzählt. Von Anfang an. Vom Aufwachsen in Hof, von der Übersiedlung nach München. Von der Begeisterung für neue Jazzer wie
Ornette Colernan, den er 1961 irn Konzert erlebt hat. Und davon, wie er plötzlich für einen Musiker des Mal-Waldron-Ensemles einsprang. Und etwas später den Jazz-Pianisten Waldron nach München brachte. um mit ihm in eine enge Musikerkommune in Giesing zu ziehen. In der Münchner
Krautrock-Zeit und im UmfeId von Amon Düül entstandenen Embryo -die manchmal auch ganz nahe an der politischen Zeitgeschichte waren.
Die zweite Ernbryo-Komnune quartierte sich in der
Freund Rolf Heißler. Man verstand sich nicht eben prächtig: Für Embryo waren die zukünftigen RAFler zu rockig unterwegs. Umgekehrt hielten
die Embryo für Kiffer jenseits von Gut und Böse. Als man eines Tages vom Einkaufen nach Hause kam, war die Eingangshalle voller Polizei. eben war
Mohnhaupt verhaftetworden. Die Embryo-Kommune leistete nachbar-schaftlichen Beistand und übernahm ihre Katze. Die hieß Hutzel. Und
war, erinnert sich Burchard vom Aussehen her "eine Mischung. aus Charlie Chaplin und Hitler". Ein nach wie vor perfektes Sinnbild für das Wesen der RAF, findet er.
Nach 1 ¼ Stunden Gespräch sind wir gerade mal in den 70 ern, in Afghanistan, wo die damalige Embryobesetzung vorübergehend als die Kapelle in einem einheimischen Zirkus spielte. Kurz davor waren einige der Musiker in Persien  verhaftet worden. Die Schergen des Schahs hatten die Langhaarigen auf der Straße aufgegriffen und ins Gefängnis verschleppt. Schläge. Eine nie vorher, nie nachher erfahrene Brutalität. Burchard erinnert sich noch heute an die Schreie, die hörte er in dem durchaus nach westlichen Standards eingerichteten Gefängnis. „Ein Klein-Stammheim“, sagt er.Das Grauen endete, als man den Einladungsbrief des Goetheinstituts in einer Reisetasche fand.
Mit den ökonomischen Erfolgsregeln des Pop hat Embryo nichts zu schaffen, obwohl sich Burchard bis heute beruflich ausschließlich seinem Musikprojekt widmet. Hier geht es um Respekt vor dem Anderen, nicht um imperialistische Weltmusik. Reisen ist im Embryo-Kosmos nicht
das Anfliegen von Punkten auf dem Globus, sondern eine, oft beglückende, manchmal mühselige, manchmal Nerven raubende, immer Zeit kostende
�berwindung von 'Distanzen. Schon 1970 fuhr man mit dem VW-Bus nach Fehmarn. Rocker prügelten der entsetzten' Band und ihrem Auto den Weg zur Bühne frei. Und am nächsten Tag spielten sie direkt nach
jimi Hendrix, der an diesem Tag den letzten Auftritt vor seinem Tod haben sollte.
Ein eigenes Zimmer haben Embryo gemietet, In diesem Archiv stapeln sich die Dokumente derBand bis an die Decke. Wer Embryo zu fassen ver-
sucht, der sieht sich vor einem psychedelischen Labyrinth von Geschichten. je länger man mit Christian Burchard spricht, desto weiter entfernt
man sich von der Gewissheit, was Embryo eigentlich ist. Wie viele Musiker mit und in Embryo gespielt haben? Irgendwo hat man von 400 gelesen. Burchard selbst zuckt die Schultern. Was sollte so ein Zahl auch erzählen? Nick McCarty, heute Gitarrist bei Franz Ferdinand, war während seinet Münchner Zeit dabei. Und erinnert sich im Booklet der neuen CD euphorisch daran. Es muss diese Freiheit sein, immer wieder vor die
Wand der eigenen kulturellen Beschränktheit zu laufen, so lange bis diese zusammenfällt, was Musikern auch morgen noch den Kick gibt.



Nachrichten ›Kultur ›Zürcher Kultur
27. März 2010, Neue Zürcher Zeitung
«Wir backen täglich unser täglich Brot» Das legendäre Weltmusik-Ensemble Embryo tritt im Zürcher Helmhaus auf, Vorreiter der Weltmusik: die legendäre deutsche Gruppe Embryo. (Bild: pd)  Vorreiter der Weltmusik: die legendäre deutsche Gruppe Embryo. (Bild: pd)

 Embryo zählt zu den Vorreitern sogenannter Weltmusik. Im Rahmen von Ian Anülls Ausstellung «Rien ne va plus» tritt die deutsche Gruppe im Helmhaus auf. Der Mitgründer Christian Burchard gab telefonisch Auskunft über Embryos Bedeutung. Adam Olschewski

«Une minute», sagt der Portier. Warten also. Und Lärm empfangen, der den Telefonhörer grossräumig füllt. Was ist das? Läuft da laut ein Fernseher? Oder ist es arabischer Übermut? Christian Burchard nimmt den Hörer im Hotelfoyer auf. Es ist 16 Uhr 30 mitteleuropäischer Zeit, eine Stunde früher aber in Marokko. Burchard kommt aus dem Bett. Seine Band Embryo hat hier musiziert, die ganze Nacht über. «Ein Riesenfest», sagt Christian Burchard und klingt dabei sehr angeregt.
Formation im WerdenDie Band ist eine Woche lang in Marokko, um zu proben. «Wir gehen hier in die Schule», sagt Burchard. Immer noch in die Schule? Embryo gibt es ja seit vierzig Jahren schon. Aber «Embryo», der Name, ist eben Programm; die Formation ist immer im Werden. In den vergangenen vier Dekaden waren an die 400 Musiker zu Gast, blieben Jahre oder Tage, weiteten ihren Horizont, öffneten sich, empfingen Impulse aus aller Welt. Bei Embryo schätzt man den Improvisationsgeist über alle Massen. Flexibel ist man dann auch bei Besetzungsfragen. Der bald 64-jährige Burchard aus Oberfranken ist da die einzige verlässliche Konstante.
Anzeige   Die Anfänge von Embryo liegen im Jazz. Burchard nennt seine Vorbilder: John Coltrane, Yusef Lateef, Sunny Murray, Free Jazz ganz allgemein. Zwei Jahre lang war er als Vibrafonist mit dem Pianisten Mal Waldron unterwegs, der Embryo zeitlebens treu blieb. Burchard spricht von der Stimmung Ende der sechziger Jahre: «Wir meinten, alles sei noch zu wenig.» Er spricht vom Muff der fünfziger Jahre und von Lehrern, die die NS-Zeit glorifizierten.
Und er spricht von Embryos erster Nordafrika-Reise, die ihm sowie seinen Mitstreitern die Ohren öffnete für Klänge jenseits des abendländischen Tonsystems. Der Lärm im Hotelfoyer fällt wie bestellt ein, als Burchard über diese Reise sagt: «Das war wie eine Bombe für uns.» Bereits mit ihrem Auftritt 1970 auf dem Festival in Fehmarn, wo sie nach Jimi Hendrix auf die Bühne kamen, wurde Embryo zum festen Begriff. Sie spielten neben Genesis am Pop-Festival in Reading, tourten durch Indien und Afrika. Mit Neugier ausgerüstet, verinnerlichten sie in fernen Gegenden jene Mikro-Töne, ohne die sie ab sofort nicht mehr musizieren mochten. «In vielen Ländern, die wir bereisten, wird die westliche Musikkultur als barbarisch empfunden, weil die Zwischentöne fehlen», sagt Burchard. Und fügt rasch hinzu: «Orientalische, persische, indische Musik, das ist unser musikalisches Axiom. Ohne das geht gar nichts.»
Dies macht nun eine Embryo-Kompilation hörbar, die noch im April erscheint. Es handelt sich um unveröffentlichte Stücke, die Burchard auf zwei CD gebündelt hat. So ergibt sich ein feiner Querschnitt durch Embryos schrankenloses Schaffen – vom astreinen Jazz über Psychedelisches (Burchard spielte bei den Kommunarden von Amon Düül II mit), über Kollaborationen mit dem Saxofonisten Charlie Mariano, mit Indern, Yoruba- und Gnawa-Musikern.
Der Freiheit verpflichtetDie Gruppe Embryo ist derzeit zu elft in Tanger, zwei Musiker aus Slowenien sollen noch nachkommen. Peter Michael Hamel ist ebenfalls da, der Nachfolger György Ligetis als Professor für Komposition und Musiktheorie an der Musikhochschule in Hamburg. Hamels Sohn gehört gegenwärtig genauso Embryo an wie Burchards Tochter.
Bereits 1975 gründeten Embryo-Mitglieder mit der vielfach verehrten Westberliner Band Ton Steine Scherben unter dem Motto «Musik im Vertrieb der Musiker» die eigene Plattenfirma «Schneeball». Dem Freiheitsgedanken verpflichtet, ist Embryo strenggenommen keine Band; eher ein Projekt, eine Utopien streifende Möglichkeit oder gar ein Gegenentwurf zum Pop-Business. Embryo existiere lediglich, weil man sich über die Jahre weltweit einen grossen Freundeskreis erspielt habe, der sich gegenseitig unterstütze, sagt Burchard – und: «Wir könnten leicht eine Band aus 300 Musikern stellen.»
Embryo sei die Pionier-Band der Weltmusik, heisst es. Aber was bedeutet Weltmusik? «Dass man sich nicht einengen lässt vom nationalen Stil», erklärt Burchard. Weshalb blieb Embryo über Jahrzehnte bestehen? Burchard sagt: «Dass es uns nach wie vor gibt, während sich andere hinter die Computer zurückziehen, ist schon besonders.» Und nach einer Pause, vom Lärm hinter ihm unangefochten: «Wir backen täglich unser täglich Brot.»


Vielfältiger Klangkosmos entsteht
Buttenhausen. Seit 40 Jahren faszinieren Embryo mit ungewöhnlichen Klängen. Die Band gilt als Wegbereiter der Weltmusik. Am Freitagabend waren die Musiker um Christian Burchard zu Gast in der Domperle.
"Faszinierend, einmalig!" Was Christian Burchard am Freitagabend beinahe euphorisch beschrieb, war weniger die ungewöhnliche Architektur des sogenannten Domhauses in Buttenhausen, als die aus dem Kuppelbau resultierende Akustik. Burchard, Kopf der legendären Münchner Formation Embryo, kennt den Bau, gastierte er doch bereits vor sieben Jahren hier um mit seinen Musikerkollegen ein Konzert zu geben. Nun, auf Jubiläumstournee durch Süddeutschland, zur Feier des 40-jährigen Bestehens von Embryo, machte er erneut mit fünf Gastmusikern in Buttenhausen halt.
Die Musiker von Embryo mussten also improvisieren - was ihnen nicht allzu schwer gefallen sein mag, ist dieses Stilmittel doch ein durchgängiger Wesenszug ihres Schaffens. In Minimalbesetzung schafften sie es denn auch ein Panoptikum von Tönen zu kreieren, deren Wirkung sich auf die Gäste des Abends übertrug. Hypnotische Klänge der arabischen Lauten (Andy Rust, Valentin Altenberger) oder der Gitarre (Conrad Reukauf) bildeten den musikalischen Hintergrund für virtuose Läufe auf dem Xylophon oder der 96-saitigen persischen Santur (Christian Burchard). Die 20 Minuten andauernden Stücke schufen schnell eine entrückte und verzauberte Atmosphäre in einem ganz eigenen Klangkosmos. Orientalische Klangwelten verschmolzen mit Anleihen aus Jazz und Rock, mal unterstützt durch Trommeln, mal durch tonalen Gesang.
Schnell nahmen die Gäste im Inneren der Kuppel Platz um sich ganz der Akustik und einem ergreifenden Klangerlebnis hinzugeben.
Der musikalische Ansatz von Embryo ist indes schwer zu fassen und gehorcht einer eigenen Philosophie. Man kann das Musikprojekt als Fusionsgruppe, als Kollektiv oder als andauerndes Experiment betiteln - der Kern der Wahrheit entzieht sich allerdings feststehenden Begriffen. Einzig der Name des Projekts mag Hinweise geben: Wie ein Embryo ist die Formation um den Kopf Christian Burchard im Werden begriffen und dabei sich immer wieder neu zu erfinden - seit 40 Jahren.
Seit vier Dekaden erschließt und erhält sich Embryo Freiräume. Schon so lange lassen sich die Musiker von Neuem inspirieren, um es in ihrem Sound- und Klangkosmos aufzunehmen und dort zu verorten. Es ist diese stete Suche nach Tönen, die Embryo und Christian Burchard schon zu Lebzeiten zu Legenden machte. Die Embryo-Musiker, als erste Formation 1969 gegründet, wollten nicht gefallen, sondern mit freien Songstrukturen experimentieren. Auf zahlreichen Reisen Ende der 60er Jahre in den Orient, ließen sie einerseits westliche Denk- und Musikmuster zurück und öffneten sich andererseits neuen musikalischen Einflüssen um sie begierig aufzunehmen und einen eigenen Sound daraus zu formen.
Diese Art, fremde Musikstile zu rezipieren, machte sie schnell zu den bekanntesten Vertretern des "Krautrocks". Rund 400 Musiker spielten im Laufe der Jahre bei Embryo. Darunter der 2009 verstorbene Saxophonist Charlie Mariano oder der Bassist Nick McCarthy der heute bei Franz Ferdinand seine Meriten verdient.
Albbote, 31.5. 2010 Simon Wagner
http://www.swp.de/muensingen/lokales/muensingen/art5701,500416

 

Süddeutsche Zeitung Feuilleton 20.04.2010 Nr.92 S.13

Überschrift:
Die Pioniere
Das Münchner Rock – Kollektiv „Embryo“ sucht seit 40 Jahren nach Klangwelten

"Bei uns galt: Wer Erfolg hat, ist out! "sagt Christian Burchard. "Mit diesem Satz bin ich aufgewachsen". Es ist ein Leitmotiv, das womöglich einiges erklärt. Etwa das vernachlässigte Äußere des freundlichen Mannes, der im Innenhof der Giesinger Plattenfirma Trikont seinen Strähnenschopf über die Jubiliäums-Anthologie seiner Band beugt: ,,40 Jahre Embryo". Oder die Flugzettel, die er aus den Taschen seines verwaschenen Anoraks wühlt: Aktuelle Konzertankündigungen in Form handkopierter Collagen von Reisefotos und Zeitungsblocklettern: Könnte aus einem Jugendzentrum anno 1973 stammen. Und bewirbt doch das bedeutendste Musikerkollektiv, das München je hervorgebracht hat.
Das Reisen war immer wichtig für die Musik von Embryo, das merkt man, sobald der 64 – Jährige ins Erzählen gerät. Etwa davon, wie einst marokkanische Grenzbeamte und der deutsche Botschafter seine Musikerauf dem Weg zu einem vom Goethe-Institut in Tanger organisierten Konzert nötigen wollten, ihre Haare zu schneiden - klar, dass die Embryo-Musiker keinen Zentimeter nachgaben, um schließlich als erste Langhaarige einzureisen. Oder die Episode als Zirkusband in Pakistan. Der Auftritt mit Fela Kuti in dessen Nachtclub "Shrine" in Lagos. Der Studienaufenthalt indischen Tempeln, die Sessions in Afghanistan, der Beschuss durch Aufständische, die Schläge in iranischen Gefängnissen.
Irgendwann wird klar, warum Embryo sooft unterschätzt wird. Es handelt sich weniger um eine Band als um ein fortlaufendes Forschungsprojekt. Embryo ist ein aus der Zeit gefallenes Gegenmodell zu den sozialen, kommerziellen, sexuellen Erfolgsversprechungen des Pop. Miles Davis lobte sie als "crazy creative musicians". Doch in der Heimat weiß kaum jemand, dass die im heimischen München oft als "Gammler" beschimpften Musiker in Übersee als Krautrock-Göttter verehrt werden. Dass die selbstvergessenen Soundtüftler lange vor Peter Gabriel und Paul Simon eine Form von Weltmusik erfanden, die auf Gleichberechtigung statt Ideenklau beruhte. Dass sie in der Popgeschichte einen ähnlichen Stellenwert haben wie die gefeierten Rock-Avantgardisten von Can aus Köln. Dass Popgruppen wie Sonic Youth, Radiohead oder Beck sie als Vorbild zitieren.
Die Anti - Star - Pose wirkt bisweilen verschroben. Und doch ist es gerade der gelebte Anachronismus dieses Kollektivs, der ihm Respekt verschafft. "Alles ist immer noch zu wenig! " zitiert Burchard einen alten Beatnik-Spruch. " Wir wollten mit anderen Musikgalaxien, fremden tonalen Systemen in Berührung kommen. Damals war das für uns aufregendes Neuland". Damals: Das war eine Welt, in der musikalische Grenzerweiterung noch nach politischer Revolution roch, man Nachrichten an Gesinnungsgenossen auf Pinnwänden in Freak - Treffpunkten von Tanger, Istanbul oder Kabul hinterließ anstatt im Internet, und die Embryo-Musiker mit ihren Exoten - Instrumenten sich jeder Konvention verweigerten. Selbst ein Begriff wie
„Avantgarde" erschien ihnen noch zu spießig.
Der Drang hinaus in die Weite war bei Embryo vorprogrammiert: " Wir revoluzionierten gegen den ganzen gesellschaftlichen Mief, diese in die sechziger Jahre hinein überlebenden Nazi-Einstellungen", erzählt Burchard über seine Jugend. Zusammen mit seinem Freund Dieter Serfas besuchte er Jazz-Clubs, wo man die amerikanischen Neuerer hören, über Sartre – Bücher und Cocteau – Filme diskutieren konnte. Als Jazzmusiker folgte er den radikalen Ideen: Noten waren da genauso verpönt wie alles „Kommerzielle“.

//Es gibt nur wenige deutsche Bands, die in der Popgeschichte einen solchen Stellenwert haben//

Burchards große Chance kam, als Mal Waldrons Trompeter ausfiel: Der Pianist, der schon mit Billie Holiday, John Coltrane und Charles Mingus gespielt hatte, nahm ersatzweise den jungen Vibraphonisten in seine Band auf. Der Gig führte Burchard mit amerikanischen Soulmusikern wie auch deutschen Gesinnungsgenossen von Amon Düül bis Tangerine Dream zusammen. Aus ihrem Umfeld rekrutierte er 1969 die erste Embryo - Formation. Man hatte eine gemeinsame Idee: Einerseits parallel zum angloamerikanischen Popgeschehen das Single -Format gegen freiere Songstrukturen einzutauschen. Andererseits aber einen ganz eigenen Sound zu entwickeln.
Das geistige und politische Klima der späten sechziger Jahre kam diesem Vorhaben entgegen: Selbst in München blühte ein paar Jahre lang ein Untergrund auf. Burchard ging mit seiner Band in den Kommunen von Rainer Langhans und Uschi Obermeier ein und aus, man wohnte in der Münchner Au zwei Stockwerke über den späteren RAF – Mitgliedern Brigitte Mohnhaupt und Rolf Heißler (denen ein Embryo - Roadie angeblich dieWaffen besorgte), und spielte im "Paranoia-Center" des Amon Düül - Kollektivs in der Ungererstraße. Der gesellschaftliche Aufbruchsgeist spiegelte sich
musikalisch wider: In halbstündigen Improvisationsorgien wie auch in der Begeisterung für neue Technologien.
So rekrutierte Embryo aus England einen Ten – Years – After - Gitarristen, weilt der das Verstärker - Feedback beherrschte. Sie erprobten archaische Synthesizer, frequentierten die Labors der frühen deutschen Elektronikbastler. Wichtiger noch: Keine Plattenfirmen - Diktate sollten ihre Experimentierwut bremsen. Zusammen mit Ton Steine Scherben und dem linken Trikont – Verlag gründeten sie einen eigenen Vertrieb: Schneeball. Wie Gratefull Dead in Kalifornien verkörperten Embryo in Deutschland einen gelebten Gegenentwurf zum Establishment.
Nur dass die Hippie-Szene hierzulande sich bald als "kommerzialisierter dritter Aufguss" erwies, wie Burchard lästert.
Embryo aber machten sich auf in den Orient. Sie entdeckten mikrotonale Klangwelten, japanische Flöten, Sitars, tibetische Schalmeien und nigerianische Trommeln für sich. Das große Versprechen lag jenseits des europäischen Kulturkreises. Dabei wirkten sie als Durchlauferhitzer für über 400 Musiker, darunter Saxophonist Charlie Mariano, Franz Ferdinand Gitarrist Nick McCarthy, oder die Münchner Funk Adepten Wolfi Schlick und Max Weissenfeld.
Dass heute Techno - und Electromusiker die bisher 30 Alben der Münchner Krautrocker sampeln, registriert Burchard ziemlich unbeeindruckt. Er fühlt sich wohl in der Anonymität. Er sieht sich wie seine langjährigen Mitstreiter Roman Bunka oder Chris Karrer als Werkzeug im Dienste einer größeren Musikschöpfungsmaschine. Bezeichnend die Reaktion auf die Anfrage des einflussreichen amerikanischen Hip – Hop - DJs Madlib, mit Embryo auf Tournee zu gehen.
"Das müssen wir erst ausdiskutieren" , erklärt Burchard. Nicht nur, ob das "zu kommerziell" sei, sondern auch wegen der vom DJ gewünschten Proben: Wir haben eigentlich nie so gearbeitet.......".

JONATHAN FISCHER

 

 


Zum 40jährigen Bestehen von EMBRYO seit 1969 bringt der Trikont-Verlag, mit dem die Münchner schon Mitte der Siebziger kollaborierten, die Doppel-Digipack-Jubiläums-CD "40" heraus. Damit haben wir keine Werkschau in Form "das Beste von" vorliegen, sondern eine chronologische Reihe (nur "What's Happening (1970) ist vorangestellt) von seltenen Aufnahmen. Diese beginnt bei den Free Jazz-Wurzeln (Christian Burchard Trio, Mal Waldron Quartett) der späten Sechziger, die ziemlich schnell in einen hippiesken Jazz-Krautrock übergehen, der den Bandsound in der ersten  Siebziger-Hälfte ausmachte, um dann wieder relativ zügig in die wirkliche Bestimmung der Truppe um Christan Burchard und Dieter Serfass, die aber auch 400 andere Musiker(!) durchlaufen haben, zu münden: eine die traditionellen Musikstile der Welt und seiner Völker aufgreifende, noch immer dem Geist des Free Jazz und Haltung der Hippies verbundene und musikalisch verwandte und sich ständig auf Reisen befindende "äußerst wirksame und bewunderte Musikakademie". Diesen Begriff fand treffend Christoph Wagner, Professor am Lehrstuhl für Kunstgeschichte in Regensburg, der auch das Vorwort "40 Jahre Embryo - Neugierde, Integrität und Konsistenz" von "40" geschrieben, die Zusammenstellung aus Burchards Archiven kompiliert und die ausführliche(!), spannende, zum Verständnis der Zusammenhänge essentielle und  in der Textbeilage zu findende Bandgeschichte "Wieder Unterwegs" nach Burchards Worten aufgezeichnet hat. Damit sind wir beim Booklet, das neben den beiden erwähnten Kapiteln zudem Linernotes zu jedem Musikstück beinhaltet, die Besetzung, Instrumentierung, Aufnahmeort und eine kleine Abhandlung zu jedem Stück bieten. Und zwar alles auf deutsch und (!) englisch verteilt auf zwei Booklets. Verziert wird dies mit zwar kleinen, aber dafür, wie es heisst, bisher unveröffentlichten, Schwarz-Weiss-Abbildungen.

Um hier noch eine Brücke zu schlagen, denn das ist ja auch eines der der Hauptanliegen von EMBRYO, und zwar zu den vielen dem Indierock geneigten Lesern dieses Magzins, sei am Rande erwähnt, dass Nick McCarthy, seines Zeichens FRANZ FERDINAND-Songwriter und -Gitarrist, eben davor über drei Jahre bei EMBRYO aktiv war. Es hängt Alles mit Allem zusammen! Auf die namentliche Erwähnung der weiteren ca. 397 musikalischen Mitstreiter muss an dieser Stelle aus Platzgründen verzichtet werden.

Fazit: "40" eine hochinteressante Sache zum Hören und Schmökern für Fans sowieso und trotz seiner "rare track"-Herangehensweise auch für Einsteiger geeignet, da chronologische Herangehensweise und die Linernotes die Einordung der Musik begreifbar machen (oder man lässt alternativ die Musik einfach auf sich wirken - ist auch erlaubt). Wer zudem auch noch gucken will, müsste das Teil allerdings z.B. um die 2007er DVD "Vagabundenkarawane" ergänzen.

Ein letzter Hinweis: Nach ihrer Marokko-Tournee, die im März stattfand, werden EMBRYO "40" in einem Jubiläumskonzert am 23. April mit so einigen Gastmusiker-Auftritten im Münchner "Schwere Reiter" live präsentieren, verbunden mit einer Plakat-, Film- und Video-Austellung. Ich behaupte: sehens- und hörenswert!

http://www.triggerfish.de/index.php?option=com_content&task=view&id=15236

 

 

Bad Alchemy 10.08
EMBRYO Freedom in Music (Indigo 858222):
Was könnte ich über Embryo sagen, das nicht schon gesagt worden wäre? Dass sie einzigartig
konsequente fahrende Musikanten auf Never Ending Tour durchs globale Dorf sind? Dass mit ihnen jeder noch so kleine Konzertsaal  in welchem Winkel auch immer ein Wurmloch zur weiten Welt wird? Nur eben ganz anders als es TUI verspricht. Christian Burchards Truppe verbreitet einen Hauch von Exotik, eine Ahnung von Freiheit, die im Jet-Zeitalter vielen schäbig und überholt vorkommen mag. Aber das Genuine hatte eigentlich immer schlechte Karten. Daran wird sich auch nichts dadurch
ändern, dass die 33. CD einmal mehr Stationen von Embryos Weltreise auffädelt wie Perlen, die in der Nussschale das enthalten, was die spezifische Lebensform ‚Embryo‘ ausmacht, oder dadurch, dass Burchard & Co. heuer durch die Verleihung des Deutschen Weltmusikpreises 2008,
eines Ehren RUTH für ihr Lebenswerk, offiziell gütegesiegelt wurden. Das Gros der Mitschnitte stammt aus dem Basislager München, dazu auch aus Berlin, vom Marghera Festival 2007 bei Venedig, aus Florenz, Christiana, Tanger, Barcelona oder von der Costa Brava. Immer anders spielt sich da der harte Kern aus Burchard und seinen Vibes, Lothar Stahl an den Drums und Jens Pollheide am Bass in einen Groove, der eine je eigene Note bekommt durch spezifische Zutaten in Gestalt des Vokalisten Mik Quantius oder durch Saxophone, Fagott, sogar Alphörner, durch Geige, Cello, Gitarre, Keyboards. In Christiana wurde zu Ehren der Herrschaftsfreiheit noch einmal echter krautiger Freakrock angerührt, mit Burchard an einer elektrischen Santour. Eine imaginäre Route führt mit Murat Cakmaz und seiner Nai und Fakraddin Gavarov mit seiner Tar von der Türkei über die Seidenstraße bis zu den
fernöstlichen Akzenten, die Xizhi Nie per Sheng, Erhu, Flöte und Karnatakascat setzt. Zuvor schon hatten Deobrath Mishra und Pandit Kumar Lal Mishra mit Sitar und Tabla zusammen mit dem Baritonsax von M. Lutzeier ‚Benares in München‘ eingemeindet. Für orientalischen Zauber sorgen Larry Porter an der Rubab und Mesut Alis Oud oder - in Tanger - Abdellah el Gourd & Dar Gnawa. Am westlichen Pol predigen der Katalane Furmi oder Monty Waters auf dem Altosax und Roman Bunka antwortet mit
Gypsysounds auf der Gitarre. Das hört sich disparater und eklektischer an, als es dann klingt, denn Burchards perlender, durch die jeweiligen Rhythmsections unterstützer Nadel- & Faden-Puls, oft in 7/8, webt jeden Farbton, jede noch so unwahrscheinliche Begegnung, sei es ‚Baku in Marghera‘ der ‚Scheng in Manhattan‘, ein in  Embryos ethno-rockiges Endlosband der musikalischen Freiheit und Freundschaft. [BA 60 rbd]

Nürnberger Nachrichten 16.9.09

"Quicklebendige Krautrock-Legende"

....Seit bald 40 Jahren vagabundiert das Münchener Musikerkollektiv in ständig wechselnden Besetzungen um die Welt, tauscht sich mit Musikern aller möglichen Kulturen aus. Man mag sie „legendär“ nennen, Stars waren sie nie.
... die Bühne ist gestopft voll mit Vibraphon, Marimba, Schlagzeug, einem Keyboard, einer Posaune, einer exotischen Trommel, Gitarren, diversen Verstärkern und sieben Musikern aus mindestens zwei Generationen und es kann endlich losgehen. Erst etwas zaghaft, dann mit wachsender Bestimmtheit schafft sich die Band in einen schroffen Afro-Jazz-Funk-Groove, der stark an den Miles Davis der frühen Siebziger erinnert und wechselt dann fast unmerklich in einen drängenden Fünf-Vierteltakt: Eine wilde, dichte, exzentrische Musik, voller klackender Polyrhytmik und sich überlagender, orientalisch anmutender Gitarrenläufe. Marja Burchard lässt lässig grinsend die Orgel fauchen, während ihr Daddy, Christian wild hüpfend seinem Vibraphon hell schimmernde, jazzige Improvisationen entlockt und dabei aussieht wie eine hyperaktlve Marionette, Erstaunlich mit welch ungewöhnlicher, freigeistiger Energie diese Musik immer noch tönt, so als wäre hier alles seit vierzig Jahren in stet
igem Fluss, Eine Musik, die einfach nirgendwo ankommen möchte sondern immer glerig bleibt nach Neuland. Weltmusik im eigentlichen Sinne des Wortes die alle stilistischen Grenzen einfach lachend über den Haufen fährt.
Sperrig ist das schon, aber wenn man bereit ist, etwas von seinen Hörgewohnheiten zu opfern, wird man von „Embryo" auch reichlich belohnt.
PETER GRUNER

IN München 09.07.2008
Embryo – Freedom in Music„Benares in Pasing“, „Alphornsaga“, „Christiania“, „manhattan Schengl“0 und "Costa Brava Session“ heißen einige Stücke auf der brandneuen Embry-CD. Vom Münchner Wes- ten also über die Schweiz nach Kopenhagen bis New York und das katalanische Spanien führt sie diesmal ihr weltmusikalischer Weg, den sie nach wie vor mit packendem Ethno-Jazzrock verto- nen. Kein Wunder also,  dass ihnen Anfang Juli beim "TFF in Rudolstadt der deutsche Weltmusik-Preis " Ruth 200811 . für ihr Lebenswerk überreicht wurde. Herzlichen Glückwunsch!-

Notes September 2008
Embryo – Freedom in music
Dieses Album war längst überfällig, fast 30 Jahre nach Embryos Reise geht die Reise weiter. Auf Freedom In Music geht es fast 16 Minuten lang quer durch die Kontinente, weil das Musikkollektiv Embryo, von dem Wikipedia zu wissen glaubt, dass ca. 400 Musiker in und mit Embryo gespielt haben, das freie Spiel immer auf den Straßen dieser Welt gesucht (und gefunden) hat und jetzt einmal ein paar Gästen eine Plattform bieten will. Die CD offeriert 14 Live-Aufnahmen, die in den vergangenen fünf Jahren in München,Venedig, Florenz, Kopenhagen, Tanger, Barcelona und in Canet de Mar mitgeschnitten wurden. Man hört eine noch immer neugierige Band, deren Faible für indische, arabische, fernöstliche oder nordafrikanische Rhythmen ebenso durchschlägt wie die Lust am Experiment mit der Free-Rock-Legende NNCK oder einem Alphorn- Trio. Mit der Entwicklung vom jazzigen Krautrock hin zur Weltmusik hat sich Embryo als etwas gezeigt, was die Band wahrscheinlich nie sein wollte: ein pro
duktiver Trendsetter am Puls der Zeit oder wie es der Musikkritiker Bert Noglik formuliert: eine "Lebensform". Dass der 76 Minuten lange Fluss permanent sein Antlitz verwandelt oder morpht, passt bestens ins Bild. uk

Holländisches Weltmusikmagazin Mixed Beyond 7/08

Nach beinahe 40 Jahren World Crossover noch immer an der Quelle.
April 2007. Ein Wald zwischen Zeist und Austerlitz, eine Viertelstunde Fahrradfahren vom Bahnhof Driebergen- Zeist.
.......Dann fängt Embryo an zu spielen.
Christian Burchard, der inzwischen das Alter von 60 Jahren erreicht hat, das Haar noch immer lang, steht hinter dem Becken.
Die drei anderen sind mindestens eine Generation jünger: Christians Tochter Marja spielt Perkussion, Lothar Stahl Marimba - eines mit extra Viertelnoten- und Jens Pollheide, der bei mehr rockenden Sets den Bass spielt hat gerade die Bambusflöte auf den Mund gesetzt.
Die Atmosphäre hält die Mitte zwischen jazzigem Ritual & Oriental. Es wird rasendschnell und diszipliniert gespielt.
Das erste Stück ist laut Ansage eine Komposition aus Bagdad. Das zweite kommt aus der musikalischen Tradition Cordobas.
Embryo wurde im Herbst 1969 gegründet von dem im Jahre 1946 geborenen Organisten und Schlagzeuger Christian Burchard.
In erster Instanz spielt Embryo noch eine Art jazzig- psychedelischen Rock, wobei nach einer ersten Reise durch Spanien und Nord Afrika in 1972 die ethnischen Einflüsse immer deutlicher werden.
Damit beginnt eine musikalische Odyssee die bis auf den heutigen Tag andauert, in jeweils verschiedenen Besetzungen.
Nach Berechnungen haben im Ganzen über vierhundert Musiker als Teil der Gruppe im Laufe der Jahre mitgewirkt, manche für kürzere Zeit (teils für nur ein Konzert) manche für länger.
„Vor allem in den 70er Jahren waren wie ein fester Kern mit Roman Burka auf der Gitarre und dem Oud und Charlie Mariano auf dem Saxofon“, erzählt Burchard.
„Viele Musiker können es sich finanziell einfach nicht leisten um mit uns noch auf Tournee zu gehen. Wenn wir aber in der Nähe spielen, machen sie immer mit.
Ach, das ist für mich in Ordnung. Ich will einfach nur, dass die Sache läuft. Wir machten Sachen die niemand anders machte und eigentlich ist das noch immer so.“
Burchard beschreibt mit einem Siebenmeilen Stiefel vier Jahrzehnte Embryo - Geschichte.
„In den 60er Jahren war Pianist Mal Waldron eine meiner musikalischen Idole“, erzählt er.
„ Ich hatte das Glück zwei Jahre bei ihm zu spielen. So traf ich auf alle Großen im Jazz: Steve Lacey, Max Roach und so weiter.
Das öffnete mir die Tür zur freien Musik. Danach fing ich mit Embryo an.“
„Mal Waldron spielt mit auf dem Album Steig aus aus 1993.“
Danach wurden die Mitglieder verstärkt durch Saxofonist Charlie Mariano, ein gefestigter Name in dieser Zeit. Er hat mitgearbeitet an unserem Konzert wo wir anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972 spielten, genoss unsere Musik und blieb bis 1976, ohne nach viel Geld zu fragen.
Mariano beschäftigte sich übrigens bereits in dieser Zeit sehr intensiv mit indischer Musik.
„Die dritte wichtige Phase von Embryo kam Ende 70 als wir ein Jahr lang unterwegs waren in Indien und dem Mittleren Osten und mit allen örtlichen Größen spielten. In den 80er Jahren waren wir in Nigeria. Ja, auch bei Fela Kuti. Bei ihm haben wir fantastische Dinge gehört die beinahe niemand kennt. Zur selben Zeit reisten wir auch noch nach Cairo wo vor allem Roman (Burka red.) schnell für Furore als Oud Spieler sorgte.
Das viele Reisen und Touren der Gruppe in ständig wechselnder Besetzung führte dazu, dass die Discographie von Embryo mehr Live-Albums als Studioaufnahmen umfasst.
„Ich finde beide interessant“ meint Burchard. „Im Studio kann man mit Mehrspurentechnik arbeiten. Das fragt nach mehr Organisation. Aber es ist bei uns nicht so, dass das eine mehr auf Improvisation beruht als das andere. Es gibt Kompositionen für die wir Wochen lang üben müssen, die Afrikanischen Stücke jedoch, sind oft sehr spontan.
Eine blühende Beziehung mit der kommerziellen Plattenindustrie hat Embryo nie gehabt.
Nach einer Reihe an Uneinstimmigkeiten- meist mit dem Argument dass ihre Musik nicht zu verkaufen sei - gründete Burchard zusammen mit einer Handvoll Musiker Freunden Ende der 70er Jahre ein eigenes Label, Schneeball, wo nicht nur alle Albums von Embryo selbst erscheinen sondern auch unter anderem: Charlie Mariano, Amon Düül II sowie die Tuvanse Stimm - Künstlerin Sainkho Namchylak.
Zu den vielen namhaften Künstlern die kürzere oder längere Zeit mit Embryo spielten gehört der indische Perkussionist Trilok Gurtu, der libanesische Oud Spieler Rabih Abou- Khalil, der Irisch- Griechische Multi Instrumentalist Ross Daily, der Chinese Xizhi Nie und der indische Perkussionist Ramesh Shotham. Die Diskografie der Gruppe ist ebenso schwierig zu entwirren als der Besetzungswechsel.
Abgesehen von den über 30 mehr oder weniger offiziellen Veröffentlichungen, wovon eine Anzahl davon aufs Neue herausgebracht wurde- wie das kürzlich herausragende > Steig Aus< aus dem Jahre 1973- gibt es  hunderte(!) verschiedene Live - Aufnahmen.
 

 

Nürnberger Nachrichten 16.9.09
"Quicklebendige Krautrock-Legende
"Publikum schon da, Band kommt auch gleich" , informiert der freundliche Wuschelkopf an der Kasse den Besucher, der ernsthaft glaubte, dass 21 Uhr eine gute Zeitwäre, beim Konzert einer Krautrock-Legende aufzutauchen. Doch irgendwo zwischen Umbrien, wo "Embryo" ihr letztes Konzert gegebcn haben und der Nürnberger Silberstraße gab .es wohl einen Stau weshalb die Bühne in dem Raum auch um zehn Uhr immer noch leer ist.
Gerade, als das erste Glas Bier geleert ist, geht die Tür auf und junge Menschen schleppen abgewetzte Koffer und Schlagzeugteile auf die Bühne. Hurtig mitangefasst, dann ist das Warten nicht so langweilig. Draußen kauerter ein magerer, betagter Mann mit großer, altmodischer Brille und strähnigem Haar auf der Ladefläche eines ebenso betagten Busses dessen Raumvolumen bis auf den letzten Millimeter perfekt ausgenutzt ist und drückt den Helfern allerhand kuriose Gegenstände in die Hand: Zwei längliehe Holzkästen, verschrammtes Eisengestänge, ein Stapel grauer quadratiseher Pappschaehteln ("Bel uns gibt's noch Vinyl"), ein in ein Tuch gehülltes Hackbrett. "Mit diesem Bus sind wir schon zu zwölft nach Marokko gefahren", erklärt der Mann -der, wie sich heraugstellt, Bandgründer Chrlstian Burchard ist - über seine Schulter hinweg, während er weiter unverzichtbares Instrumentarium aus den Tiefen des Vans hervorschaufelt. ..Seit bald 40 Jahren vagabundiert das Münche
ner Musikerkollektiv in ständig wechselnden Besetzungen um die Welt, tauscht sich mit Musikern aller möglichen Kulturen aus. Man mag sie „legendär“ nennen, Stars waren sie nie.
Eine Stunde später ist die Bühne gestopft voll mit Vibraphon, Marimba, Schlagzeug, einem Keyboard, einer Posaune, einer exotischen Trommel, Gitarren, diversen Verstärkern und sieben Musikern aus mindestens zwei Generationen und es kann endlich losgehen. Erst etwas zaghaft, ..dann mit wachsender Bestimmtheit schafft sich die Band in einen schroffen Afro-Jazz-Funk-Groove, der stark an den Miles Davis der frühen Siebziger erinnert und wechselt dann fast unmerklich in einen drängenden Fünf-Vierteltakt: Eine wilde, dichte, exzentrische Musik, voller klackender Polyrhytmik und sich überla- gender, orientalisch anmutender Gitarrenläufe. Marj,a Burchard lässt lässig grinsend die Orgel fauchen, während ihr Daddy, Christian wild hüpfend seinem Vibraphon hell schimmernde, jazzige Improvisationen entlockt und dabei aussieht wie eine hyperaktlve Marionette, Erstaunlich mit welch ungewöhnlicher, freigeistiger Energie diese Musik immer noch tönt, so als wäre hier alles seit v
ierzig Jahren in stetigem Fluss, Eine Musik, die einfach nirgendwo ankommen möchte sondern immer glerig bleibt nach Neuland. Weltmusik im eigentlichen Sinne des Wortes die alle stilistischen Grenzen einfach lachend über den Haufen fährt.
Sperrig ist das schon, aber wenn man bereit ist, etwas von seinen Hörgewohnheiten zu opfern, wird man von „Embryo" auch reichlich belohnt.
PETER GRUNER

Holländisches Weltmusikmagazin Mixed Beyond 7/08
Embryo
Nach beinahe 40 Jahren World Crossover noch immer an der Quelle.
April 2007. Ein Wald zwischen Zeist und Austerlitz, eine Viertelstunde Fahrradfahren vom Bahnhof Driebergen- Zeist.
Öffentliche Transportmittel kommen hier nicht.
Der Asphaltweg endet bei einem hohen Zaun der mit einem Schloss abgeriegelt ist. Auf dem Zaun heftet ein Brief mit einer Handy-Nummer. Wer anruft muss ein paar Minuten warten, dann kommt jemand aus einer anderen Seite her geradelt um aufzumachen.
„Squat Austerlitz“ heißt der Ort, ein besetztes Militärgebiet.
In ein paar Baracken wohnen Menschen. Hier ein Lagefeuer mit spielenden Kindern. Und ein deutscher Bus von unverfälschter Hippiesignatur: der Embryo-bus.
Das meiste Licht kommt von den Kerzen.
Ein Generator hinter der Baracke sorgt dafür, dass man elektrisch verstärkte Musik machen kann.
An der improvisierten Bar verkauft man biologisches Bier. Jemand backt Pfannkuchen.
Dann fängt Embryo an zu spielen.
Christian Burchard, inzwischen das Alter von 60 Jahren passiert, das Haar noch immer lang, steht hinter dem Becken.
Die drei anderen sind mindestens eine Generation jünger: Christians Tochter Marja spielt Perkussion, Lothar Stahl Marimba- eines mit extra Viertelnoten- und Jens Pollheide, der bei mehr rockenden Sets den Bas spielt  hat gerade die Bambusflöte auf den Mund gesetzt.
Die Atmosphäre hält die Mitte zwischen jazzigem Ritual & Oriental. Es wird rasendschnell und diszipliniert gespielt.
Das erste Stück ist laut Ansage eine Komposition aus Bagdad. Das zweite kommt aus der musikalischen Tradition Cordobas.
Embryo wird im Sommer 1969 errichtet von dem im Jahre 1946 geborenen Organisten und Schlagzeuger Christian Burchard, zusammen mit dem Saxofonisten Edgar Hofmann.
In erster Instanz spielt Embryo noch eine Art jazzig- psychedelischen Rock, wobei nach einer ersten Reise durch Spanien und Nord Afrika in 1972 die ethnischen Einflüsse immer deutlicher werden.
Damit beginnt eine musikalische Odyssee die bis auf den heutigen Tag andauert, in jeweils verschiedenen Besetzungen.
Nach Berechnungen haben im Ganzen über vierhundert Musiker als Teil der Gruppe im Laufe der Jahre  mitgewirkt, manche für kürzere Zeit (teils für nur ein Konzert) manche für länger.
„Vor allem in den 70er Jahren waren wie ein fester Kern mit Roman Burka auf der Gitarre und dem Oud, Charlie Mariano auf dem Saxofon und Edgar Hofmann auf der Flöte und Geige“, erzählt Burchard.
„Viele Musiker können es sich finanziell einfach nicht leisten um mit uns noch auf Tournee zu gehen. Wenn wir aber in der Nähe spielen, machen sie immer mit.
Ach, das ist für mich in Ordnung. Ich will einfach nur, dass die Sache läuft. Wir machten Sachen die niemand anders machte und eigentlich ist das noch immer so.“
Burchard beschreibt mit einem Siebenmeilen Stiefel vier Dezennia Embryo - Geschichte.
„In den 60er Jahren war Pianist Mal Waldron eine meiner musikalischen Idole“, erzählt er.
„ Ich hatte das Glück zwei Jahre bei ihm zu spielen. So traf ich auf alle Großen im Jazz: Steve Lacey, Max Roach und so weiter.
Das öffnete mir die Tür zur freien Musik. Danach fing ich mit Embryo an.“
„Mal Waldron spielt mit auf dem Album Steig aus aus 1993.“
Danach wurden die  Mitglieder verstärkt durch Saxofonist Charlie Mariano, ein gefestigter Name in dieser Zeit. Er hat mitgearbeitet an unserem Konzert wo wir anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972 spielten, genoss unsere Musik und blieb bis 1976, ohne Geld zu fragen.
Mariano beschäftigte sich übrigens bereits in dieser Zeit sehr intensiv mit Indischer Musik.
„Die dritte wichtige Phase von Embryo kam Ende 70 als wir ein Jahr lang unterwegs waren in Indien und dem Mittleren Osten und mit allen örtlichen Größen spielten.  In den 80er Jahren waren wir in Nigeria. Ja, auch bei Fela Kuti. Bei ihm haben wir fantastische Dinge gehört die beinahe niemand kennt. Zur selben Zeit reisten wir auch noch nach Cairo wo vor allem Roman (Burka red.) schnell für Furore als Oud Spieler sorgte.
Das viele Reisen und Touren der Gruppe in ständig wechselnder Besetzung führte dazu, dass die Discographie von Embryo mehr Live-Albums als Studioaufnahmen umfasst.
„Ich finde beide interessant“ meint Burchard. „Im Studio kann man mit Mehrspurentechnik arbeiten. Das fragt nach mehr Organisation. Aber es ist bei uns nicht so, dass das eine mehr auf Improvisation beruht als das andere.  Es gibt Kompositionen für die wir Wochen lang üben müssen, die Afrikanischen Stücke jedoch, sind oft sehr spontan.
Eine blühende Beziehung mit der kommerziellen Plattenindustrie hat Embryo nie gehabt.
Nach einer Reihe an Uneinstimmigkeiten- meist mit dem Argument dass ihre Musik nicht zu verkaufen sei- stiftete Burchard zusammen mit einer Handvoll Musiker Freunden Ende der 70er Jahre ein eigenes Label, Schneeball, wo nicht nur alle Albums von Embryo selbst erscheinen sondern auch unter anderem: Charlie Mariano, Amon Düül II sowie die Tuvanse Stimm- Künstlerin Sainkho Namchylak.
Zu den vielen namhaften Künstlern die kürzere oder längere Zeit mit Embryo spielten gehört der Indische Perkussionist Trilok Gurtu, der Libanesische Oud Spieler Rabih Abou- Khalil, der Irisch- Griechische Multi Instrumentalist Ross Daly, der Chinese Xizhi Nie  und der indische Perkussionist Ramesh Shotham.
Die Diskografie der Gruppe ist ebenso schwierig zu entwirren als der Besetzungswechsel.
Abgesehen von den über 30 mehr oder weniger offiziellen Veröffentlichungen, wovon eine Anzahl davon aufs Neue herausgebracht wurde- wie das kürzlich herausragende > Steig Aus< aus dem Jahre 1973- gibt es bei Christian Burchard hunderte(!) verschiedene Live- Aufnahmen aus der Vergangenheit und dem Jetzt von Embryo auf Cd zu kaufen.

 

Presse 2008:

St Galler Tagblatt Januar 2008
MORGENLANDTRÄUME
Embryo ist einer meiner Jugendlieben. Ich habe die Münchner Band als Teenager einmal "live" erlebt - und bin seither ein Fan.
Als ich ab Mitte der 70 er mit einer Jugendgruppe meiner Heimat Konzerte veranstaltete, haben wir immer wieder Embryo gebucht und ihre LPs verkauft, die sie auf dem musikereigenen Schneeball Label herausbrachten.
"Musik im Vertrieb der Musiker" hieß damals ihr Aufruf zur Unabhängigkeit. Heute aktueller denn je.
Vom Jazzrock der frühen Jahre haben sie die Improvisation in eine eigene Form von Weltmusik überführt, die nach Jahren des intensiven Studiums in Nordafrika, der Türkei und Indiens eine wunderbare Abgeklärtheit ausstrahlt. Ihre orientalisch angehauchten Melodien lassen einen vom Morgendland träumen. Von dort folgten auch die drei heiligen Könige dem Stern. (Christoph Wagner)
 


TAZ 5-11.07
Sie spielen und spielen und spielen, ohne dass da je der Motor
stottern würde seit den Endsechzigerjahren und ganz egal, in wel-
chem oft unwegsamen musikalischen Gelände zwischen München und dem ganzen Rest der Welt sie gerade unterwegs sind: die Musiker von Embryo.
Mehr als eine Krautjazz-Institution.
"Embryo ist keine Musikrichtung, sondern eine Lebensform."
Sagt Bert Noglik, der sich mit musikalischen Sonderformationen
auskennt. Neuerdings haben sie sich in China umgetan, und auf
ihrer ewigen Tournee sind sie wieder mal in Berlin. Fünf Kon-
zerte an fünf Tagen. Spielen und spielen und spielen. TM

ND  8.11.07
Von Hans Dieter Grünfeld
Aktuell tourt Embryo durch Friedrichshain und gastiert in dem
Klub, in dem auch der diesjährige Jazzpreisträger Gunter Hampel
mit Perry Robinson für ein Konzert gebucht wurde. Christian Burchard, der Embryo - Gruppengründer, Vibrafonist, Schlagzeuger und Keyboarder, gelingt es immer wieder, junge, oft noch unbekannte Musiker, in die Formation zu in-
tegrieren. Eine Vielzahl heute internationaler Stars wurde durch
ihre Mitgliedschaft bei Embryo europaweit bekannt. Auch die indische Sängerin Ramamani, Trilok Gurtu oder Sainkho Namtschylak.
Welche Mischung aus Jazzrock, Meditationsmusik und orientalischen Skalen die Musiker, zu denen auch der interessante Vokalist Mik Quantius gehört, anbieten werden, ergibt sich bei den Auftritten spontan. Als neuesten originellen CD- Existenzbeweis hat Embryo einen Mitschnitt des Konzertes für
die Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg gegen Atomtransporte im Gepäck.

Im Rahmen des Jazz Festes Berlin 2007 verlieh die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) dem Komponisten und Multiinstrumentalisten den Albert Mangelsdorf -Preis. Alle zwei Jahre ehrt damit die UDJ das Lebenswerk einer deutschen Musikerpersönlichkeit die maßgeblich die Weiterentwicklung der europäischen Jazzmusik vorangetrieben hat. Tatsächlich offenbarte sich Hampel bereits 1965 mit der Veröffentlichung der Produktion »Heart- dem deutschen Free - Jazz. Um 1970 gründete er die »Galaxy Dream Band«. mit der er - stets unterschiedlich besetzt - zwischen den USA und Europa pendelte.


Main – Echo 24/25.2.07
Ruhelose Methusalems
....Arabisch-asiatische Klänge der Laute Oud  (Mario McCoy), sanfte '" Drums  (Edgar Türk) und sphärisches Xylophon (Lothar Stahl) untermalen im ersten Stück  - das zwanzig Minuten dauert  - das ekstatische Vibraphon, gespielt von Christian Burchard. Der Münchner Gründer von Embryo zuckt wie ein Derwisch im selbst geborenen Rhythmus, lässt die Klöppel wie wahllos auf und nieder fahren, schlägt dann energisch, zielgerichtet zu, als habe er einen Amboss unter sich und formt den Sound zu buddhistischem Trance - Jazz, dem nur noch gutturale Mönchsgesänge im Hintergrund zu fehlen scheinen. Seit ihren Asienreisen in den späten 70ern gelten Embryo als Pioniere der Weltmusik; und präsentieren sich jetzt, 30 Jahre später, als ruhelose Methusalems, die sich  im zweiten Stück in exzessivem Progressive-Kraut-Jazz-Rock versenken: , Burchard, graue Haarsträhnen vorm Gesicht improvisiert mit dem wawa Pedal, Türk und McCoy setzen mit  perlenden Gitarren-Soli rhythmische Akzente, typisch deutsche Psychedelic -Musik zum High -Werden oder Wegdämmern, ganz wie es beliebt...
Fünf Stücke von epischer Länge spielen Embryo insgesamt, lassen jazzige Wiederholungen durch den Raum schweben und beschließen ihr freies Spiel mit einer Perkussions – Orgie auf drei Handtrommeln. Die Zuhörer sind begeistert, lassen Embryo nur ungern gehen....

 

Süddeutsche Zeitung 6.08.07 Münchner Kultur S.60:
Außerweltlich und unfassbar!
Ganz nah an das alte Kasernengelände hat sich die Parkstadt Schwabing herangearbeitet. Mit ihren akkurat geschnittenen Rasenflächen, den glitzernden Stahl-Glas-Konstruktionen und den Plakaten, auf denen Büroflächen angeboten werden. Doch an der Domagkstraße war bisher Schluss. Denn 300 Kreative haben dort die ehemalige Funk-Kaserne zu einer der größten Künstlerkolonien Europas gemacht.
Auch Embryo gehören dazu, und es gibt kaum einen besseren Ort für ein Konzert der Band, als dieses Gelände im Norden Münchens, wo im nächsten Jahr die Abrissbagger anrollen, um Platz zu schaffen für ein neues Wohngebiet. Nur das Haus 50, das Raum für 77 Künstler bietet, soll als Ateliergebäude erhalten bleiben. Embryo sind eine Legende, eine Kultband. Seit 1969 sind sie unterwegs, spielten Abertausende von Konzerten überall auf der Welt, mehr als 300 Musiker haben bei dem Münchner Kollektiv um Mastermind Christian Burchard mitgemacht. Die Band hat viele Strömungen populärer Musik erlebt, sich aber von keiner überrollen lassen, hat keiner nachgegeben, nie ihre Ideale verkauft und denkt bis heute nicht ans Aufhören.
Betritt man das alte Kasernenareal an diesem Abschiedsabend, so betritt man eine beinahe phantastische Welt. Kaum jemand ist zu sehen, ein Hase hoppelt ungestört an einer alten Panzerreparaturwerkstätte vorbei. Nur ein paar Meter von dem evangelischen Gemeindezentrum entfernt, liegt, versteckt hinter Bäumen, die „Schlagbar”, Münchens einziger SM-Club. Auf einer Wiese daneben steht Miro Klose und schießt sein erstes Tor für die Bayern. Nein, ein Fernseher steht auf der Wiese, zeigt Klose, und drumherum stehen fünf Bierflaschen mit ihren Besitzern. Irgendwo brennt ein Lagerfeuer. Es herrscht eine außerweltliche, fast gespenstische, ruhige Atmosphäre. Von der prometheischen Dynamik, draußen vor dem Tor, ist hier, zwischen grünem Wildwuchs, nichts zu spüren. Und so wie sich dieser Ort anfühlt, so klingt die Musik von Embryo. Außerweltlich und unfassbar. Geheimnisvoll und improvisiert. Immer im Wandel und doch immer gleich.
Es ist dunkel geworden. Vor dem mächtigen u-förmigen Haus 50 haben Embryo ihre Instrumente aufgebaut. Eine verrostete Tonne, Holzlatten, ein paar Betonbrocken: Das ist die Bühne, von alten Wohnzimmerlampen und Lampions in warmes Licht getaucht. Zwischen Schlagzeug und Vibraphon wuchert Unkraut. Für das Publikum liegen ein paar Teppiche auf dem Betonboden. Es ist eine fast postapokalyptisch wirkende Szenerie für ein außergewöhnliches Konzert. Die Musik wuchert, wie immer bei Embryo, irgendwo zwischen psychedelischem Jazz und ekstatischem Krach. Ein Embryo-Auftritt ist ein musikalisches Experiment, das von vielfältigsten, internationalen folkloristischen Einflüssen befeuert wird, absolut spontan, pulsierend, voller Entwicklungsspannung. Etwas an die Wand gedrückt wirken die aktuell neun Musiker. Doch hinter ihnen gibt es ein kleines Fenster, das in ein Atelier führt. Dort steigen sie nach dem Konzert hinein. Sie fliehen, wie seit 38 Jahren, in einen Raum der Kunst, w
eg von Baggern und Glastürmen und Kommerz und Hitparaden und Moden. SEBASTIAN GIERKE

 

Embryo
Presse - Reaktionen 2006-07

Elbe Jeetzel Zeitung 16.10.07
Eine musikalische Lebensform
Zugunsten der BI Umweltschutz:
Embryo Konzert vom November 2005 jetzt als CD

Sum/Platenlaase. Schon häufiger sorgte die Münchener Musiklegende „Embryo“ im Wendland für beeindruckende Konzerterlebnisse. Den Mitschnitt eines dieser Konzerte, es fand im November 2005 eine Woche vor dem bevorstehenden Atommüll-Transport im Cafe Grenzbereiche statt, hat die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. jetzt als CD herausgebracht. Die Band, so Francis Althoff Sprecher von der BI, habe damals sogar ein geplantes Konzert im Ruhrgebiet abgesagt. Schon seit ihrer Gründung, das ist immerhin schon 38 Jahre her, hat sich „Embryo“ immer politisch engagiert. Eines ihrer ersten Stück, so heißt es im Booklet der CD (Titel „Spain yes, Franco No!“), sei zum Beispiel ein Statement gegen das Franco-Regime gewesen. Die Folgen damals: Auftrittsverbote in Spanien. Embryo, eine Band mit einer rein politischen Botschaft?  Embryo:"„Was wir machen ist eine musikalische Lebensform, die wir weitergeben wollen."  Das ist ein Konzept, dass bis heute zu
  funktionieren scheint. Ähnliche Bands kamen und gingen. Embryo blieb, entwickelte sich zu einer sich immer wieder neu formierenden Weltmusik-Ikone, zu einem beständigen ruhigen Fluss. Im Zentrum des musikalischen Geschehens damals wie heute: Urvater und treibende Kraft: Christian Burchhard, Zauberer am Vibraphon, Keyboard und Santour, der meistens Nachwuchsmusiker um sich herum versammelt: Musikpilger, die mit ihrem eigenwilligen Ethno-Jazz-Rock-Experimentalsound scheinbar unvereinbare musikalischen Ausdrucksformen miteinander verbinden. Auf dieser CD sind es Lothar Stahl, Drums und Xylophon, David Drudis, Oud, Gitarre Valentin Altenberger, Gitarre, Percussion, Jens Pollheide, Nai, Flöte, Bass. Und, nicht zu vergessen, Sänger Mik Quantius. Der singt in fremden Zungen und das oft bis zur Schmerzgrenze. Ein von Tönen Besessener mit exorzistischen Ambitionen. Geschöpft wird aus orientalischen Quellen. Cairo, Sofiagroove oder Kasachstan lauten die Titel, die nicht nur Abs
techer in exotische Musikstile sind, sondern kleine Zeitreisen. Zurück in eine Ursuppe aus Klang. "Wir machen Musik für alle die Ohren haben und wissen: Music is Life.“(Embryo)

Das Konzert im Cafe Grenzbereiche war eines der letzten Projekte von Otfried Herrmann(Crossover-Studio). Otty starb ein halbes Jahr später bei einem Autounfall, kurz vor der geplanten Fertigstellung dieser CD. Erst im Juli diesen Jahres gelang es diese Live-Aufnahmen von ausgezeichneter Klangqualität aus den Untiefen von Otty`s Computer zu bergen.


Ragazzi Musikmagazin Oktober 07
reviews      
Worldmusic / New Age  
  Embryo "Live im Wendland" (Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V., VÖ: 13.09.2007)
Ursprünglich sollte die CD bereits viel früher erscheinen, doch der mit der Produktion beauftragte, im Booklet "Otty" genannte Mischpult-Magier verstarb bei einem Autounfall. Ehe die Aufnahmen auf seinem Computer wieder gefunden wurden, verging einige Zeit. Vordem: Christian Buchard, Altmeister der Embryo-Generationen, wurde gefragt, ob er ein Solidaritätskonzert für den Widerstand gegen die Gorlebener Atomanlagen im Wendland geben würde - und sagte sofort zu. Das Konzert fand am 06.11.2005 im Cafe Grenzbereich in Platenlaase vor vollem Haus statt. Im umfangreichen Booklet kann man einiges dazu lesen, ebenso über die Arbeit der Bürgerinitiative. Embryo ist heute längst nicht mehr die Band, die 1969 gegründet wurde. Und doch klingt der alte Krautrock immer noch aus der psychedelischen Weltmusik. Neben Christian Burchard (Santour, vib, key, perc) gehörten am 06.11.2005 Lothar Stahl (dr, xyl), Jens Pollheide (Nai, fl, b), Valentin Altenberger (perc, b, g), David Drudi
s (Oud, g) und Mik Quantius (voc) zu Embryo. Letzterer bringt mit seiner tiefen Stimme und seinem einzigartigen Gesang Erinnerung an Captain Beefheart auf die Bühne.
Die rohen, vitalen Songs fließen auf stetem Rhythmus episch dahin. Während der Bass äußerst aktiv im Jazz unterwegs ist, partiell von der Gitarre begleitet, und Vibraphon und Xylophon neben dem Schlagzeug die Songs am Rotieren und Vibrieren halten, entwerfen Flöte, Keyboard, Nai, Oud und Gitarre das harmonische Geflecht, das Folklore-Motive in eigener Sprache wiedergibt. Auf dem Rockgroove, der in den ersten Songs noch dezent, dann stärker die Songs bestimmt, geht das improvisativ wirkende melodische Geschehen sehr gut auf. Mal finden die Songs Volumen, die Instrumente werden lauter, intensiver gespielt, die Harmonie ist dicht und farbig, und dann zerfließt die Struktur, dunkle Melancholie breitet sich aus, vom vielfältigen Rhythmusgeschehen weiter getragen, bis eines der Melodieinstrumente wieder intensiv einsteigt.
Witzig und schräg der Gesang Mik Quantius, der als extravagante Rockröhre gute Chancen hat, viel grandiose Eigenart beweist und selbstbewusst mit den Instrumenten blubbert, jault und schreit, lautmalerisch und in den tiefsten Tönen wie den kratzigsten singt. Als sei er von Tom Waits, Damo Suzuki und Captain Beefheart gleichsam inspiriert.
Ein lebhaftes Konzert, wie aus den Tiefen der Geschichte gekramt. Kein Pop darin zu finden. Die Band geht ganz im Psychedelic-Worldmusic-Jazz-Rock auf. Kategorien haben es heute auch nicht mehr leicht. Da könnte Milt Jackson auf der Bühne stehen. Mit südeuropäischen und vorderasiatischen Musikern, die eben einen wirkungsreichen Joint geraucht haben und ihre Songs nicht beenden mögen und wollen. Wenn das Wort Zeitgeist passt, dann in der Spanne von 1954 bis 2007. Endloser Groove, der auf der CD grandios in diesem feinen Klang gut kommt.


Oktober 2007 Von Willi Rodrian
Exklusiv auf www.folker.de:
Embryo
„Einmal ganz woanders gewesen sein ...“
   
lautet eine zentrale Textstelle auf der legendären Doppel-LP Embryo’s Reise von 1979, welche die neunmonatige Reise der Musiker nach Afghanistan, Pakistan und Indien dokumentiert. Dieser  Satz kann als wichtigste Erfahrung der beteiligten Musiker gelesen werden, die sich sehr nachhaltig ausgewirkt hat und bis heute noch spürbar ist. Was als Jazz-Rock-Underground-Projekt 1969 in München begann und anfangs noch sehr nach einem Produkt der sich damals entwickelnden Independent-Psychedelic-Szene klang, erfuhr als Band durch die ersten Reisen nach Nordafrika und Asien einen radikalen musikalischen Wandel. Embryo’s Reise wurde Ende der 70er Jahre für viele zu einer der Kultplatten und öffnete Ohren und Augen für das, was man heute unter dem Allerweltsbegriff „Weltmusik“ verkauft. Es ist also keine Übertreibung, Embryo als die deutsche Gruppe zu bezeichnen, die als eine der ersten Klänge aus aller Welt in ihre Musik integrierte sowie mit Musikern aus anderen Ländern
  und Kulturen zusammenarbeitete.

Redet man von Progressive, Independent oder Weltmusik in Deutschland, dann liest sich die Bandgeschichte von Embryo wie eines der spannendsten und buntesten Kapitel der deutschen Musikgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Allen Moden zum Trotz ist Embryo immer noch am Leben und bleibt der Idee der absoluten und unverzichtbaren musikalischen Freiheit ebenso treu wie den Lebens- und Gesellschaftsidealen seiner Gründer und Mitmusiker. Es begleitet sie das liebevolle Etikett „Althippies“, dem sie auch gerne und oft gerecht werden mit ihrer bewussten Nichtbeachtung etablierter Mechanismen der marktorientierten Musikindustrie. Was jedoch oberflächlich betrachtet als Alptraum eines jeden Managers erscheinen mag und die Formation Embryo völlig unkontrollierbar erscheinen lässt, täuscht über die faktische Kontinuität hinweg, mit der Bandgründer Christian Burchard dieses Tourprojekt in einer scheinbaren Endlosschleife seit nun bald 40 Jahren am Leben erhält.

Christian Burchard ist die große Integrationsfigur der Band. Christian Burchard ist Embryo und seine Lebensmaxime ist eindeutig: Die Bühne ist das Leben, und das Leben findet auf der Bühne statt - so oft und so lange wie irgend möglich. Was nicht stattfindet, das ist die Unterordnung des eigenen Schaffens unter aktuelle Trends. Ein Prinzip, dass eigentlich seit der Gründung radikal durchgehalten wird.

Wie wir überhaupt auf die Weltmusik gekommen sind
Christian Burchard: „Schlüsselerlebnis für die Weltmusik war die Reise nach Nordafrika 1971. Wir haben ja auch angepeilt, dass wir in die Länder fahren, um dort Musiker zu treffen. [...] Es begann eigentlich alles mit den Medien. Da war ein Artikel über uns im Spiegel, Anfang 1971. Daraufhin hat sich ein engagierter Leiter vom Goethe-Institut in Casablanca mit uns in Verbindung gesetzt, und wir haben dann gleich gesagt, wenn wir eine Tournee machen, dann wollen wir auf keinen Fall mit dem Flieger dorthin, sondern mit dem Auto, mit all den Instrumenten. Wir wollen die Musikerszene vor Ort kennen lernen.


Das hat dann auch funktioniert. Wir haben in Marokko, Algerien und Tunesien gespielt. Für uns war es der absolute Kick, eben, dass wir wieder völlig am Anfang standen. Wir waren mit dem anderen Tonsystem konfrontiert, das die orientalische Musik hat. Also die Zwischentöne, die wir auf unseren Instrumenten nicht haben. Dann die verschachtelte Rhythmik, die typisch ist für die orientalische Musik. Nach dieser Tournee haben wir erst einmal komplett umgedacht. Der Roman [Bunka; Anm. d. Verf.] hat beispielsweise die Saz genommen und dann die Oud. Das war ungefähr zehn Jahre, bevor diese Instrumente bei uns überhaupt populär wurden. Ich habe mir mein Xylophon mit den arabischen Vierteltönen selber gebaut. [...] Das war ein Weg ins vollkommen Unbekannte, weil es ja keine Beispiele in dieser Richtung gab. Es gab kaum Begegnungen zwischen europäischer und orientalischer Musik - außer vielleicht bei Yusef Lateef, der sich mit außereuropäischer Musik bereits in den 50er Jahr
en beschäftigt hat. Allerdings blieb er mehr im Jazzkontext. Wir haben dann angefangen - wenn es möglich war -, Musiker aus den Ländern, in die wir gereist sind, einzuladen.“

Auf Anregung Roman Bunkas, der vorher bereits Begegnungen mit indischen Musikern wie Trilok Gurtu hatte, war es vor allem die indische Musik mit all ihren Facetten, die im Mittelpunkt des Interesses der Musiker stand. Da die Reise mindestens ein dreiviertel Jahr dauern sollte, musste sie entsprechend vorbereitet sein. Es mussten Auftritte organisiert werden, ein Filmteam sollte den Trip dokumentieren, an dem ca. 30 Personen teilnahmen. Planung und Organisation brauchten letztendlich gut drei Jahre.

Burchard: „Die Konzerte mussten vorbereitet sein, damit wir die Gelegenheit hatten, etwas zu verdienen. Die Reise musste ja finanziert werden. Das lief über alle möglichen Kontakte. Da war zum Beispiel Peter Michael Hamel von der Gruppe Between. Der saß in Bombay im Goethe-Institut als ihm der Leiter des Instituts sagte: ‚Ich habe hier ein Angebot von der Gruppe Embryo ...‘ Das waren auch Glücksfälle. Diese Indienreise war praktisch unser großer Schritt in Richtung Weltmusik. Weltmusik ist ja sowieso eine Bezeichnung, die man vorsichtig gebrauchen muss. Das ist ein Begriff, der eigentlich ein bisschen größenwahnsinnig ist in gewisser Beziehung. Die Welt ist so vielfältig, das sind Galaxien. Kein Mensch kann das wirklich erfassen und verarbeiten.“

Auch Dieter Serfas (61), Drummer der ersten Stunde bei Embryo und Ex-Mitglied von Amon Düül, erinnert sich intensiv an die Tatsache, dass Musik als ein wesentliches Element der Kommunikation erfahren wurde. Ein Phänomen, das langsam verschwindet.

Dieter Serfas: „Diese nigerianische Afrika, so wie wir das damals dort erlebt haben, das geht verloren. Wo die Sprache der Talking Drum noch verstanden wird als Kommunikation, als Zwiesprache mit den Gottheiten, das verschwindet jetzt immer mehr.“


Allerdings mussten die Bandmitglieder mitunter schmerzhaft die Erfahrung machen, dass die Zeit damals, Anfang der 80er Jahre, diese Verbindung europäischer und außereuropäischer Musik noch nicht mit offenen Armen aufnahm.

Burchard: „Nach der Reise war das erst mal keine Erfolgsstory. Wir haben die Musik hier live vorgestellt. Da sind dann Leute zur Kasse gegangen, haben ihr Geld zurückverlangt und gesagt: ‚Das ist ja nicht Embryo.‘ Aber wir haben das konsequent weitergemacht, und wir hatten das Glück, dass wir das geschafft haben, die wunderbaren Gruppen, die wir beispielsweise in Indien getroffen hatten - wie das Karnataka College of Percussion -, nach Deutschland zu holen und Tourneen mit ihnen zu unternehmen. Und dann konnten die Leute das auch live hören, das war eine wunderbare Sache. Mit über 20 Personen sind wir durch die ganze Republik gereist.“

In dem Film Vagabund Karawane, der Reisedokumentation, die 1981 vom ZDF ausgestrahlt wurde, gibt es eine markante Szene, in der die Musiker der deutschen Band Embryo in Islamabad auf einen Wanderzirkus treffen und es zu gemeinsamen Auftritten mit dem Zirkusorchester kommt.

Burchard: „Das mit dem Zirkus, das kam ganz spontan, das war überhaupt nicht geplant. Wir haben uns mit den Zirkusleuten getroffen, wir haben uns gut verstanden. Die haben gesagt: ‚Ihr seid eine Band, dann spielt mit uns ...‘ Und das hat funktioniert. Es war ein Austausch da, und das Publikum war total begeistert.“

Genau diese Begegnung hat erst vor Kurzem der Autor Stefan König in seinem Buch Die Nanga-Notizen, einem Bergsteigerroman, literarisch verewigt. Aus diesem stammt die folgende Passage (mit freundlicher Genehmigung des Autors):

„‚Was das Außergewöhnliche heute Abend ist‘, erläuterte er, ‚ist die Musik. Sie wird normalerweise von einheimischen Musikern live zu den Zirkusnummern gespielt. Heute spielen sie zusammen mit Musikern aus Deutschland. Einer Gruppe, die alle paar Jahre durch Pakistan fährt und mit den Musikern aus der Region zusammen­spielt. Ich dachte mir, das könnte interessant sein für Sie.‘
Die fünf einheimischen Künstler waren unschwer von den Deutschen zu unterscheiden. Sie hatten graue und braune Straßenanzüge an, ihre Haare waren kurz, und jeder der Männer trug einen Schnurrbart. Sie spielten Saiteninstrumente, die Sitars ähnelten, und verschiedene Handtrommeln. Bei den Deutschen handelte es sich um Althippies. Drei Männer mit langen Haaren und einer Kleidung, bei der sich europäische mit asiatischen und orientalischen Elementen ziemlich willkürlich mischten. Einer spielte E-Gitarre, einer saß hinter einem Schlagzeug, und der Mann am Vibrafon war offensichtlich tonangebend. Auf den ersten Blick eine überaus sonderbare Zusammenstellung also: Hier pakistani­sche Volksmusikanten, da übrig gebliebene Rockstars aus den frühen Siebzigern. Da war so genannte Weltmusik zu befürchten: traditionelle Volksmusik als Marzipan auf der pappigen Popcreme­torte.“
(Aus: Stefan König, Die Nanga-Notizen, Zürich: AS-Verlag, 2006)

Heute allerdings beschränken sich die Reisen - neben den häufigen Tourneen im europäischen Ausland in Italien, Spanien, bis hin nach Polen - aus pragmatischen Gründen eher auf den Mittelmeerraum.

Embryo als Weg, die Welt zu entdecken
Burchard: „In letzter Zeit fahren wir vor allem nach Nordafrika, nach Marokko und so. Auch weil es leicht zu erreichen ist. Man muss nicht fliegen. Wir haben ja ein großes und spezielles Instrumentarium. Die Xylophone zum Beispiel. [...] Zurzeit sind es aber weniger Kooperationen mit Musikern aus Asien oder Afrika. Momentan gibt es dieses Projekt mit den Alphörnern [mit dem Münchner Alphorn-Kollektiv; Anm. d. Verf.]. Da unsere Musik ja viel von der Improvisation lebt, kann man das nicht so planen, das muss man machen. Aber es gibt zwischendurch immer wieder entsprechende Projekte, wie beispielsweise das im Dezember 2006 mit Roman Bunka und dem argentinischen Gitarristen Luis Borda.“


Mitunter nimmt das dann auch gesellschaftspolitische Formen an, wie beispielsweise bei dem China-Solidaritätskonzert in München im Jahr 1995.

Burchard: „Zum Jahrestag des Massakers auf dem Tiananmen-Platz haben wir ein Konzert gemacht, eine Benefizveranstaltung für die Opfer. Eine Veranstalterin hat uns angerufen und gesagt: ‚Embryo, ihr seid doch immer offen für so etwas. Ich habe jetzt hier zehn oder fünfzehn chinesische Musiker, und vielleicht könnt ihr was zusammen machen - hier in München.‘ Das waren alles Exil-Chinesen, die auf das Massaker aufmerksam machen wollten. Außerdem mit dabei waren Rabih Abou-Khalil, Titus Waldenfels und Lothar Stahl. Die Veranstaltung fand im Gasteig statt, und mit einigen der chinesischen Musiker haben wir dann wirklich spontan nach einer kurzen Probe am Nachmittag live gespielt. Danach haben wir ein Jahr lang immer wieder mit ihnen gespielt, auch bei Konzerten in ganz Deutschland.“

Ein weiterer Wegbegleiter und Zeitzeuge ist der Münchner Gitarrist und Oudspieler Roman Bunka (56), der heute nur noch sporadisch als Gastmusiker bei Embryo spielt. In der gemeinsamen Zeit mit der Band erhielt er jedoch wesentliche Impulse für seine spätere musikalische Karriere.

Roman Bunka: „Als ich zu Embryo kam, da war Christian fleißig am Schlagzeug. Das war an sich sein Hauptinstrument. Die Drummer waren damals bei den Bands eigentlich immer die wichtigsten. Er hatte schon ethnische Hörerfahrungen. Er hatte Pygmäenmusik gehört, daran erinnere ich mich noch. Und Afrika war natürlich sehr wichtig, auch durch den Jazz, der ja sehr präsent war. Das war natürlich bedingt durch sein langes Zusammenspiel mit Mal Waldron, dem berühmten Jazzpianisten.

Der erste Einfluss waren diverse Reisen nach Afrika über das Goethe-Institut und dann natürlich die Reise nach Indien. Da war man dann schon voller Bewunderung oder Verwunderung, was es denn alles so gibt auf der Welt, was für tolle Musik, und wie klein doch unser Horizont in Deutschland ist. Ich war vorher schon einmal in Indien gewesen [1974; Anm. d. Verf.] und habe dort Trilok Gurtu getroffen. Ich wollte die Veena lernen und habe mit Trilok dort Konzerte gespielt, mit Gitarre und Oud. Die arabische Musik schlummerte noch so ein bisschen im Hintergrund. Im Vordergrund standen erst einmal die indische Musik und vor allem die Musik in der Türkei, die uns ja sehr nah ist. Das war dann eher die Rhythmik, die interessant war. Dass man begriff, in der türkischen Volksmusik gibt es sehr viel ungerade Rhythmen, und das war natürlich immer wieder ein Fundament für Christian, weil er diese ungeraden Rhythmen liebt, all diese 9/8, 11/8, 13/8 - diese unglaublich komplexen Strukt
uren mussten erst einmal erforscht werden.


Wichtig waren die Konzerte mit Embryo in Marokko, später. Da hat man natürlich viel arabische Musik gehört, auch in den Medien vor Ort, und da kam dann ein großes Interesse auf an der ganzen arabischen Musikkultur.“

Wie für viele andere ehemalige und gegenwärtige Musikerkollegen bei Embryo war auch für Roman Bunka die persönliche Begegnung mit Christian Burchard von großer Bedeutung.

Bunka: „Menschen gehen verschiedene Wege, und Christian spielt sehr viel, auch mit vielen jungen Musikern, und das war schon immer seine große Stärke, dieser pädagogische Aspekt. Christian ist wie eine fahrende Musikschule. Er ist ein guter Pädagoge. Das sehe ich auch an seiner Tochter, die jetzt bei Embryo mitspielt. Das haben nur wenige Musiker geschafft mit ihren eigenen Kids. Das ist ein großes Talent von ihm. Ich weiß, dass Christian auch für mich in den ersten Jahren ungeheuer wichtig war. Ich kam als Gitarrist mehr vom Rock, vom Blues. Christian hat uns jungen Musikern damals die Jazzmusik nahegebracht.“

Ähnliche Erfahrungen schilderte mir auch Georg Janker (38), eigentlich E-Techniker von Beruf, der jedoch gerne und sporadisch den Kontrabass bei Embryo mitspielt, wann immer sich Auftritte mit dem Beruf vereinbaren lassen.

Georg Janker: „Diese Idee, etwas Neues zu erfinden aus dem Spontanen heraus, das ist das spannende bei Embryo. Genau dieser Aspekt macht es für mich interessant, bei Embryo zu musizieren: Du kannst diese Musik als Bassist eigentlich supergut würzen, viel besser als beim Jazz. Beim Jazz bist du als Bassist immer nur der Service für die Leute im Vordergrund, beispielsweise die Bläser - bei Embryo bin ich zwar auch der Service, aber da habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass es Sinn macht, über eine halbe Stunde immer das Gleiche zu spielen. Das ist für mich ein sehr wichtiger Aspekt, der wieder mit Mal Waldron zu tun hat: dieser Sessionaspekt. Auszuprobieren, was man eigentlich mit einem Stück machen kann. Jedes Mal, wenn man sich trifft, kommt dann wieder was Neues raus. Dieser Workshopgedanke, den es eigentlich gar nicht mehr gibt, außer eben im Fall von Embryo, das ist ja eine ganz alte Tradition des Jazz. Die endlosen Sessions.

Christian ist so eine Art Übervater, der alles ganz gut unter Kontrolle hat. Er nimmt auch junge, nicht perfekte Musiker mit auf, bildet sie aus, die können dann mitspielen, egal wie gut sie sind. Und das bewundere ich, wie er das zusammenbringt, zu musizieren mit absoluten Profis, aber auch mit totalen Neulingen. Das ist wie eine Schule. Die spuckt immer irgendwelche Musiker aus und immer wieder kommen neue nach.“

Musik als Schule des Lebens
Ein anderes, wenn nicht das wichtigste musikalische Prinzip von Embryo ist die Improvisation. Es wird keine Reproduzierbarkeit angestrebt wird, wie sie derzeit im digitalen Zeitalter üblich geworden ist und wo die gesamte technische Machbarkeitspalette darauf abzielt, jedem Konzertbesucher an jedem Ort jederzeit dasselbe perfekte Konzert zu verkaufen. Weitab solch technokratischer Ideale bewegen sich die Musiker und die Musik von Embryo. Jeder Auftritt ist anders, einzigartig. Die Bühne wird gelebt und erlebt, es wird improvisiert, und manische Sammler horten Aufnahmen von jedem Konzert seit Jahrzehnten.

Die Musik von Embryo ist im Fluss, in ewigem Wandel - wie das Leben selbst. Und so geht es bei den Konzerten der Gruppe nicht darum, eine großartige Show abzuliefern. Der Weg ist das Ziel, es geht um Annäherung, Kommunikation und Entwicklung. Dieser Weg ist ebenso vielfältig und wechselhaft wie die Besetzung der Gruppe. Die wichtigste Konstante dabei ist Christian Burchard. Seit ca. acht Jahren ist nun auch seine Tochter Marja Burchard (21) mit von der Partie, die auf Embryos Bühnen in aller Welt, von Europa über Afrika bis nach Japan, aufgewachsen ist. Auch für sie stellt Embryo eine wesentliche Lebenserfahrung dar.

Marja Burchard: „Embryo ist für mich auf jeden Fall Heimat. Mit 14 bin ich zum ersten Mal mitgetourt und habe ein bisschen mitgespielt. Es war total einfach, in die Band hineinzuwachsen. Das war meine Jugend. Das war cool. Embryo ist für mich Heimat, eine Sprache und eine Schule. Und eine Bereicherung. Die Möglichkeit, viele Sachen zu sehen und zu erleben. Ich fühle mich von meinem Vater überhaupt nicht bevormundet. Ich bin total frei. Die Verbindung zu ihm ist total intensiv. Aber wir reden nicht viel. Der sieht immer, was abgeht. Er sagt nicht, du musst jetzt das machen oder das. Er lässt mir die Freiheit, zu spielen, was ich will. Mein Vater ist Embryo. Er ist ja auch meistens vorne, er hat die Musiker in der Hand. Er kann aufbauen, wen er will, und er kann zerstören. Er kann jeden Menschen gut umspielen, egal wie gut oder schlecht der als Musiker ist. Er kann ihn so gut umspielen, dass es einfach gut klingt.

Überhaupt die vielen Begegnungen und Plätze, die man sieht. Leute, die Embryo mögen, sind meistens total offene Menschen, sonst kannst du das auch nicht ertragen. Ich spiele ja in mehreren Bands mit, aber Embryo gibt mir in musikalischer Hinsicht am meisten. Da hat man mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Embryo ist auf jeden Fall Bewegung, immer etwas anderes, immer sind andere Musiker dabei. Eine total anarchische Band. Es ist erstaunlich, dass sie überhaupt existieren kann. Das ist ja total unkommerziell und gegen den Mainstream. Embryo ist Entwicklung, Schule, und viele, viele Einflüsse. Christian ist die treibende Kraft, derjenige, der durchgehalten hat.“

Geld spielt bei Embryo allem Anschein nach keine große Rolle. Geld sichert mehr oder weniger das Leben, hat aber keinerlei Einfluss auf musikalischen Ausdruck oder musikalische Entwicklung. Das erscheint auf den ersten Blick völlig unprofessionell, ermöglicht in dieser Hinsicht jedoch den größten denkbaren Professionalismus und eine enorme Unabhängigkeit.


Christian Burchard, der sich immer sehr bescheiden und unscheinbar gibt, auf der Bühne wie im Leben, geht mit unbeirrbarer Beharrlichkeit und beispielhafter musikalischer Konsequenz seinen Weg und hilft zugleich vielen anderen, ihren Weg zu finden. Das allein verdient schon Respekt.

Embryo ist seit 38 Jahren ständig auf Tour, und zu spielen, ist das Lebenselixier schlechthin. Die Bühne stellt sich als permanenter Workshop dar, als Übungs- und Begegnungsraum. Denn Begegnung ist eines der wichtigsten Elemente in der Musik von Embryo. Deshalb ist es auch kaum möglich, die Band in irgendeine Schublade zu stecken. In diesem sehr speziellen Embryo-Meltingpot verschmilzt alles miteinander: Jazz, Rock, Musik aus aller Welt, Persönlichkeiten und Instrumente. Wie hat es die Münchner Abendzeitung einmal so schön formuliert: „Nach den Gesetzen des Musikmarktes dürfte es eine Band wie Embryo eigentlich gar nicht (mehr) geben.“ Aber allen ökonomischen Gesetzen zum Trotz, existiert Embryo auch heute noch, und es bleibt zu hoffen, dass uns diese absolute Ausnahmeband noch lange erhalten bleibt.

Diesen Sommer noch steht die Veröffentlichung einer neuen Embryo-CD an, unter dem programmatischen Titel Freedom In Music (beim Label Schneeball im Vertrieb von Indigo). Sie wird kollektive Bandimprovisationen in den unterschiedlichsten Besetzungen in Aufnahmen von 2003 bis 2007 präsentieren. Mit dabei unter anderem Dieter Serfas, Lothar Stahl, Jens Pollheide, Mik Quantius, Roman Bunka, Georg Janker, Steffen Müller, Marja und Christian Burchard und Gäste aus aller Welt wie Larry Porter, Fakhraddin Gafarov, Alexander Alexandrov sowie das Münchner Alphorn-Kollektiv.

2009 feiert Embryo 40-jähriges Jubiläum, und es scheint an der Zeit, endlich die einzigartige Geschichte dieser Gruppe zu schreiben, als alternatives Beispiel dafür, wie man mit der grenzenlosen und nicht erfassbaren Vielfalt dieser unserer Welt umgehen kann, jenseits von Mainstream und industrieller Verwertbarkeit.


 

 

 

Hannover Tageszeitung 7.04.07
Zwischen den Tönen
Embryo entführt in fremde musikalische Welten
Mit rund einstündiger Verspätung hat das Konzert der Kultband Embyro am
Gründonnerstag in der Kleinen Freiheit Nr. 43 in Wölpinghausen begonnen.
Schuld war ein geplatzter Autoreifen, der unter abenteuerlichen Bedingungen
gewechselt werden musste, wie das Embyro-Urgestein Christian Burchard
berichtete.
Wölpinghausen. Das Publikum, darunter viele eingefleischte Fans, aber auch
Zuhörer, die sich einfach überraschen lassen wollten, nahmen es gelassen.
Die Band, die als Vorreiter der so genannten "Weltmusik" gilt, entschädigte
mit einer Session mit Einflüssen orientalischer Musik, aus dem Jazz, dem
Rock und vielen anderen Stilrichtungen.
Wölpinghausen ist nur eine Zwischenstation der Münchner Gruppe ?Embryo3.
Seit nunmehr 38 Jahren sind die Musiker unterwegs - nicht nur in
Deutschland, sondern in der ganzen Welt.
Begonnen hat die Entdeckung anderer musikalischer Welten mit einer vom
Goethe-Institut organisierten Reise durch Spanien nach Marokko im Jahre
1972. Fremde Kulturen, andere Töne und Klänge, besonders die Zwischentöne,
die es in der europäischen Musik nicht gibt, weckten die Neugierde des
Musiker-Kollektivs.
Beim Konzert in der „Kleinen Freiheit“ standen weniger fest strukturierte
Stücke, sondern der Session-Charakter im Vordergrund. Burchard, dessen
Tochter Marja, Lother Stahl, Jens Pollheide und Andreas Rust improvisierten,
mischten afrikanische, arabische, asiatische und europäische Melodien und
verwandelten den Abend in ein einzigartiges Klang-Erlebnis. Ein Bass-Riff,
ein Gitarrenlauf, eine Tonfolge wurden aufgenommen und entwickelten sich zu
20-minütigen Sessions. Der Rhythmus - eben noch ruhig und gemächlich, konnte
im nächsten Moment davon rasen.
Ebenso vielfältig wie die Töne waren auch die Instrumente, mit denen diese
hervorgebracht wurden. Von Marimba, Vibraphon, Flöte und Keyboard, über
Posaune, Gitarre, Bass und Laute, bis hin zum Schlagzeug war auch hier die
ganze Welt vertreten. Christian Burchard gab am Vibraphon die Themen vor:
Mal waren es melodiöse Jazz-Läufe, die er seinem Instrument entlockte, mal
schlichter, extatischer Krach. Der Sänger, Mik Quantius aus Köln, hatte es
sich auf dem Boden bequem gemacht und gab seltsame bis höchst kunstvolle
Laute von sich. Die Zuhörer, viele mit geschlossenen Augen, ließen sich in
diesen Geräusch-Welten treiben.
 

 

Mainpost 13.11.06

Seite 25 von Helmut Glauch

Seit 37 Jahren ein "Embryo"

Deutschrock-Kultband spielt in der Wülfershäuser Brückenschänke
 
Wenn irgendwo "Embryo" spielt, dann sind sie alle wieder da, die alten Freaks,die echten und die gar nicht so seltenen Neo-Hippies. 
"Embryo" ist
Kult, trotz und vielleicht vor allem wegen ihrer sperrigen Jazzrock-
Session-Musik, die man nicht nebenher konsumieren kann, sondern die im wahrsten Sinn des Wortes erhört und erlebt werden will. 
Am Samstag hatten die Fans Gelegenheit dieses "Deutschrock Fossil" in der Wülfershäuser Brük-
kenschänke live zu erleben.
Seit 1969 bin ich mit Embryo auf Tour, erzählt Christian Burchard,derzeit einziges noch verbliebenes Gründungsmitglied der Urformation.
Burchard hat nicht nur schon mehr als 5000 Konzerte mit "Embryo" gespielt, sondern auch alle Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts erlebt.
 Wenn er ins Erzählen kommt, dann werden sie wieder lebendig, die siebziger Jahre, in
denen unabhängige Musiker eine von der Plattenindustrie unabhängige Musik machen wollten".
"Schneeball", "April", "Brain","Ohr", "Pilz" oder "Bazillus". Alles
Label-Namen, die dem Deutschrockfan noch im Ohr klingen, die aber
fast alle längst Geschichte sind.

Ein Mann mit (Musik)Geschichte

Burchard hat auf Amon Düüls legendärer Debüt-LP "Phallus Dei" mitgewirkt, mit "Embryo" neun Monate lang Indien bereist, schon auf großen
 Festivals vor 100000 Zuschauern gespielt und auf Einladung des Goethe-Instituts seine Musik in afrikanischen Ländern vorgestellt.
So um die 30 Platten und CDs mit den unterschiedlichsten Formationen 
sind in all diesen Jahren entstanden, wenn man die Bootlegs (nicht autorisierte Veröffentlichungen) dazurechnet, dann werden es um 
die 500 sein". Scheiben wie "Embryos Reise" oder "Embryo steig aus", standen in den 70er Jahren in jeder gut sortierten WG 
Plattensammlung. 
Ruhiger ist es in den vergangenen Jahren eigentlich kaum geworden.
Immer noch funktioniert die Gruppe wie ein Kollektiv von Musikern,
die sich mit Leib und Seele dem progressiven Jazzrock verschrieben ha-
ben. " Wir geben rund 140 Konzerte im Jahr und das Gastspiel in Wülfers-
hausen ist so eine Art Chillout unserer jüngsten Europa - Tournee", be-
richtet Burchard. Vor zwei Wochen haben der 60jährige und seine musi-
kalischen Mitstreiter noch in Kopenhagen gespielt "Im Moment läuft: es
ganz gut für Embryo" zeigt: sich Burchard zufrieden. Gemeinsam mit der
angesagten Band "NNCK - Sonic Youth Freunde" haben sie ihre jüngste Platte aufgenommen, die besonders in Italien ein Renner ist.
 Auf einem alternativen Plattenlabel werden zur Zeit viele der alten Scheiben, die es bisher nur als LP gab, auf CD herausgebracht.

Beim Konzert in Wülfershausen standen weniger fest strukturierte Stücke, sondern der Jam-Charakter im Vordergrund. Loko Richter (Bass),
ebenfalls immer wieder mal Embryo - Musiker und zur Zeit bei "New Aera",
aktiv, war mit von der Partie und auch Gitarrist Eugen de Ryck gab
sich die Ehre. Lothar Stahl, einst Schlagzeuger bei der berühmt - be -
rüchtigten Polit-Rockband "Checkpoint Charlie" spielt auch seit "1974
oder so" immer wieder mal bei Embryo mit.

Musik für geübte Ohren

Auf Embryo-Musik muss man sich einlassen, oder man wird frühzeitig
den Saal verlassen. Eine Musik, die nicht bestimmt ist für Ohren, die
sonst nur an weichgespülte Radiosounds gewöhnt sind. Der Sänger
hat es sich auf seiner Jacke auf dem Boden bequem gemacht, gibt selt-
same bis kunstvolle Laute von sich und dreht sich dazwischen seine
Kippen. Die Musik lebt aus sich selbst. Ein Bass-Riff, ein Gitarrenlauf
werden von den anderen aufgenommen und entwickeln sich zu halb-
stündigen Sessions. Free-Jazz eben, aber doch nicht einer aus der Schub-
lade, sondern eine Musik, die nie gleich ist, die sich immer wieder
selbst erfindet, ein Stück mit dem gleichen Namen kann sich heute so
und morgen ganz anders anhören.
"Embryos Reise" (LP-Titel.von 1979) geht weiter. Ans Aufhoren denkt
Burchard nicht. Schließlich spielt er schon fast So lange bei "Embryo" wie
Mick Jagger bei den Rolling Stones und der ist ja bekanntlich schon
ewig dabei.

Daten & Fakten

Embryo

Die Jazzrock-formation wurde 1969 gegründet und spielte 1970 ihre erste Platte "Opal" ein. Die Band, in der bisher nach 
diversen Umbesetzungen an die 400 Musiker mitgespielt haben, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der führenden 
Jazzrock-Formationen in Deutschland und
Europa. "Embryo" sind eine der wenigen noch aktiven Bands aus
der so genannten Deutschrock-Ära (ca. 1968 bis 1975).

23-04-06, pag. 17, Cultura - Spettacolo

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Messaggero Veneto

Embryo das ist kreative Musik, mit Elementen des Jazz, der ethnischen Musik und 
sogar Rock und das alles in Reinkultur. Verwirklicht wird es mit vielschichtiger Fantasie
und großem intellektuellen Anspruch. Embryo sind die deutsche Musikgruppe mit einer echten
Geschichte -in ihrem abenteuerlichen Bus leben sie von einer Stadt zur anderen wie Nomaden,
aber immer mit Kunst und der Aufkleber "Erde" auf ihrem Gefährt will zeigen, dass das ihre
einzige Zugehörigkeit zur.Menschheit ist. Geleitet wird das alles von ihrem Gründer, Komponisten und Xylophonspieler Christian Burchard
der die mehr als zwei Stunden dauernden Doppelsets meistert. Embryo leben um zu spielen und spielen um zu leben. Ihre Legende ist von gestern, heute und morgen, seit 1969. Ihre Geschichte ist die Macht von tausenden von Auftritten und eine Vielzahl an Aufnahmen die
ihre Begegnungen und Reisen hinreichend dokumentieren.. So die fast ein Jahr lange Reise nach
Indien, die Platten mit Mal Waldron, Charlie Mariano oder Massimo Urbani, ...... das sind alles Perlen und Edelsteine! Christian Burchard ist ein 60 jähriger Junge. Im reinsten Sinne des Wortes ein Anarchist, der Millionär
hätte werden können, doch er bevorzugt den inneren Reichtum. Mit seinen Mitspielern für seine Zuhörer teilt er gerne die musikalischen Kreationen in einem
Konzert von Schönheit, Kraft und Energie. Embryo beginnt unplucked, sie spielen so schon lange bevor dieser Begriff in Mode kam, und gehen dann in
eine Art Jazzrock , der mitreißend, bewegt und reich an reizvollen Abwechslungen ist.. All das scheint
geradewegs ins Herz zu gehen. trotz hochkomplizierter Formen. Die Mitmusiker bringen frische Impulse.
Mit ihnen war es kein Retro oder Aufguß der 70 er wie es die meisten Gruppen praktizieren. Embryo bleibt ein Kollektiv, das der Welt eine gefühlvolle Lektion der Ehrlichkeit bietet. Große Musik mit Genialität.

Oberpfälzer Nachrichten 04.04.2006

Kultband Embryo verzaubert die Silberhütte.

Embryo verwandelte das Schutzhaus Silberhütte in einen Klangraum.
Die Musiker um Christian Burchard, der die Band vor über 37 jahren gegründet hat,
übertrafen die Erwartungen der über hundert Fans. Burchard, David Drudis, Martin
Pirchner, Marja Burchard, Dieter Serfas und Peter Schrameiergaben kein
Konzert im üblichen Sinn. Es war vielmehr eine improvisierte Session mit Einflüssen
orientalischer Musik, aus dem Jazz, dem Rock und vielen anderen Stilrichtungen.
Sechs begnadete Musiker ließen den Samstag für viele zum begeisterten Klang - Erlebnis werden

Embryonnck Rating: 8

by Jennifer Kelly Insound

Multilayered excursions into ethnic tinged improvisation
Since quitting Amon Düül II in 1969, Christian Burchard has made a career
out of collaborating with ethnic musicians, incorporating them into his
free-flowing improvisational blend of world music, jazz, krautrock and other
indefinable genres.  Over the last three decades, Burchard has brought in
traditional musicians from Morocco, India, Pakistan, Afghanistan, Iran,
Egypt, the Middle East, Nigeria, Turkey and many other places for impromptu
collaborations.  And then, a year or so ago, he ventured, via email, into
wholly unknown territory-Harlem to be precise-and made contact with a
reclusive tribe called The No-Neck Blues Band. 

Both Burchard's Embryo and NNCK share a genre-crossing commitment to
improvisation.  They are equally fond of multilayered ethnic percussion and
the sorts of stringed and blown instruments you won't find in most suburban
guitar stores.  They are both very serious outfits.  NNCK, in particular,
pursues its art with almost monastical rigor, bounded by strange rules and a
vow of anonymity, if not silence.  After trading CDs and messages, the two
ensembles decided to work together, NNCK bringing its seven-person caravan
to Germany, arriving at the venue and learning that the band would play
first alone, then merge with Embryo for an all-improvised session. 

The result is Embryonnck-seven tracks and 44 minutes of concentrated musical
collaboration, a fierce and uncompromising mesh of artistic visions that
will surely be among the year's best experimental releases.  NNCK fans will
find it lighter in texture than last year's Qvaris with fewer electrified
instruments and more white space.  There are no tracks as rock-oriented and
beat-centric as "Live Your Myth In Grease" or "Boreal Gluts" here, though
the opening and closing cuts borrow its shuffling, Middle Eastern rhythm.  

These two cuts-"Wieder Das Erste Mal" (Again the First Time) and "Das Erste
Mal" (The First Time)-bookend the album, yet they are in some sense its
core.  Alternate versions of the same musical idea, they are the disc's
longest compositions, building eerie textures of malleted and shaken
percussion, ethnic flutes and keening, altered voices around a circling,
insistent beat.  The repetitive rhythm is critical to this piece, its steady
reiteration providing a foundation for a dizzying array of ideas.  There are
always ten things going on at once, notes pinging off each other,
polyrhythms intersecting, independent patterns colliding off each other to
create harmonies and melodies, whistling and buzzing and ringing.  The whole
composition feels like a circus train rolling by, its elements varied,
colorful and many-textured but united in a single raucous experience. 

"Five Grams of the Widow" is a more tranquil experience, more traditionally
rooted in jazz with its bursts of sax rhythms and vibraphone shimmer.  This
is the single "live" take on the album, recorded separately in Berlin, and
it has a looser, more muted feel than the rest of the CD.  "After Marja's
Cats", though, flashes a bit of the same late-night glamour, with flute and
saxophone flutteringly chillingly through a muted metallic clangor.  More
overtly experimental, "Frank Cologne" pits rhythmic panting against a choir
of tonal percussion, the vocalist building syncopated breath cadences of
varying urgency.  "Die Farbe Aus Dem All" ("The colors from the universe"
according to Babelfish) hews the closest to NNCK's Qvaris, its electric bass
pulsing under an ominous clatter and ghostly howls, more frightening and
more rock oriented than anything else on the album. 

The disc ends with "Das Erste Mal", a cut that takes up nearly a third of
the album's total duration.  It starts with struck, metallic percussion,
pipes of different length perhaps, or cymbals.  Out of this abstract frame,
feverish sounds emerge and disappear, a trembling flute note, a haze of
bowed notes, the reverberating sounds of something like a koto.  The sounds
are oddly-shaped, distinct from one another, introduced seemingly at random.
 Yet almost immediately they are sucked into the fabric of the piece, in a
listening and responding process that you very nearly hear in progress.  The
piece gains density as it moves along, accelerating as it draws in keening
female vocals, a nattering, muttering male's sounds, slashes of violin and
staccato bursts of horns.  The CD cover lists 13 musicians (including,
sssshhhh!, the full names of all the No-Neck people), and it's easy to
imagine every one of them at work in this piece, adding to and communicating
about and playing an unimaginably complex group tapestry of sound. - 28
April 2006


 

THE-NO-NECK-BLUES BAND: EMBRYONNCK (Staubgold)

Look ma, no necks! "Größte Band in der Geschichte des Universums." sagten die Krautfresser Sonic Youth
in klassischer Untertreibung über dieses vielköpfige Improv-Orchester - ja
dann ... aber tatsächlich: welche Energien und Schwingungen die erste
Kooperation des in störrischer Anonymität verbleibenden New Yorker
Loft-Kollektivs mit der weltmusikreisenden Kraut- und Ethnolegende Embryo
freisetzt, ist schier unglaublich: sagenhafte Grooves, atmende Drones und
eine ganz eigene freie musikalische Sprache, die sich aus diesem
pulsierendem Geflecht herausschält. Das ist einer dieser klassischen
Platten, die erst wie scheinbares Hippie-Gedaddel in den Hörmuscheln
tippeln, aber auf Dauer mit grenzüberschreitendem und wandernd-urbanem
spirit durch die Blutbahn fließt. No Staatsbürgerschaft necessary for this
sound! (Honker)
Mai 2006 TERZ ist die autonome Stadtzeitung für Politik und Kultur in
Düsseldorf und Umgebung.


 

No Neck Blues Band & Embryo Text,

Interview: Peter Kaemmerer

Die Kraut-Legende Embryo und das New Yorker Improv-Kollektiv No Neck Blues Band
Manche Musiker gehen die Dinge eben gelassen an. Oder sie begehen
kryptische, verschlungene Pfade. Sie lesen zum Beispiel Bücher von obskure
Autoren wie Algernon Blackwood, Lord Dunsany oder H.P. Lovecraft, der sich
zwischen 1920 und 1940 in die hinteresten Winkel seines vom Tageslicht
abgedunkelten Hauses in Baltimore zurückzog, um an Pulp-Horror-Stories wie
»Cthulhu« oder »Die Farbe aus dem All« zu schreiben, basierend auf der
fiktiven schwarzen Kult-Bibel namens Necronomicon, die der Jemenite, Poet
und »verrückte Araber Abdul Alhazred« im 8. Jahrhundert verfasst hatte. So
jedenfalls will es die Legende.Tune In
Diese bildet einen konstanten Eckpunkt im Improv-Kollektiv No Neck Blues
Band, die im New Yorker Stadtteil Harlem seit 1994 ihr Hauptquartier, das
Hint-House bewohen. Geblieben sind vor allem eine Handvoll teils
vergriffener Alben und das aktuelle, hervorragende neue Werk »Qvaris«. Aber
vor allem die legendären Live Shows sorgen an sich für eine beständige
Erweiterung am Mythos Nnck. Seit 1995 improvisiert die Band um die Aktuere
Keith Connolly und Dave Nuss geschlossen ihre spirituelle Ragas, die auch in
den unterschiedlichen Solo-Konstellationen wie das experimentierfreudige
low-fi Side-Project Enos Slaughter um No Neck-David Shuford mit Sunburned
Hand Of The Man-Marc Orleans plus Carter Thornton von IZITITIZ zusammen
laufen, sowie das R&B-Blueprint Coach Fingers um Gitarrist Jason und Drummer
Dave Nuss, die allesamt eher unregelmäßig Platten auf dem Bandeigenen Label
»Soundatone« veröffentlichen. 
Wie schon mit dem Bruch der klassischen Komposition im Barock bei Jean-Marie
Leclair oder Franz Biber, in der Jazz-Ära der späten 1950er Jahre bei
Thelonius Monk oder Albert Ayler, der Schauspiel- und Tanz-Performances der
mobilen Truppen The Living Theater oder von The Nonplussed Some in der
Dekade des Love & Peace oder den frühen 70er Jahren bei Can komponieren die
Nncks instant, d.h. spontan und auf der Stelle. Damo Suzuki besteht auch
heute noch darauf, dass seine Band »sich niemals auf Jam-Sessions einlässt
oder die Basis für Solos liefert, sondern konzentriert das Prinzip der
>Instant Composition< verfolgt«. So setzen auch die unsterblichen
Rock-Dinosaurier Embryo um den Marimba-Spieler Christian Burchard zusammen
mit der No Neck Blues Band auf das Pfand der gemeinsamen spontanen
kompositorischen Erleuchtung. Durch die Scheibe »Embryonnck« (Staubgold 67)
kulminiert diese spezielle Arbeitsweise in einen ersten gelungenen
Entwurf.Turn On Dave Nuss: »Lange Zeit schon war ich großer Fan von Embryo,
vor allem von deren Meisterwerk »Steig Aus« (Brain Records 1973, re-released
2004 bei Motor). Irgendwann habe ich über Embryos Webpage die Adresse von
Burchard erhalten und ihm nach und nach unsere Alben geschickt. Er mochte
sie sehr, ober wohl er zugab, nicht gerade viel Material an neu entstandener
Musik zu erhalten.« Flugs wurden gemeinsame Shows in Berlin geplant. Am 16.
und 17. Juli 2004 fanden so zwei fantastische Konzerte des
»Embryonnck«-Projekts statt. Zuerst führte der geimeinsame Funkenschlag in
das Friedrichshainer Höhlenlabyrinth der Supamolly, schon am nächsten Morgen
gings gemeinsam per Bus nach Nürnberg ins TechnoLogic-Studio, um in nur
einer Session das Album »Embryonnck« aufzunehmen. Dave Nuss: »Cristian hatte
den Tag im Studio organisiert. Er kennt die Jungs dort. Wir konnten dort
einfach kostengünstig und in ruhe unser Album aufnehmen. Es gab keine
vorherigen Proben oder musikalische Direktiven, die einzige echte Probe vor
dem Studio war die Show im Supamolly.« Noch am selben Abend spielte die
Fusion »Embryonnck« im Kreuzberger Regenbogenkino ihre zweite Show. Die
Supamolly-Liveaufnahme »Five Grams of the Widow« schaffte es sogar mit auf
das Album. Die musikalischen orientalen Bezugspunkte werden durch das von
Christian Burchard gespielte Marimbaphone über einem grummeligen Bongo-Beat
gesetztDropOut
Mystisches Gerassel und schräge Flötentöne eröffnen »After Marja's Cats«,
das softig weich wie im Trance dem balinesischen Gamelan zuwendet, bis nach
fünf Minuten ein hoher, greller Pfeifton scheinbar daran erinnert, flugs den
Wasserkessel vom Herd zu nehmen. Schnaubend und keuchend beginnt die
japanische Nnck-Sängerin Takahashi Michiko ihren Nicht-Singsang, ein
Saxophon Oberton samt fiebriger Perkussionspattern leiten über in das no
wave-ige »Die Farbe Aus Dem All«, in dem eine Saz-Laute verstohlen an einer
schönen kleinen Melodie nästelt, manuell angeschoben von einigen exzellenten
Slide-Guitar Wellen. Burchard spielt sein Marimbaphon so locker und virtuos
aus wie Theo Monk einst die schwarzweissen Tasten am Klavier, bis die
farbenfrohen und sanften Kalimba-Klingelklangel Töne schließlich einen
goldenen Sonnenuntergang ins Nirvana einläuten.

 

EMBRYONNCK (EMBRYO AND THE NO NECK BLUES BAND s/t (Staubgold) cd 15.98

by Jennifer Kelly

The weird thing about this wonderfully weird collaboration, between NYC's
premier avant free folk
tribalists and legendary German progrock/krautrock combo Embryo, is that it
doesn't sound all that
different from what we might have expected a new NNCK record to sound like.
Not sure what that
says, either the two groups were absolutely perfectly in sync, or NNCK are
masterful channellers
of classic Krautrock jams, or NNCK stole everything they know from Embryo
and their sonic
brethren, or Embryo are the true masters, aligning themselves with the manic
primal tribal sound
of NNCK's percussive rituals. Hardly mattters, whichever way you slice it,
this record is
stunning. Dense and lush, and packed solid with strange and wonderfuls
sounds, tribal rhythms,
chimes, woodblocks, drum kit, hand drums, hand claps, all sorts of buzzing
strings, what sounds
like sitars and harpsichords and autoharps, woodwinds, flutes and recorders,
and vocals, an
impossible array of chanting and moaning, gargling, mumbling, humming,
whistling and singing in
tongues. Dreamy super melodic grooves give way to full on Wicker Man pagan
insanity which further
gives way to some clattery free jazz minimalism but always returning to that
transcendental
tribalism we just can't get enough of. If Embryo add anything to the mix,
it's a warmth and
melodicism that sometimes seems to be missing from a a lot of the more
abstract NNNCK jams. Folks
who dug NNCK's recent Qvaris will most certainly find this to their liking
as it sounds like a
much more dense, much more melodic, much more vibrant exploration and
expansion of the songs on
that record. And we LOVED that record, so that should tell you something!
The more we listen to
these songs, the more we think it might not be such a bad idea for this NNCK
/ Embryo hybrid to
just BE the new NNCK, those No Neck guys ought to just ask those Embryo guys
to join the band,
what the hell, the more the merrier, and judging from this one time jam, the
thought of these guys
moving forward aas a single unit, and actively exploring the realms of inner
and outer musical
space, is almost too much for us to handle. 

 

Review by Thom Jurek

It goes and it goes. You may have an idea of what you think a full
collaboration between New York's underground improv pioneers the No-Neck
Blues Band (NNCK) and Germany's longstanding Krautrock experimentalists
Embryo (alive in one form or another for over 30 years) might sound like. In
some ways, you're right. But nothing quite prepares the listener for the
understated, snaky, playful, yet ambiguous interaction that goes on here.
Embryo have consistently defied categorization with their incorporation of
various ethnic and aboriginal elements in their music. While it's true that
Christian Burchard has been the only constant member, he has brought in
players from Australia, various regions of Africa, Laplanders, and all
manner of indigenous musicians to add to his mix of composition and
improvisation. NNCK have been from the land of strange from the word go.
Their numerous releases have defied easy pigeonholing and their insistence
on remaining anonymous (until this release where every musician's name is
listed on the back cover, but there's still no information about who plays
what or where). This collaboration walked the wire from the outset and could
have gone either way. It stays on the spare side of excess, though there is
always a lot going on. Check the opener, "Wieder das Erste Mal," where a
tom-tom, hand percussion, marimbas, shakers, a cimbalom, and a moaning voice
usher in nine and a half minutes of trance where flutes and voices slip into
the mix gradually, almost imperceptibly, until there is a wall of sound
where the listener falls in the middle of the swirl. Its tribal nature never
breaks down, but there is so much more in this mysterious meld that one can
forget the rhythms, because they enter the unconscious. "Five Grams of the
Widow," a brief piece recorded live, is almost jazz with arranged horns,
vibes, toy pianos, etc., following a head for a short period. One has to
wonder if the piece was excerpted for this release. It would have been nice
if this one had stretched out more. "Die Farbe Aus Dem All," also moves into
out rock territory and becomes an entity that engages jazz and Krautrock
more than anything else here. The wailing horns are a real turn on, as is
the intensity of the work. Both of the last two tunes here take a while to
find their groove: "Zweiter Sommer" is laid-back and exotic, full of flutes
and hammered dulcimers and subtly chanted voices; "Das Erste Mal," a revisit
of the first track, is over 13 minutes and finds its groove about halfway
through. Again, percussion and voices (with some throat singing) lead the
charge, but it floats and begins to move and change shape, shifting
constantly for about the last seven minutes until it ends up so far from
where it began that one is likely to wonder what has just transpired. This
is magic music; it melts, shifts, transforms itself as it displaces time. It
goes and it goes. 
 


__________________________________________________
Review by Thom Jurek
It goes and it goes. You may have an idea of what you think a full
collaboration between New York's underground improv pioneers the No-Neck
Blues Band (NNCK) and Germany's longstanding Krautrock experimentalists
Embryo (alive in one form or another for over 30 years) might sound like. In
some ways, you're right. But nothing quite prepares the listener for the
understated, snaky, playful, yet ambiguous interaction that goes on here.
Embryo have consistently defied categorization with their incorporation of
various ethnic and aboriginal elements in their music. While it's true that
Christian Burchard has been the only constant member, he has brought in
players from Australia, various regions of Africa, Laplanders, and all
manner of indigenous musicians to add to his mix of composition and
improvisation. NNCK have been from the land of strange from the word go.
Their numerous releases have defied easy pigeonholing and their insistence
on remaining anonymous (until this release where every musician's name is
listed on the back cover, but there's still no information about who plays
what or where). This collaboration walked the wire from the outset and could
have gone either way. It stays on the spare side of excess, though there is
always a lot going on. Check the opener, "Wieder das Erste Mal," where a
tom-tom, hand percussion, marimbas, shakers, a cimbalom, and a moaning voice
usher in nine and a half minutes of trance where flutes and voices slip into
the mix gradually, almost imperceptibly, until there is a wall of sound
where the listener falls in the middle of the swirl. Its tribal nature never
breaks down, but there is so much more in this mysterious meld that one can
forget the rhythms, because they enter the unconscious. "Five Grams of the
Widow," a brief piece recorded live, is almost jazz with arranged horns,
vibes, toy pianos, etc., following a head for a short period. One has to
wonder if the piece was excerpted for this release. It would have been nice
if this one had stretched out more. "Die Farbe Aus Dem All," also moves into
out rock territory and becomes an entity that engages jazz and Krautrock
more than anything else here. The wailing horns are a real turn on, as is
the intensity of the work. Both of the last two tunes here take a while to
find their groove: "Zweiter Sommer" is laid-back and exotic, full of flutes
and hammered dulcimers and subtly chanted voices; "Das Erste Mal," a revisit
of the first track, is over 13 minutes and finds its groove about halfway
through. Again, percussion and voices (with some throat singing) lead the
charge, but it floats and begins to move and change shape, shifting
constantly for about the last seven minutes until it ends up so far from
where it began that one is likely to wonder what has just transpired. This
is magic music; it melts, shifts, transforms itself as it displaces time. It
goes and it goes.
 

Durchlauferhitzer

Embryo, derzeit zu fünft, bringen ihre Weltmusik ins "Bett"

VON GERD DÖRING
vom 24.3.06 aus der Frankfurter Rundschau.

Christian Burchard ist weit herumgekommen in der Welt. Dass er seinen 
alten Mercedes-Bus einmal vor einem Apfelweinlokal in Sachsenhausen 
parken würde, um dort Musik zu machen, das hätte sich der Münchner wohl 
nicht träumen lassen. Aber genau hier, im Herzen der Frankfurter 
Bembel-Gemütlichkeit, hat sich ein neuer Club eingenistet. Ins "Bett" 
wird jene stilistische Grenzenlosigkeit eingeladen, in der eine Band wie 
Embryo zuhause ist.
Ein Durchlauferhitzer, der Heimat schon für mehr als 300 (!) Musiker war. 
Seit 1969 spielen Embryo sich durch die Clubs in Europa, touren 
unentwegt und mit Vorliebe in Asien und Nordafrikas. Der prämiierte Film 
Embryos Reise (1978/79) hat diese Aufbruchszeit einprägsam für die 
Nachwelt fest gehalten.

Der Abend beginnt denkbar unspektakulär. Christian Burchard und Lothar 
Stahl liefern sich einen intensiven Dialog auf Vibraphon und Marimba vor 
dem percussiven Hintergrund aus Darabuka und Oud. Die Führung im 
meditativen Intro übernimmt eine kleine Mundorgel. Ein sanftes
Einstimmen.  
Die Kollektiv-Improvisationenwerden verwandelt in jenes energiereiche
Kontinuum, das man von Embryo kennt. Eine aus vielen Quellen schöpfende,
zuweilen hitzige Weltmusik, inspiriert einmal von der Schlitzohrigkeit eines
John Cage, dann wieder vom Astro-Sound Sun Ras.

Die Weitmusikanten werden geschätzt von Anhänger in den unterschiedlichsten
musikalischen Lagern und - sie erfinden sich immer wieder neu. Nicht
zuletzt, weil es gelingt, junge Musiker ins Kollektiv zu holen. Talente wie
Nick McCarthy (heute erfolgreich mit Franz Ferdinand), der noch immer von
seiner immerhin fünfjährigen "Lehrzeit" bei den Embryos schwärmt. Oder David
Drudis, den Spanier, der derzeit 
nicht nur die Oud im Weltmusik-Projekt spielt, sondern sich noch viel
spannender auszudrücken versteht mit der E-Gitarre.

Wo eben noch meditative Ruhe herrschte, bricht plötzlich das kreative Chaos
aus. Mit einem Grinsen und angefeuert von Schlagzeug und E-Bass schlingert
Burchard übers Keyboard - auch das eine Art, mit Embryo zu reisen.

Legendäres Soundchaos.

Embryo begeisterten Bierkeller-Publikum

Eike Freese, Schwäbisches Tagblatt 13.2.06
Wil1kommen im Soundchaos von Embryo.." begrußte Frontmann Christian Burchard
die Zuhörer am späten Freitagabend im Tübinger Bierkeller; Da hatte
Deutschlands einflussreichste Ethno-Band gerade ihr erstes Stück hinter sich
gebracht: Volle zwanzig Minuten Trance-ähnliche Rhythmen, psychedelische
Geräusch-Einlagen und Musikanleihen aus aller Herren Länder..
Embryo sind eine lebende Legende. Burchard und seine Kollegen stammen aus
einer Zeit, als sie zusammen mit Kraan oder Can die Speerspitze des
deutschen Avantgarde-Pop bildeten. Vierzig Jahre Musik-Erfahrung stecken in
der Münchner Gruppe.
Die Band ist in Würde gealtert, das zeigte sich wieder einmal an diesem
Samstagabend. Auch weil Embryo sich seit jeher jeder oberflächlichen Mode
verweigern. Man braucht keine Drogen-Tnps und lange Haare, um
die Geräusch-Landschaftenden der sogenannten Hippie- Ikonen zu ögen..
Auch,weil sie immer wieder junge Musiker integriert haben, die neue Ideen
und frische Energie in die Band einbrachten. So wie Valentin A1tenberger,
der an den Congas und am Bass, seine Qualitäten zeigte.
Burchard-Tochter Marja begeisterte zunächst kraftvoll am Schlagzeug, später
am Marimbaphon und an der Orgel. Der junge Spanier David Drudis spielte
E-Gitarre und die arabische Laute Oud.
Die drei sorgten dafür, dass der Sound von Embryo auch im neuen Jahrtausend
noch immer frisch und fast klassisch klingt: einer virtuoser Spagat zwischen
Musik-Konservatorium und Stammes-Rhythmen, zwischen filigraner Kunst und
roher Musik-Power.
Christian Burchard gab am Vibraphon die Richtung vor: Mal waren es melodiöse
Jazz-Läufe, die er seinem Instrument entlockte, mal schlichter, extatischer
Krach. Dann wieder schnappte sich der Altvater das Mikrophon und schwelgte
über Minuten in autistischem Skat-Gesang.
Die Zuhörer, viele mit geschlossenen Augen, schwelgten in den
Geräusch-Welten wie in einem Traum. Und der ehrliche Bierkeller wurde so für
ein paar Stunden zur psychedelischen Oase.

Bis ans Ende der Straße und dann weiter, so lange es geht

TAZ 28.2.2006

TM
Nein es geht nicht anders. Da muss man jetzt durch Wenn eine Band aber nun
mal jede verflixte Mehrzweckhalle hier in diesem Land bespielt hat, um
überhaupt erst Schwung in den muffigen Laden zu bringen, und sich dann in
allen weiteren Zipfeln der Welt umschaute und so viele musikalische Gäste
dabei auf dem Weg sammelte, dass mit der Zahl schon eine kleine Stadt
bestückt werden könnte. Wechsel also stets, immerwährender Wandel und nie
die Zeit eifersüchtig nach irgend-welchen Hitparaden zu schielen, weil diese
Band lieber spielte und spielt, abertausende Konzerte mit einer in aller
Gelassenheit improvisierten Kommunikationsmusik, zu der man Jazz sagen kann
oder Fransenrock oder Weltmusik was jedoch nicht sagende Etikette sind für
die Mission dieser Band, die sich seit über 35 Jahren auf einer endlosen
Tour befindet, die man nur noch als methaphysisches Lebensprinzip begreifen
kann, so dass man dann halt auch mal ein bisschen Respekt zeigen muss für
diese Band. Also meine Damen und Herren! Einen Applaus für Embryo. Deutsche
Rocklegende.
 

Embryo
Presse - Reaktionen 2005

Wildes Klang-Eldorado

Improvisierte Bandfusion mit "Embryo zum 2. Free Flow Festival"

Quelle: Hessisch-Niedersächische Allgemeine 15.11.2005
Autor: Bastian Ludwig

Kassel. In rotes Licht getauschte Nebelschwaden liegen wie Teppiche vor und auf der Bühne. Ethno-Psyche-delische Klänge surren durch den Raum. Über eine Leinwand huschen halluzinative Videos mit fremdartigen Zeichen. Wie in Trance ziehen Ausdruckstänzer ihre Bahnen. Auf der Bühne acht Musiker, die beinahe ekstatische ihre Instrumente bearbeiten. Am zweiten Abend des Free Flow Festivals in der Kulturfabrik Salzmann waren unter anderem die Münchener Weltmusik-Pioniere "Embryo" zu Gast, die experimentelle Musik abseits üblicher Hörkonventionen produzierten. In einer Fusion mit der Kassler Band "Strom" entstand ein Soundkaleidoskop, das die Grenzen zwischen Europa, Asien und Afrika auslotete.

"Embryo", deren Ursprünge vor 35 Jahren in der Rockmusik liegen, haben sich zu einem Stil-Chamäleon gewandelt. Inzwischen beherrschen die Münchener meisterhaft die Partitur der Weltmusik. Global wie der "Embryo"-Sound ist auch die Besetzung der Band. Europäer, Afrikaner, Asiaten und Amerikaner belegen die Authentizität des Weltmusikgedankens.

Fernöstliche Saiteninstrumente und afrikanische Trommeln gingen in schier endlosen Instrumental-Sessions auf. Mik Quantius agierte als singender Instrumentalist. Im Schneidersitz hockte er vor dem Mikro und entlockte Mund und Händen mannigfaltige Laute und beschwörerische Formeln. Kopf der Formation ist der Vibrafonist und Percussionist Christian Burchard, bei dem schon Nick McCarthy, bevor er mit der schottischen Rockgruppe Franz Ferdinand zu Weltruhm gelangte, in die Lehre ging.

"Embryo" boten eine Soundperformance mit wahrhaft bewusstseins - erweiterndem Charakter. Bis spät in die Nacht gaben sich knapp 150 Festivalbesucher den treibenden Grooves der Inprovisationsmeister hin.

Eine Reise durch faszinierende Klangwelten

"Embryo gastierten im "Traumstern" - Meisterhafte Beherrschung hochkompizierter Rhythmen

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung - 22.10.2005

Lich (gbp). Kultband, Legende und seit 35 Jahren unterwegs in aller Welt, um im Zusammenspiel mit einheimischen Musikern in aller Welt Klänge aufzunehmen und auszutauschen. Die Musikgruppe "Embryo", eine der ältesten deutschen Rockbands, entführten am Donnerstagabend im Kino "Traumstern" in Lich die rund 100 Konzertbesucher auf eine etwa dreistündige Reise durch faszinierende Klangwelten, in der sich Elemente aus Rock, Jazz und Klangbilder fremder Kulturen zu einem facettenreichen Hörabenteuer verdichteten.

Entspannt, aber hochkonzentriert; zuweilen entrückt und stets aufeinander bezogen wirkten die Musiker um Schlaginstrumentalist Christian Burchard an Santour, Vibraphon und Keyboard neben dem besonders "Vokalzauberer" Mik Quantius in das Zentrum des Bühnengeschehens rückte. Im Schneidersitz auf der Bühne kauernd, erscheint er zunächst als versunkener Zuhörer, der die Musik in sich eindringen lässe - bis der plötzlich mit unglaublicher Stimmggewalt tönt. Wie ein Instrument benutzt er seine Stimme und formt mit Lippen, Mund und Händen unglaubliche Klänge, gurgelt, zischt, klagt und singt über mehrere Oktaven. "Embryo" ist mehr eine Haltung als ein Musikstil, den der Begriff Weltmusik nur unzureichend beschreibt und der Welten entfernt ist von Ethno-Pop oder modischem "Multikult". Es lohnt sich, sich einzulassen auf das ungewöhnliche Hörerlebnis; die Embryo -  Klangwelt, die klangliche Trance wirkt ansteckend und lässt Intensität und Tiefe spüren. Was so wie eine mühelos improvisierte Jam-Session klingt, entpuppt sich bei näherem Hinhören als meisterhafte Perfektion und Beherrschung hoch-komplizierter Rhythmen in der auch Lothar Stahl (Marimba, Drums) David Drudis (Gitarre, Bass) und Valentin Altenberger (Percussion, Gitarre, Bass) überzeugten.

Am Ende dieses bemerkenswerten Konzertabends konnten sich die meisten Zuhörer trotz vorgerückter Stunde nicht von den fazinierenden Klagwelten der fünf Musiker trennen, die dem Verlangen nach einer Zugabe gerne nachkamen. Schade für jeden, der diese musikalische Weltreise verpasst hat..."

Saarbrücker Zeitung 3.11.05

Quieken aus dem Untergrund

Die großartige Band Embryo gab in Sotzweiler ihr Bestes. 
Von S. Z.s - Redakteur Peter Wagner:
Sotzweiler. "Underground? Kann man das Underground nennen?" spekulierte ein
begeistert tanzender Artur Reubekeul. Ja, man konnte. Erlaubt war auch die
Bezeichnung "Space-Ethno-Jazz". Der Hauptverant-wortliche der Band, der
Komponist, Bandleader, Keyboarder und Vibrafonist Christian Burchard, sprach
von "Psychedelik, garantiert jugendfrei" und war nach 80 Minuten Konzert
seiner Gruppe "Embryo" am Samstag im Sotzweiler Club zufrieden mit der
Leistung. "Ja, ja, war gut, es baut sich halt jeden Abend anders auf",
lautet das Urteil des inzwischen fast 60-jährigen Mitbegründers der Münchner
Hippie-Band, die seit gut 35 Jahren auf einem Musiktrip durch alle
Kontinente ist. Ein Ende ist glücklicherweise nicht abzusehen. Embryo hatten
nie einen Hit, aber man schätzt sie rund um den Globus als souveräne,
unbe-stechliche Weltmusiker. Sie reisen - Achtung, Krautrock-Vorurteil! -
tatsächlich in einem alten umgebauten Mercedes-Krankenwagen und spielen
überall, wo man sie hören will, in Galerien und Opernhäusern, in Urwäldern,
in Ställen und in Turnhallen. Jedes Mal sind sie musikalisch und kulturell
ein Stück weiter. Die Gruppe war im Sommer in Südeuropa gewesen und hatte so
viel Sonne ins Gemüt getankt, dass sie die enttäuschende Kulisse ertrug.
Burchard spielte überirdisch gut ein elektrisch verstärktes Hackbrett mit
Wah-Wah-Pedal, Lothar Stahl gab am Schlagzeug den hypnotischen Takt vor,
feinfühlig assistiert von Edgar Türk am Bass. Türk, der an diesem Abend
einmal auch die E-Gitarre rausließ, war Gastmusiker an diesem Saarland-Tag.
Das hat man oft bei Embryo. Es darf aber nicht jeder mitspielen, sondern nur
gute Musiker, die auch in das Band-Konzept passen. Türk hat übrigens eine
eigene, vorzügliche Band namens "M.T. Wizzard". 
Auf dem Bühnenboden hockte im Schneidersitz der junge Stimmenmann Mik
Quantius, der vom blauen Trickfilm-Elefanten aus der "Sendung mit der Maus"
über Captain Beefheart und gesunde Vögel bis Yoko Ono alles nachmachen
könnte, dann aber doch meist sein eigenes Ding aus den dünnen jugendlichen
Backen blies: Schlabber- und Quiek-Geräusche, die man vorher noch nie gehört
hatte, schon gar nicht als Lead-Instrument in einer deutschen Rockkapelle. 
Quantius, der unermüdlich rauchte und Fruchtsaft trank, hat noch Arbeit in
drei anderen Bands, bei Embryo darf er sich am meisten ausprobieren. Es
versetzte der Gruppe übrigens einen verdienten Schub, dass ihr ehemaliger
Lehrling Nick McCarthy jetzt bei der neuen Pop-Hoffnung "Franz Ferdinand"
spielt und so oft Reklame für Embryo macht, wie er kann.... 
Es wird, jede Wette, die Charakterköpfe von Embryo noch viel länger geben.

Elbe-Jeetzel-Zeitung 8.11.05

Wir kennen ihn, es ist der Sänger der Weltmusikgruppe
»Embryo», die bereits im vergangenen Jahr im Landkreis
gastierte. Am Sonntagabend gab die Band aus München erneut ein
Solidaritätskonzert für den Gorleben-Widerstand, diesmal im Café
Grenzbereiche. Seit 35 Jahren existiert dieses kollektive Fossil deutscher
Musikgeschichte nun schon. 400 Musiker jeder Couleur haben in dieser Zeit in
der Gruppe mitgespielt, änderten immer wieder den Sound, hinterließen
unterschiedliche Stilrichtungen und Strömungen. Ein Konzert von und mit
»Embryo» ist eine Zeitreise zurück in die Ursuppe. Zusammengesunken im
Schneidersitz, eingehüllt von einer Wolke aus Zigarettenqualm, hat sich Mik
Quantius, die Stimme aus Köln, vor das instrumentale Equipment
niedergelassen. Er singt in fremden Zungen. Gutturales
Glucksen aus fremdartiger Tiefe entfleucht der schmächtigen Gestalt, die von
Tönen besessen scheint. Frank Zappa bestellt Grüße von einer fernen Galaxie.
Hungrige Geister flehen um Absolution. Dann wieder kein Mucks aus diesem
Mund, abruptes Schweigen und entrücktes Abtauchen. Die Gestalt sackt noch
mehr zusammen. Der Griff zum Tabaksbeutel. Erstmal eine drehen. Im Zentrum
des musikalischen Geschehens agiert derweil immer noch die treibende
altvordere Kraft Christian Burchard, begnadeter Zauberer am Vibraphon,
Keyboard und Santour. Um ihn versammelt haben sich in erster Linie Musiker
der jüngeren Generation: Lothar Stahl (Marimba, Drums), Davis Drusi (Oud,
Gitarre), Valentin Altenberger (Gitarre, Percussion) und Jens Pollheide
(Bass, Querflöte). ..Gespeist aus alten orientalischen Quellen, entsteht ein
eigenes Netz aus verspielten Improvisationen.

Nesthäckchen setzt die Akzente

Krautrock- und Hippielegende "Embryo" spielt im Haus der Jugend

Quelle: Mainzer Allgemeine Zeitung - 29.10.2005 - Autor: Alfred Balz
Ein Dutzend Konzerte finden monatlich im Mainzer Haus der Jugend statt.
Musikerinitiativen wie JIM, Airfield und Mayence Acoustique bieten neben
Punkern, Hiphoppern und einem Akkordeonverein regelmäßig Livemusik.
An diesem Abend waren es gleich zwei, denn parallel zu "States Of Matter"
bei Mayende Acoustique spielte die Krautrock- und Hippie-Legende "Embryo" im
großen Saal. Als das kurzfristig anberaumte Konzert beginnen sollte, steckte
Christian Burchard, Gründer und Kpf der umtriebigen Musiknomaden, noch auf
der Autobahn fest. Schlagzeuger Lothar Stahl von der 1967 gegründeten
Politrockband "Checkpoint Charlie" und Stimmakrobat Mik Quantius und "MT
Wizzard" Bassist und Gitarrist Edgar Türck sitzen derweil etwas abgekämpft
mit alten Freunden in der Küche.
Wer von Embryo ein konventionelles Rock-, Ethno- oder Jazzkonzert erwartet
muss umdenken. In 36 Jahren haben hunderte Musiker mit Embryo gespielt,
darunter Sigi Schwab und Charlie Mariano. So gibt es auch an diesem Abend
kaum festgelegte musikalische Strukturen. Auf einem polyrhythmisch
flirrenden perkussionsteppich kreist die Musik entweder um ein tonales
Zentrum oder einfache harmonische Wendungen. "Now Music" haben Freejazzer
das spontane Entstehen von Musik aus einem Gefühl heraus einmal genannt. Es
geht von der Vorstellung aus, dass alle Klänge Musik sind.
Locker groovt sich Lothar Stahl in einen 6/8-Takt. Edgar Türck setzt mit
seinem bundlosen Bass einen Bordunton, den er modal umspielt. Das
vielschichtige Rhythmusgerüst trägt auch die schrägen soundverliebten
Keyboardklänge Christian Burchards, hier fließt die Musik locker und
entspannt, und es entstehen Arabesken und melodische Interaktionen, die in
einem eingängigen Thema enden können.
So ist es eigentlich der Obertongesang des nicht mal halb so alten Mik
Quantius, der mit seinem unkonventionellen Vokalstil Akzente setzt. Mal ist
es der vibratoreiche baritonale Klang seiner ausgebildeten Stimme, dann
wiederum röchelt er unverständliche Phhantasietexte

Die Weitgereisten - Embryo unternehmen musikalische Weltreise

Kultband im Haus Forellental in Gossenzugen und im Bielefelder "Extra"

Quellen: Alb Bote, 30.06.2005 - Autor: Rainer Schmidt & Neue Westfälische
12.06.2005 - Autor: rene
Großenzugen - Bielefeld. 1969 wurde die Band "Embryo" gegründet, und von
denen, die damals zunächst avantgardistischen Jazzrock spielten, ist nur
noch einer dabei. Vibraphonist Christian Burchard ist Kopf der Band, die am
Dienstagabend im Gossenzugener haus Forellental gastierte. Seit vielen
Jahren scharrt Burchard immer wieder neue Mitstreiter um sich, die unter dem
"Embryo-Etikett" zusammen spielen.
Leisem fast schüchtern tasten sich die Musiker herein in den rhythmischen
Fluss. Zarte Melodien aus der arabischen und persischen Welt erheben sich
über vielfältigen Trommeln in ungeraden Taktmaß.
Mit der Zeit wusste sich die Band dann deutlich zu "steigern". Der iranische
Drummer Barbak Barbor setzte immer wieder überraschende Akzente, als die
fast schon tranceartigen Stücke plötzlich rasant an Fahrt gewannen. Aus
Tönen wurden Melodien, die stark orientalichen Einschlag hatten. Noch weit
nach Mitternacht bewiesen "Embryo", dass Weltmusk eine überaus spannende
Sache sein kann.
Wenn die Stimmung bis in die kleinste, wohlgesetzte Phrase ausgekostet ist,
wird das Rhythmusgeflecht irgendwie störrisch, franst polyrthytmisch aus,
und das Stück "versandet" irgendwann. Im einzelnen Stück schon kann man die
charakteristische Dramarturgie eines "Embryo"-Konzertes erkennen.
Oase und Weltenbrand in zwei Sets, meistens. Dennoch ist es immer wieder ein
Ereignis, auch wenn man mal besonders zottelige individuen (im Publikum)
sehen möchte. Dieses Mal lässt es "Embryo" gemächlicher angehen. kein
Rockjazz-Chaos im zweiten Teil, weniger aufgekratzte Ansagen, keine
"Rauchpausen", nach der eine noch wilderer musikalische Selbstenttäüschung
folgt - oder auch nicht. Es mag daran liegen, dass sich nach drei Jahrzenten
des steten, nervenaufreibenden Wechsels eine nahezu konstante Besetzung
entwickelt hat, die alljährlich zwischen Istanbul und Casablanca die Clubs
bespielt.
Oder daran, dass bei diesem Auftritt kein Saiteninstrument den Raum zwischen
dem Bass von Jens Pollheide und der Hand-Persussion von Christian
Schmidhofer (Kanjeera & Tavil), Babak Borbor (auch am Schlagzeug und Saxofon
zu hören) und Lothar Stahl (auch Marimba) mit mächtigem Klag füllt. Moment,
nach der Pause hat Christian Burchard seine Santur an Verstärker und
Wah-Wah-Pedal angeschlossen und eröffnet dem Zuhörer mit sphärischen
Klangüberlagerungen und entzückend schrägen Melodien sein
"Geht-Doch-Gar-Nicht"-Konzept des "mikrotonalen Jazz". Auch am Vibraphon
verausgabt sich der Mann er ersten Stunde wie gewohnt.
"Embryo" hat seit einiger Zeit den unsichtbarsten Vokalisten der Welt in
seinen Reihen. Mik Quantius aus Köln sitzt im Schneidersitz im Dunkeln vor
dem Podest und lässt in sehr willkührlichen Einsetzen Laute hören, die
unirdisch zu sein scheinen: schnelle, gurgelnde Tremoli und fauchende
Reibelaute

Embryo spielt die etwas andere Musik

Allgäuer Zeitung 30.06.2005

Gossenzugen (ekn) - Einmal im Monat wird Gossenzugen, ein kleines Örtchen
bei Zwiefalten mit etwa 40 Häusern, Treffpunkt für Fans der etwas "anderen
Musikkultur". Dann veranstaltet Sabine Trunzer im "Haus Forellental wieder
ein Konzert. So auch am Dienstag. Es spielte die Kultband und "Musikkommune"
"Embryo".
Die Bands die im "Haus Forrental" spielen, gehören zu etwas "anderen
Musikkultur": Auf dem Programm stehen Bands aus Russland, Dänemark aber auch
aus Deutschland, die elektonische Musik, "Psychedelic" oder "Jazzrock"
spielen.
So auch die Band "Embryo", die in Gossenzugen zu Gast war: Eine
"Institution", wie es Bandgründer Christian Burchard nennt, die seit 1969
die ganze Welt bereist: Sie waren in Japan, Amerika und Indien. Auf ihren
Reisen sind die Musiker von "Embryo" immer mit einheimischen Kollegen
zusammengetroffen, haben zugehört und gemeinsam musiziert.
Von den verschiedenen Musikstilen ließen sich Embryo beeinflussen und so
begeisterten sie auch ihr Publikum im "Haus Forellental" mit ihrer
"Weltmusik": Den Zuhörern wurden Stücke aus Kairo oder Japan präsentiert.
Auch die Improvisation ermöglicht das Zusammenspiel bei "Embryo". Denn eine
weitere Besonderheit ist, dass die Band nicht aus Stammusikern besteht. Die
Besetzung von "Embryo" wechselt ständig und so war der Bassist Valentin
Allenberger beim Auftritt in Gossenzugen zum ersten Mal dabei. Auch
Christian Burchards Tochter Marja gehört inzwischen zu "Embryo" und stand im
"Haus Forellental" als einziges weibliches Bandmitglied auf der Bühne. Sie
spielt Marimba und sorgte am Keyboard für den passenden Sound. Aber auch
Violine, Vibraphon, Gitarre oder Percussion gehören zur "Embryo"-Musik. Die
sechs Musiker ließen diese unterschiedlichen Instrumente melodisch
miteinander verschmelzen und ernteten dafür viel Beifall vom Publikum.

Intelligente Musik

Krautrock-Helden "Embryo" auf Weltreise im Kloster

Südwestpresse SWP 14.10.2005
HORB (vov). die Macher des "Projekt Zukunft" bieten der Horber Kulturszene
was: Mit "Embryo" holten sie nicht nur eine echte Kultband, sondern auch
über 35 Jahre Musikgeschichte ins historische Gemäuer. Am Samstag
faszinierte die bunte Truppe um christian Burchard zwischen Weltmusik,
Krautrock und Ethno-Jazz im "Kloster"
Seit 1969 macht der Vibraphonist Christian Burchard mit ständig wechselnden
Besetzungen seine spannende Musik. Mit fast 400 Musikern hat er auf seinen
Tripps rund um den Erdball gespielt. Hat dabei musikalische Einflüsse aus
Mitteleuropa, Kleinasien, Afrika und Indien fröhlich vermengt zu einem
Klangteppich zwischen Weltmusik, Jazz und Krautrock. Musik für intelligente
Menschen wollten "Embryo" damals machen.
Und die Musik von "Embryo" ist auch ganz sicher nicht jedermanns Sache..
dazu ist sie zu schräg, zu originell, zu fremdartig. Wer nimmt sich heute
noch Zeit, teils fast endlosen, jazzigen Improvisationen zu lauschen?. Wer
hört noch Werke, die länger als drei Minuten sind. So aber ist die Musik von
"Embryo". Musik die nicht als Hintergrund-Berieselung taugt. Musik zum
Zuhören. Und die Musik lebt förmlich. Sie lebt zwischen vor sich hin
groovender, teils Nerven strapaziernder Aufregung.
Beeindruckend ist auch die große Instrumenten-Vielfalt: Da jault die Sitar,
das Vibraphon bimmelt samtweich, es wird gerasselt und getrommelt. All das
verbinden "Embryo" mit groovenden Bass, jazzigem Schlagzeug, einer auch mal
kreischenden Gitarre und sogar mit Cello und Geige.
Blieb der erste Teil des Abends im eher ruhigeren "Weltmusik"-Breich, so
stand die zweite Konzert-Hälfte im Zeichen von psychedelischen Ethno-Jazz
und coolem Krautrock. hier faszinierte vor allem einer der jüngeren
"Embryo"-Musiker: Sänger Mik Quantius.
Er ist gerade mal so alt wie die Band selbst und doch bereichert er dieses
wundersame Musker-Kollektiv ungemein. Quantius setzt seine Stimme ein wie
ein vielseitiges Instrument. Im Schneidersitz auf Bühne hockenend, lässt er
seine Stimme mal wie ein Didgeridoo klingen, dann wieder beeindruckt er
durch Oberton-Gesang oder opernhafte Einlagen und schockt fast ein wenig mit
böse keifenden Vocals, um die ihn ein jeder Black-Metal-Sänger schlicht
beneiden müsste.

Embryo
Presse - Reaktionen 2004

Taz 05.01.04:

Kultur S.16

Unterwegs

Embryo: "Bremen 1971". Garden of Delights CD084, Embryo: "live Recordings 2002 u,2003". Schneeball/Indigo 24462-5 [www.embryo.de)

Sie bestehen beinahe so lange wie die Rolling Stones. Embryo ist eine der ältesten Rockbands, die die deutsche Szene hervorgebracht hat. 2004 feiern sie ihr 35-jähriges Jubiläum. Seit 1969 ist die Münchner Formation unentwegt unterwegs, produziert. alle paar Jahre ein neues Album und setzt sich kontinuierlich neuen Einflüssen aus, auf langen Reisen, die sie hauptsächlich durch den Orient; unternehmen. Welche enorme musikalische Wegstrecke dabei zurückgelegt wurde, ist anhand zweier Neuerscheinungen zu ermessen, die die Band 1971 bei einem Auftritt in Bremen sowie bei einer Serie von Konzerten neusten Datums in Köln, München, Berlin und Spanien zeigen. Bei der Gründung waren Embryo Jazzdissidenten, die sich von den neuen elektrischen Sounds des Rock angesprochen fühlten. Mit kraftvollen Rhythmen und überblasenen Flötentönen war ihr Rockjazz ganz auf der ,Höhe der Zeit. Das Saxofon heulte elektrisch verzerrt, der Bassist, spielte sein Instrument als Sologitarre a la Jack Bruce. Mit der Zeit hat die Musik die Selbstbezogenheit der Woodstock-Ära abgestreift und' sich nach vielen Richtungen geöffnet. Den Embryo-Mitgliedern wuchsen größere Ohren. Bald führten sie kein einstudiertes Repertoire mehr auf, sondern suchten den Austausch mit Musikern aus anderen Kulturen, ob in Europa, Afrika oder Asien. Dafür muss man vor allem eines können: zuhören.

von Christoph Wagner 

 

EMBRYO Presseauszüge (99-01):

 

"..For Eva " bezeugt, dass den Musikern von Embryo ein profundes Handwerkszeug gegeben war, mit dem sie als solides Kapital ihre Vorstöße in Richtung Weltmusik starteten...Zeitloser Jazz, mal melancholisch, mal synkopisch vertrackt -aber immer Musik, die sich in einem entspannten Fluß entfaltet mit Improvisationen, die sich endlos weiter fortspinnen könnten..." Jazzeitung 11_2001"..Bei einem wie Mal Waldron mag es verwundern, dass ausgerechnet Aufnahmen, die er zusammen mit einer deutschen Combo gemacht hat, zu seinen schönsten zählen sollen. Als Pioniere eklektizistischer Weltaneignung waren sie immer an dem unmittelbaren Austausch interessiert. Sie spielen mit Musikern unterschiedlichster Kulturen in aller Welt, versuchen das fremde Material von innen zu durchdringen, im Gegensatz zu moderneren Montagetechniken mit beliebig verfügbaren SampIes... "

Jazzpodium 12_01

"..Seit üiber 30 Jahren zieht der Multiinstrumentalsist Christian Burchard mit seiner bunten Truppe durch die Welt, um wo immer möglich mit einheimischen Musikern zu spielen, ob in Afrika, dem Maghreb, dem Nahen Osten oder Indien. Meistens bietet die Improvisation eine Platform, die das Zusammenspiel ermöglicht..So entstand eine Musik, die durch die KUhnheit der Improvisation und die Vielfalt der Klänge gelegentlich an die kosmischen Sounds des legendAren Sun Ra und seines Arkestras erinnern, der - ja auch bei den Pyramiden spielte. "

TAZ 5.8.2001

"..Gerade Embryo verkörperte im Laufe seiner Existenz einen kreativen Nukleus für Einsteiger, entblößend offen nach allen Seiten, begierig, Impulse aus jeden Winkel der Erde aufzusaugen.."
Jazzthetik 12_00

"..Gemeinsame Nenner gibt es gleich mehrere: die freie Improvisation, da agiert eine Sinngemeinschaft, die Akkorde federn läßt, wUrdevolle Leerräume gestattet und Themen aus purer Lust an der Bewegung auf - und abwippen lässt, bis die melodischen KUrzel ein magisches Eigenleben gewinnen.. "
Jazzeitung 12_00

"..Die Musiker von Embryo um Vibraphonist Christian Burchard und Schlagzeuger Dieter Serfas, die sich vielleicht als Urväter der Weltmusik betrachten dürfen, beschäftigten sich an diesem Abend (Jazzfest München) besonders mit Musik aus China...jazzige Aspekte dieser unbekümmerten und fröhlichen musikalischen Grenzüberschreitungen.." Jazzpodium 12_00

"..Dichter Dialog. Wunderbar wie sich Christian Burchards (Embryogründer) Vibraphon - Melodien mit der Piano Perkussion zusammenfügen. Als hätte man einfach die Rollen getauscht. Der Mann mit den Schlägeln zieht seine Glitzertöne auf Melodiefäden...Uberhaupt begeisterte der dichte DIalog der Band, atemberaubend locker dahinschwebt. Wer dieses ungewöhnliche Konzertereignis verpaßt hat, darf sich zu Recht ärgern."

Nurnb. N. 7.12.99

"..Immer noch fallen ihnen neue Kombinationen ein. Wer kommt schon auf die Idee, mit einem in Athen lebenden Iren, einem Chinesen und deutschen Jazzmusikern ein arabisches Stück zu spielen?.." Jazzthetik 5.99

".. sind Embryo in Sachen Weltmusik unterwegs - unterwegs nicht nur eingedenk ihrer schon legendären Abenteuer - Bus- reisen, sondern vor allem weil ein " Ankommen " erst gar nicht eingeplant ist. Jenseits von esoterischer Schrebergärtnerei oder Trend -Anbiederung suchen und finden Embryo mit "Musikern verschiedenster Kulturen den gemeinsamen Nenner in der zumeist rhythmisch und motivisch gebundenen - Improvisation.. Die musikkulturellen Unterschiede sollen nicht eingeebnet oder aufgehoben werden, sondern in ihrer jewiligen Eigenheit als Beitrag zu einem musikalischen Dialog dienen, dessen Reiz die offenen Ohren und die Musizierfreude aller Beteiligten ausmacht. Embryos eigenster Beitrag sind dabei die immer langjährige Erfahrung in eben jener Offenheit (in diesem Fall kein Wiederspruch) und ihre an jazzmusikalische Phrasierung und Melodik orientierte Sprache - selbst schon eine Art Weltmusik"
Jazzpodium 2_99

 

aus "Die Welt ist Klang" v. Prof. Joachim Ernst Berendt

 

"...... Die universalste dieser Gruppen in Europa ist die seit dem Ende der sechziger Jahre bestehende »Embryo«, deren Musiker nun schon viele Jahre lang allein und mit ihrem Ensemble durch die Welttrampen - durch Indien, Afghanistan, Pakistan, den arabischen Raum ....

Sie haben begriffen, daß man die Musik all dieser Länder, um sie spielen zu können, nicht einfach »studieren« kann, sondern daß man sie »erleben« muß- in ständig erneuerter »Symbiose« mit den Musikern der betreffenden Kulturen....

Die Musiker werden immer »universaler«. Sie erfüllen das Phrasenhafte des Begriffes » Weltbürger« mit Leben.

Was wir alle auf diesem immer kleiner werdenden Planeten erst noch werden müssen, um überleben zu können: sie sind es bereits jetzt realiter: Weltbürger - in einem musikalischen Sinn, aber ich habe keinen Zweifel, daß die Musik hier wieder einmal vorwegnimmt,'was in den anderen Bereichen ebenfalls geleistet werden muß.

Es ist offensichtlich, daß es die Ausweitung des Begriffes Musiker vor allem im Umkreis des Jazz gibt. Charlie Parker war der erste, der gefordert hat: Ich würde mich freuen, wenn meine Musik einfach "Musik" genannt würde.«

Heute - fast 40 Jahre später - wünschen Tausende von Musikern das gleiche. Zur Zeit Parkers war der Wunsch Utopie; heute ist er erfüllbar. Die Musiker lehnen die labels, die Etiketten,die Kategorisierung und Rubrizierung der Musik ab, meinen, daß all dies Verwirrung stifte......"

 

Konzertkritik in der Nordreinischen Zeitung vom 13.11.03:

Enthemmte Rhythmen Konzert/ Die Kultgruppe "Embryo" faszinierte ihre Fans in der Musikschule TAN. Dawar er wieder, der samtweiche Klinklang aus dem Marimbaphon, heulende Geigen drängten sich in den Vordergrund, Rasseln, Töne aus dem Hackbrett.Assoziative Geräusche in Klubatmosphäre...Ein Abend zwischen meditativer Entspannung und der Kakaphonie enthemmter Rhythmen,wilder Gitarrenbreaks, Ekstase. Die unkontrolliert klingenden Improvisationen von Bandgründer Christian Burchard und Gitarrist Chris Karrer (Amon Düül), gepaart mit den solistischen Brvourstückchen des Oberhausener Pianistan Achim Jaroschek verdeutlichten auch ungeübten Ohren dieser freien Vortragsweise das Gefühl für gemeinsamer Klang- und Taktgestaltung. Waswie eine akustisch umgesetzte Komposition von Hyronimus Bosch klang, bei der vor allem die urvitalen Stimmbandlaute des im Schneidersitz auf der Bühne hockenden Mik Quantius (35,Gesang) Gänsehaut erzeugten, wirkte wie eine Spiegelung der Geräuschausstöße der hektischen Industriegesellschaft. Faszinierend waren auch die Einschübe der Gastmusiker Marcin Langer am Saxophon und Murat Cakmak amBlasintrument Ney. Zusammen mit dem bulgarischen Gadulkaspieler Stefan Daskalos gestalteten sie diese ursprünglische Ausdrucksform von Weltmusik zur vollen Blüte. (CK) 

Frankfurter Rundschau 22.7.2003

Die Vorreiter

Embryo machen mal wieder in Darmstadt irre Musik

....Statt um hiesige Krautgartenlandschaften zu streichen, sind sie eher Wanderer zwischen den Welten. Seit über 30 Jahren sind sie nun unterwegs, ob im Maghreb, im Nahen Osten oder in Indien....

Versunken mit geschlossenen Augen über ihre Instrumente gebeugt, die langen Hippiemähnen im Gesicht, stehen, sitzen die sieben Musiker auf der Bühne. Um sich herum ein gewaltiges Instrumentarium ausgebreitet, darunter Nay, Oud, E-Gitarre, Geige, Vibraphon, Marimba, Drums. Embryo-Stücke sind ausufernd lange Musiktrips, oszillieren zwischen arabischen Teehausklängen und spacigen Jazz-Freakouts a la Sun Ra, sind mal meditativ, plötzlich laut, schräg, dann wieder geschmeidig, mit einem funktgen Groove als Fundament.

Neben Burchard und Ex-Amon-Düül-Gitarist Chris Karrer sticht ein Embryo-Neuling hervor: Mik Quantius. Hingefläzt auf den Bühnenboden hört er stumm zu, hält sich zurück, bricht urplötzlich in wilde Gesänge aus. Wie besessen schüttelt er den Kopf und singt, während er mit dem Finger im Mund rührt. Was dabei herauskommt, ist ein flirrendes Getön, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Dann brüllt er, unartikulierte Worte, mit einem Organ irgendwo zwischen Jim Morrison und Tom Waits.

Miles Davis soll einmal über Embryo gesagt haben:"Das sind krative, gute Musiker, die einfach irres Zeug spielen." Wenn er es sagte, hatte er Recht

21.07.03 - Darmstädter Echo  S.12

ganz unverbraucht

"Embryo" - Avantgarde der siebziger Jahre:

Die Münchner Band in der Oetinger Villa.

VON MARC MANDEL

DARMSTADT. "Wir ersticken in Musik-Demos", sagt Dirk Neureuther vom selbstverwalteten Jugendzentrum Oetinger Villa. "Hunderte von Bands möchten gern bei uns spielen. Da ist es gar nicht so einfach, auszuwählen". Bei der deutschen Band "Embryo", ist das offensichtlich nicht schwer gefallen. Seit ihrer Gründung im Jahre 1969 hat die Gruppe des Hackbrettspielers Christian Burchard immerhin 22 Langspielplatten veröffentlicht, die heute ausnahmslos als CD vorliegen. Außerdem steht die Münchner Formation wie keine andere in der WeItmusik-Szene für "Kraut-Rock". Am Samstag- abend trat "Embryo" in der Oetinger Villa auf.

Lotbar Stahl scheint zunächst nur so auf dem Marimbafon herumzuklimpern. Das gilt ebenso für Max Weißenfeldt am Schlagzeug. Christian Schmidhofer begleitet eher unterschwellig an der Thavi1trommel, und Burchard entlockt dem Hackbrett spielerische Sequenzen. Spätestens wenn Jens Pollheide auf der Flöte zu improvisieren anfängt, weiß man, dass das Konzert längst begonnen hat. Chris Karrer (Violinist von Amon Düül lI) bearbeitet die arabische Laute Ud, während der Sänger Mik Quantius sich noch am Boden räkelt. Die Meditations- Musik der Gruppe ist für heutige Verhältnisse ungewöhnlich leise, und Bewegung und Gefühl scheinen wichtiger zu sein als Klarheit.

"Krauts" wurden die Deutschen von den Amerikanern genannt wegen ihrer angeblichen Vorliebe für Sauerkraut. In den sechziger Jahren stand "Kraut" jedoch auch für "Grass". Aus beiden Bedeutungen entwickelte sich für die deutschen Underground- Bands der siebziger Jahre die Kategorie "Kraut-Rock". Die harmonische Basis bildet meist ein einziger Grundakkord, der bei "Embryo" von Hackbrett und Marimbafon in Form von immer wiederkehrenden Melodie-Modulen gebildet wird. Dabei geben die restlichen "Embryos" vielen das Gefühl, sofort mitspielen zu können - doch spätestens bei den exakt gezeichneten Weltmusik-Grooves und ungeraden Taktzahlen wird auch dem Durchschnittshörer die hohe Professionalität deutlich.

Sänger Mik Quantius ist neben dem Bandleader die prägende Musikerpersönlichkeit der Gruppe "Embryo". Er benutzt die Stimme wie ein Instrument. Während des gesamten Konzertes sitzt er im Schneidersitz auf der Bühne und raucht eine Zigarette nach der anderen. Gewöhnlich korrespondiert sein Gesang mit der Violine, der Gitarre oder der Flöte; manchmal gurgelt er in sein Mikrofon und moduliert zusätzlich mit Handfläche und Fingern. Seine Gesichtsmuskeln arbeiten ohne Pause und seine Mimik spricht so deutlich, dass "Embryo" sich Zuschauern unterschiedlicher Kulturen auch ohne Worte erschließt. Die einstige Avantgarde klingt erstaunlich unverbraucht.

30.1.03

Amberger Nachrichten (Jeff Fichtner)

...Fast unmerklich schwang sich die mit vielen jungen Kräften durchsetzte deutsche Rock-Legende in ihr Konzert ein..."Embryo" die hautnahe Erfahrungen mit "echten" Ethnoklängen aus ihren vielen Reisen in all dieser Zeit seit den frühen Siebziger-Jahren. "Embryo" ist mit Sicherheit näher dran am Kern der "Folklore"..

Für westliche Ohren mögen die Münchener um Chris Karrer immer noch allzu avantgardistisch wirken, doch wer sich wirklich mit "Weltmusik" beschäftigen will, kommt an dieser Gruppe auch heute nicht vorbei. Die Ratlosigkeit, die Embryo bei nicht wenigen der Besucher hinterließ, spricht eigentlich eher für die Band als gegen sie."

7.8.2003

Allgäuer Zeitung (Christian Gögler)

Wiedersehen mit Embryo

Ziemlich genau 25 Jahre ist es nun her, als ein ungewöhnliches Musikerkollektiv mit einigen klapprigen Bussen von Europa nach Indien aufbrach, die Münchner Gruppe "Embryo". Unentwegt tourt die Band seither durch die Weltgeschichte und Lässt sich auf ihren Reisen gerne von der Musikverschiedener Kulturen inspirieren. Die Worldmusic- Truppe um den Vibrafonisten Christian Burchard war nun zu Gast in Eschasberg.

Sieben Mitstreiter waren es, darunter Burchards 17 - jährige Tochter Marja. Seit geraumer Zeit wird der Sound auch bereichert durch Chris Karrer, Kopf der Gruppe "Amon Düül". Er wechselt hin und her zwischen E - Bass und Gitarre, Tamburin und Violine. An Hackbrett und Vibrafon fand man den Senior - Chef Christian Burchard.

Entwicklung und Improvisation sind die Schlüssel - und Zauberwörter bei Embryo. Was zunächst noch wirr und schräg klang, entfaltet sich nach und nach zu einem einheitlichen Groove mit magischen Momenten, deren Intensität die Zuhörer mitriß.

Eindringlich und ungewohnt für westliche Ohren waren Nüzans kurdische Gesänge. Einen Kontrast dazu setzte die 25- järige Baika aus Berlin, die in Indien zur Welt kam, mit ihren warmen, souligen Vocals. ........

14.6.2003 Die Reinpfalz

...Es ist dunkel im Club, die Bühne ist in buntes Licht getaucht. "Embryo" macht nach eigenen Angaben "Ethno - Jazz Rock", also Weltmusik. Die reifen Musiker verstehen ihr Handwerk:

Chris Karrer entlockt seiner Oud, einer türkischen Kurzhalslaute, orientalische Klänge; Christian Burchard ist virtuos am Vibraphon, Schlagzeug und Orgel. An der Marimba beeindruckt Lothar Stahl, das vielfältige Klangbild untermalt Jürgen Bräutigam mit sich windenden Bässen. Mik Quantius sitzt zusammen-gekauert auf der Filmore - Bühne und erzeugt mit verzerrter Mundakrobatik fast schon außerirdische Laute.Die Bandmitglieder kommen aus München, Köln, Rockenhausen und haben sogar einen Gast - Musiker aus Mali dabei, der auf seiner Djembe ein verschachteltes rhythmisches Gerüst entstehen lässt. Das Besondere dabei: Die Kunst liegt in der Improvisation. Das, was perfekt ausgearbeitet wirkt, entsteht in Wahrheit aus einer spontanen Stimmung.

"Wie in Trance" Gegenseitig geben sich die Musiker Raum für Soli, suchen und finden sich ständig neu, erzeugen so wie in Trance eine melancholisch träumerische, wunderbar leidenschaftliche Athmosphäre. Die Zeit verliert dabei komplett ihre Bedeutung: Im Mittelpunkt steht das Musizieren im Hier und Jetzt, man spürt die Musik förmlich und fühlt sich wie in einer anderen Welt. Ein mehr als gelungener Tourauftakt und es scheint, als ob sich die Besuche im Filmore wieder lohnten. (Andreas Erb)

Lübecker Nachrichten 2.7.2003

(Anne-Catherina Knörnschild)

Entspannter Krautrock mit Embryo auf der Walli

Am Anfang waren da nur die Klänge einer Laute. Nach und nach suchten sich die sanften Melodien eines Marimbaphons, elektrische Sounds eines Keyboards und der Beat der Trommel ihren Weg in den dichten Dialog. Sänger Mik Quantius verweilte zunächst gekrümmt im Schneidersitz auf dem Boden, sein Gesicht gesenkt, bis er mit seiner kräftigen Stimme, die über mehrere Oktaven geht, einstieg. Den gesamten Körper als Instrument einsetzend, produzierte er Klänge, die einem klagenden Indianer, manchmal auch einem australischen Didgeridoo glichen. So präsentierte sich die 1969 gegründete Band .

Ganz im Sinne der fünf Musiker erschienen nicht nur Zuhörer verschiedener Nationalitäten, sondern auch jeden Alters...Ethnische Klänge gemixt mit psychedelischen Impulsen bescherten den Zuhörern einen Abend, der sie auf eine musikalische Reise in vergangene Hippie - Jahrzehnte entführte.

Süddeutsche Zeitung 23.5.2003

Sphärische Klänge und dunkle Räume

...leise streichen, fast möchte man sagen kratzen, Steffen Müller am Bass und Karsten Hochapfel am Cello über ihre Instrumente. Dunkle Räume öffnen sich hinter diesen sphärischen Klängen. Layth Abdul Ameer zupft einzelne Töne an seiner Oud an. Die Abfolge wird komplexer und schließlich kristallisiert sich eine Melodie heraus. Christian Burchard Santour kontrapunktiert diese auf seinem Hackbrett, während Bass und Cello die dunklen Schwingungen weiterführen und das Stück düster ausklingt. Doch Layt Ameer nimmt die Melodie nach dem Zusammenbruch wieder auf und führt sie fort. Das Stück heißt "Trauma". Oder doch "Drama"? Egal es passt beides.

Ein Stück jedenfalls, das wir dem Krieg zu verdanken haben.....

 

Nürnberger Nachrichten 16.9.09
"Quicklebendige Krautrock-Legende
"Publikum schon da, Band kommt auch gleich" , informiert der freundliche Wuschelkopf an der Kasse den Besucher, der ernsthaft glaubte, dass 21 Uhr eine gute Zeitwäre, beim Konzert einer Krautrock-Legende aufzutauchen. Doch irgendwo zwischen Umbrien, wo "Embryo" ihr letztes Konzert gegebcn haben und der Nürnberger Silberstraße gab .es wohl einen Stau weshalb die Bühne in dem Raum auch um zehn Uhr immer noch leer ist.
Gerade, als das erste Glas Bier geleert ist, geht die Tür auf und junge Menschen schleppen abgewetzte Koffer und Schlagzeugteile auf die Bühne. Hurtig mitangefasst, dann ist das Warten nicht so langweilig. Draußen kauerter ein magerer, betagter Mann mit großer, altmodischer Brille und strähnigem Haar auf der Ladefläche eines ebenso betagten Busses dessen Raumvolumen bis auf den letzten Millimeter perfekt ausgenutzt ist und drückt den Helfern allerhand kuriose Gegenstände in die Hand: Zwei längliehe Holzkästen, verschrammtes Eisengestänge, ein Stapel grauer quadratiseher Pappschaehteln ("Bel uns gibt's noch Vinyl"), ein in ein Tuch gehülltes Hackbrett. "Mit diesem Bus sind wir schon zu zwölft nach Marokko gefahren", erklärt der Mann -der, wie sich heraugstellt, Bandgründer Chrlstian Burchard ist - über seine Schulter hinweg, während er weiter unverzichtbares Instrumentarium aus den Tiefen des Vans hervorschaufelt. ..Seit bald 40 Jahren vagabundiert das Münche
ner Musikerkollektiv in ständig wechselnden Besetzungen um die Welt, tauscht sich mit Musikern aller möglichen Kulturen aus. Man mag sie „legendär“ nennen, Stars waren sie nie.
Eine Stunde später ist die Bühne gestopft voll mit Vibraphon, Marimba, Schlagzeug, einem Keyboard, einer Posaune, einer exotischen Trommel, Gitarren, diversen Verstärkern und sieben Musikern aus mindestens zwei Generationen und es kann endlich losgehen. Erst etwas zaghaft, ..dann mit wachsender Bestimmtheit schafft sich die Band in einen schroffen Afro-Jazz-Funk-Groove, der stark an den Miles Davis der frühen Siebziger erinnert und wechselt dann fast unmerklich in einen drängenden Fünf-Vierteltakt: Eine wilde, dichte, exzentrische Musik, voller klackender Polyrhytmik und sich überla- gender, orientalisch anmutender Gitarrenläufe. Marj,a Burchard lässt lässig grinsend die Orgel fauchen, während ihr Daddy, Christian wild hüpfend seinem Vibraphon hell schimmernde, jazzige Improvisationen entlockt und dabei aussieht wie eine hyperaktlve Marionette, Erstaunlich mit welch ungewöhnlicher, freigeistiger Energie diese Musik immer noch tönt, so als wäre hier alles seit v
ierzig Jahren in stetigem Fluss, Eine Musik, die einfach nirgendwo ankommen möchte sondern immer glerig bleibt nach Neuland. Weltmusik im eigentlichen Sinne des Wortes die alle stilistischen Grenzen einfach lachend über den Haufen fährt.
Sperrig ist das schon, aber wenn man bereit ist, etwas von seinen Hörgewohnheiten zu opfern, wird man von „Embryo" auch reichlich belohnt.
PETER GRUNER

Holländisches Weltmusikmagazin Mixed Beyond 7/08
Embryo
Nach beinahe 40 Jahren World Crossover noch immer an der Quelle.
April 2007. Ein Wald zwischen Zeist und Austerlitz, eine Viertelstunde Fahrradfahren vom Bahnhof Driebergen- Zeist.
Öffentliche Transportmittel kommen hier nicht.
Der Asphaltweg endet bei einem hohen Zaun der mit einem Schloss abgeriegelt ist. Auf dem Zaun heftet ein Brief mit einer Handy-Nummer. Wer anruft muss ein paar Minuten warten, dann kommt jemand aus einer anderen Seite her geradelt um aufzumachen.
„Squat Austerlitz“ heißt der Ort, ein besetztes Militärgebiet.
In ein paar Baracken wohnen Menschen. Hier ein Lagefeuer mit spielenden Kindern. Und ein deutscher Bus von unverfälschter Hippiesignatur: der Embryo-bus.
Das meiste Licht kommt von den Kerzen.
Ein Generator hinter der Baracke sorgt dafür, dass man elektrisch verstärkte Musik machen kann.
An der improvisierten Bar verkauft man biologisches Bier. Jemand backt Pfannkuchen.
Dann fängt Embryo an zu spielen.
Christian Burchard, inzwischen das Alter von 60 Jahren passiert, das Haar noch immer lang, steht hinter dem Becken.
Die drei anderen sind mindestens eine Generation jünger: Christians Tochter Marja spielt Perkussion, Lothar Stahl Marimba- eines mit extra Viertelnoten- und Jens Pollheide, der bei mehr rockenden Sets den Bas spielt  hat gerade die Bambusflöte auf den Mund gesetzt.
Die Atmosphäre hält die Mitte zwischen jazzigem Ritual & Oriental. Es wird rasendschnell und diszipliniert gespielt.
Das erste Stück ist laut Ansage eine Komposition aus Bagdad. Das zweite kommt aus der musikalischen Tradition Cordobas.
Embryo wird im Sommer 1969 errichtet von dem im Jahre 1946 geborenen Organisten und Schlagzeuger Christian Burchard, zusammen mit dem Saxofonisten Edgar Hofmann.
In erster Instanz spielt Embryo noch eine Art jazzig- psychedelischen Rock, wobei nach einer ersten Reise durch Spanien und Nord Afrika in 1972 die ethnischen Einflüsse immer deutlicher werden.
Damit beginnt eine musikalische Odyssee die bis auf den heutigen Tag andauert, in jeweils verschiedenen Besetzungen.
Nach Berechnungen haben im Ganzen über vierhundert Musiker als Teil der Gruppe im Laufe der Jahre  mitgewirkt, manche für kürzere Zeit (teils für nur ein Konzert) manche für länger.
„Vor allem in den 70er Jahren waren wie ein fester Kern mit Roman Burka auf der Gitarre und dem Oud, Charlie Mariano auf dem Saxofon und Edgar Hofmann auf der Flöte und Geige“, erzählt Burchard.
„Viele Musiker können es sich finanziell einfach nicht leisten um mit uns noch auf Tournee zu gehen. Wenn wir aber in der Nähe spielen, machen sie immer mit.
Ach, das ist für mich in Ordnung. Ich will einfach nur, dass die Sache läuft. Wir machten Sachen die niemand anders machte und eigentlich ist das noch immer so.“
Burchard beschreibt mit einem Siebenmeilen Stiefel vier Dezennia Embryo - Geschichte.
„In den 60er Jahren war Pianist Mal Waldron eine meiner musikalischen Idole“, erzählt er.
„ Ich hatte das Glück zwei Jahre bei ihm zu spielen. So traf ich auf alle Großen im Jazz: Steve Lacey, Max Roach und so weiter.
Das öffnete mir die Tür zur freien Musik. Danach fing ich mit Embryo an.“
„Mal Waldron spielt mit auf dem Album Steig aus aus 1993.“
Danach wurden die  Mitglieder verstärkt durch Saxofonist Charlie Mariano, ein gefestigter Name in dieser Zeit. Er hat mitgearbeitet an unserem Konzert wo wir anlässlich der Olympischen Spiele in München 1972 spielten, genoss unsere Musik und blieb bis 1976, ohne Geld zu fragen.
Mariano beschäftigte sich übrigens bereits in dieser Zeit sehr intensiv mit Indischer Musik.
„Die dritte wichtige Phase von Embryo kam Ende 70 als wir ein Jahr lang unterwegs waren in Indien und dem Mittleren Osten und mit allen örtlichen Größen spielten.  In den 80er Jahren waren wir in Nigeria. Ja, auch bei Fela Kuti. Bei ihm haben wir fantastische Dinge gehört die beinahe niemand kennt. Zur selben Zeit reisten wir auch noch nach Cairo wo vor allem Roman (Burka red.) schnell für Furore als Oud Spieler sorgte.
Das viele Reisen und Touren der Gruppe in ständig wechselnder Besetzung führte dazu, dass die Discographie von Embryo mehr Live-Albums als Studioaufnahmen umfasst.
„Ich finde beide interessant“ meint Burchard. „Im Studio kann man mit Mehrspurentechnik arbeiten. Das fragt nach mehr Organisation. Aber es ist bei uns nicht so, dass das eine mehr auf Improvisation beruht als das andere.  Es gibt Kompositionen für die wir Wochen lang üben müssen, die Afrikanischen Stücke jedoch, sind oft sehr spontan.
Eine blühende Beziehung mit der kommerziellen Plattenindustrie hat Embryo nie gehabt.
Nach einer Reihe an Uneinstimmigkeiten- meist mit dem Argument dass ihre Musik nicht zu verkaufen sei- stiftete Burchard zusammen mit einer Handvoll Musiker Freunden Ende der 70er Jahre ein eigenes Label, Schneeball, wo nicht nur alle Albums von Embryo selbst erscheinen sondern auch unter anderem: Charlie Mariano, Amon Düül II sowie die Tuvanse Stimm- Künstlerin Sainkho Namchylak.
Zu den vielen namhaften Künstlern die kürzere oder längere Zeit mit Embryo spielten gehört der Indische Perkussionist Trilok Gurtu, der Libanesische Oud Spieler Rabih Abou- Khalil, der Irisch- Griechische Multi Instrumentalist Ross Daly, der Chinese Xizhi Nie  und der indische Perkussionist Ramesh Shotham.
Die Diskografie der Gruppe ist ebenso schwierig zu entwirren als der Besetzungswechsel.
Abgesehen von den über 30 mehr oder weniger offiziellen Veröffentlichungen, wovon eine Anzahl davon aufs Neue herausgebracht wurde- wie das kürzlich herausragende > Steig Aus< aus dem Jahre 1973- gibt es bei Christian Burchard hunderte(!) verschiedene Live- Aufnahmen aus der Vergangenheit und dem Jetzt von Embryo auf Cd zu kaufen.

 

Presse 2008:

St Galler Tagblatt Januar 2008
MORGENLANDTRÄUME
Embryo ist einer meiner Jugendlieben. Ich habe die Münchner Band als Teenager einmal "live" erlebt - und bin seither ein Fan.
Als ich ab Mitte der 70 er mit einer Jugendgruppe meiner Heimat Konzerte veranstaltete, haben wir immer wieder Embryo gebucht und ihre LPs verkauft, die sie auf dem musikereigenen Schneeball Label herausbrachten.
"Musik im Vertrieb der Musiker" hieß damals ihr Aufruf zur Unabhängigkeit. Heute aktueller denn je.
Vom Jazzrock der frühen Jahre haben sie die Improvisation in eine eigene Form von Weltmusik überführt, die nach Jahren des intensiven Studiums in Nordafrika, der Türkei und Indiens eine wunderbare Abgeklärtheit ausstrahlt. Ihre orientalisch angehauchten Melodien lassen einen vom Morgendland träumen. Von dort folgten auch die drei heiligen Könige dem Stern. (Christoph Wagner)
 


TAZ 5-11.07
Sie spielen und spielen und spielen, ohne dass da je der Motor
stottern würde seit den Endsechzigerjahren und ganz egal, in wel-
chem oft unwegsamen musikalischen Gelände zwischen München und dem ganzen Rest der Welt sie gerade unterwegs sind: die Musiker von Embryo.
Mehr als eine Krautjazz-Institution.
"Embryo ist keine Musikrichtung, sondern eine Lebensform."
Sagt Bert Noglik, der sich mit musikalischen Sonderformationen
auskennt. Neuerdings haben sie sich in China umgetan, und auf
ihrer ewigen Tournee sind sie wieder mal in Berlin. Fünf Kon-
zerte an fünf Tagen. Spielen und spielen und spielen. TM

ND  8.11.07
Von Hans Dieter Grünfeld
Aktuell tourt Embryo durch Friedrichshain und gastiert in dem
Klub, in dem auch der diesjährige Jazzpreisträger Gunter Hampel
mit Perry Robinson für ein Konzert gebucht wurde. Christian Burchard, der Embryo - Gruppengründer, Vibrafonist, Schlagzeuger und Keyboarder, gelingt es immer wieder, junge, oft noch unbekannte Musiker, in die Formation zu in-
tegrieren. Eine Vielzahl heute internationaler Stars wurde durch
ihre Mitgliedschaft bei Embryo europaweit bekannt. Auch die indische Sängerin Ramamani, Trilok Gurtu oder Sainkho Namtschylak.
Welche Mischung aus Jazzrock, Meditationsmusik und orientalischen Skalen die Musiker, zu denen auch der interessante Vokalist Mik Quantius gehört, anbieten werden, ergibt sich bei den Auftritten spontan. Als neuesten originellen CD- Existenzbeweis hat Embryo einen Mitschnitt des Konzertes für
die Bürgerinitiative Lüchow Dannenberg gegen Atomtransporte im Gepäck.

Im Rahmen des Jazz Festes Berlin 2007 verlieh die Union Deutscher Jazzmusiker (UDJ) dem Komponisten und Multiinstrumentalisten den Albert Mangelsdorf -Preis. Alle zwei Jahre ehrt damit die UDJ das Lebenswerk einer deutschen Musikerpersönlichkeit die maßgeblich die Weiterentwicklung der europäischen Jazzmusik vorangetrieben hat. Tatsächlich offenbarte sich Hampel bereits 1965 mit der Veröffentlichung der Produktion »Heart- dem deutschen Free - Jazz. Um 1970 gründete er die »Galaxy Dream Band«. mit der er - stets unterschiedlich besetzt - zwischen den USA und Europa pendelte.


Main – Echo 24/25.2.07
Ruhelose Methusalems
....Arabisch-asiatische Klänge der Laute Oud  (Mario McCoy), sanfte '" Drums  (Edgar Türk) und sphärisches Xylophon (Lothar Stahl) untermalen im ersten Stück  - das zwanzig Minuten dauert  - das ekstatische Vibraphon, gespielt von Christian Burchard. Der Münchner Gründer von Embryo zuckt wie ein Derwisch im selbst geborenen Rhythmus, lässt die Klöppel wie wahllos auf und nieder fahren, schlägt dann energisch, zielgerichtet zu, als habe er einen Amboss unter sich und formt den Sound zu buddhistischem Trance - Jazz, dem nur noch gutturale Mönchsgesänge im Hintergrund zu fehlen scheinen. Seit ihren Asienreisen in den späten 70ern gelten Embryo als Pioniere der Weltmusik; und präsentieren sich jetzt, 30 Jahre später, als ruhelose Methusalems, die sich  im zweiten Stück in exzessivem Progressive-Kraut-Jazz-Rock versenken: , Burchard, graue Haarsträhnen vorm Gesicht improvisiert mit dem wawa Pedal, Türk und McCoy setzen mit  perlenden Gitarren-Soli rhythmische Akzente, typisch deutsche Psychedelic -Musik zum High -Werden oder Wegdämmern, ganz wie es beliebt...
Fünf Stücke von epischer Länge spielen Embryo insgesamt, lassen jazzige Wiederholungen durch den Raum schweben und beschließen ihr freies Spiel mit einer Perkussions – Orgie auf drei Handtrommeln. Die Zuhörer sind begeistert, lassen Embryo nur ungern gehen....

 

Süddeutsche Zeitung 6.08.07 Münchner Kultur S.60:
Außerweltlich und unfassbar!
Ganz nah an das alte Kasernengelände hat sich die Parkstadt Schwabing herangearbeitet. Mit ihren akkurat geschnittenen Rasenflächen, den glitzernden Stahl-Glas-Konstruktionen und den Plakaten, auf denen Büroflächen angeboten werden. Doch an der Domagkstraße war bisher Schluss. Denn 300 Kreative haben dort die ehemalige Funk-Kaserne zu einer der größten Künstlerkolonien Europas gemacht.
Auch Embryo gehören dazu, und es gibt kaum einen besseren Ort für ein Konzert der Band, als dieses Gelände im Norden Münchens, wo im nächsten Jahr die Abrissbagger anrollen, um Platz zu schaffen für ein neues Wohngebiet. Nur das Haus 50, das Raum für 77 Künstler bietet, soll als Ateliergebäude erhalten bleiben. Embryo sind eine Legende, eine Kultband. Seit 1969 sind sie unterwegs, spielten Abertausende von Konzerten überall auf der Welt, mehr als 300 Musiker haben bei dem Münchner Kollektiv um Mastermind Christian Burchard mitgemacht. Die Band hat viele Strömungen populärer Musik erlebt, sich aber von keiner überrollen lassen, hat keiner nachgegeben, nie ihre Ideale verkauft und denkt bis heute nicht ans Aufhören.
Betritt man das alte Kasernenareal an diesem Abschiedsabend, so betritt man eine beinahe phantastische Welt. Kaum jemand ist zu sehen, ein Hase hoppelt ungestört an einer alten Panzerreparaturwerkstätte vorbei. Nur ein paar Meter von dem evangelischen Gemeindezentrum entfernt, liegt, versteckt hinter Bäumen, die „Schlagbar”, Münchens einziger SM-Club. Auf einer Wiese daneben steht Miro Klose und schießt sein erstes Tor für die Bayern. Nein, ein Fernseher steht auf der Wiese, zeigt Klose, und drumherum stehen fünf Bierflaschen mit ihren Besitzern. Irgendwo brennt ein Lagerfeuer. Es herrscht eine außerweltliche, fast gespenstische, ruhige Atmosphäre. Von der prometheischen Dynamik, draußen vor dem Tor, ist hier, zwischen grünem Wildwuchs, nichts zu spüren. Und so wie sich dieser Ort anfühlt, so klingt die Musik von Embryo. Außerweltlich und unfassbar. Geheimnisvoll und improvisiert. Immer im Wandel und doch immer gleich.
Es ist dunkel geworden. Vor dem mächtigen u-förmigen Haus 50 haben Embryo ihre Instrumente aufgebaut. Eine verrostete Tonne, Holzlatten, ein paar Betonbrocken: Das ist die Bühne, von alten Wohnzimmerlampen und Lampions in warmes Licht getaucht. Zwischen Schlagzeug und Vibraphon wuchert Unkraut. Für das Publikum liegen ein paar Teppiche auf dem Betonboden. Es ist eine fast postapokalyptisch wirkende Szenerie für ein außergewöhnliches Konzert. Die Musik wuchert, wie immer bei Embryo, irgendwo zwischen psychedelischem Jazz und ekstatischem Krach. Ein Embryo-Auftritt ist ein musikalisches Experiment, das von vielfältigsten, internationalen folkloristischen Einflüssen befeuert wird, absolut spontan, pulsierend, voller Entwicklungsspannung. Etwas an die Wand gedrückt wirken die aktuell neun Musiker. Doch hinter ihnen gibt es ein kleines Fenster, das in ein Atelier führt. Dort steigen sie nach dem Konzert hinein. Sie fliehen, wie seit 38 Jahren, in einen Raum der Kunst, w
eg von Baggern und Glastürmen und Kommerz und Hitparaden und Moden. SEBASTIAN GIERKE

 

Embryo
Presse - Reaktionen 2006-07

Elbe Jeetzel Zeitung 16.10.07
Eine musikalische Lebensform
Zugunsten der BI Umweltschutz:
Embryo Konzert vom November 2005 jetzt als CD

Sum/Platenlaase. Schon häufiger sorgte die Münchener Musiklegende „Embryo“ im Wendland für beeindruckende Konzerterlebnisse. Den Mitschnitt eines dieser Konzerte, es fand im November 2005 eine Woche vor dem bevorstehenden Atommüll-Transport im Cafe Grenzbereiche statt, hat die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V. jetzt als CD herausgebracht. Die Band, so Francis Althoff Sprecher von der BI, habe damals sogar ein geplantes Konzert im Ruhrgebiet abgesagt. Schon seit ihrer Gründung, das ist immerhin schon 38 Jahre her, hat sich „Embryo“ immer politisch engagiert. Eines ihrer ersten Stück, so heißt es im Booklet der CD (Titel „Spain yes, Franco No!“), sei zum Beispiel ein Statement gegen das Franco-Regime gewesen. Die Folgen damals: Auftrittsverbote in Spanien. Embryo, eine Band mit einer rein politischen Botschaft?  Embryo:"„Was wir machen ist eine musikalische Lebensform, die wir weitergeben wollen."  Das ist ein Konzept, dass bis heute zu
  funktionieren scheint. Ähnliche Bands kamen und gingen. Embryo blieb, entwickelte sich zu einer sich immer wieder neu formierenden Weltmusik-Ikone, zu einem beständigen ruhigen Fluss. Im Zentrum des musikalischen Geschehens damals wie heute: Urvater und treibende Kraft: Christian Burchhard, Zauberer am Vibraphon, Keyboard und Santour, der meistens Nachwuchsmusiker um sich herum versammelt: Musikpilger, die mit ihrem eigenwilligen Ethno-Jazz-Rock-Experimentalsound scheinbar unvereinbare musikalischen Ausdrucksformen miteinander verbinden. Auf dieser CD sind es Lothar Stahl, Drums und Xylophon, David Drudis, Oud, Gitarre Valentin Altenberger, Gitarre, Percussion, Jens Pollheide, Nai, Flöte, Bass. Und, nicht zu vergessen, Sänger Mik Quantius. Der singt in fremden Zungen und das oft bis zur Schmerzgrenze. Ein von Tönen Besessener mit exorzistischen Ambitionen. Geschöpft wird aus orientalischen Quellen. Cairo, Sofiagroove oder Kasachstan lauten die Titel, die nicht nur Abs
techer in exotische Musikstile sind, sondern kleine Zeitreisen. Zurück in eine Ursuppe aus Klang. "Wir machen Musik für alle die Ohren haben und wissen: Music is Life.“(Embryo)

Das Konzert im Cafe Grenzbereiche war eines der letzten Projekte von Otfried Herrmann(Crossover-Studio). Otty starb ein halbes Jahr später bei einem Autounfall, kurz vor der geplanten Fertigstellung dieser CD. Erst im Juli diesen Jahres gelang es diese Live-Aufnahmen von ausgezeichneter Klangqualität aus den Untiefen von Otty`s Computer zu bergen.


Ragazzi Musikmagazin Oktober 07
reviews      
Worldmusic / New Age  
  Embryo "Live im Wendland" (Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg e.V., VÖ: 13.09.2007)
Ursprünglich sollte die CD bereits viel früher erscheinen, doch der mit der Produktion beauftragte, im Booklet "Otty" genannte Mischpult-Magier verstarb bei einem Autounfall. Ehe die Aufnahmen auf seinem Computer wieder gefunden wurden, verging einige Zeit. Vordem: Christian Buchard, Altmeister der Embryo-Generationen, wurde gefragt, ob er ein Solidaritätskonzert für den Widerstand gegen die Gorlebener Atomanlagen im Wendland geben würde - und sagte sofort zu. Das Konzert fand am 06.11.2005 im Cafe Grenzbereich in Platenlaase vor vollem Haus statt. Im umfangreichen Booklet kann man einiges dazu lesen, ebenso über die Arbeit der Bürgerinitiative. Embryo ist heute längst nicht mehr die Band, die 1969 gegründet wurde. Und doch klingt der alte Krautrock immer noch aus der psychedelischen Weltmusik. Neben Christian Burchard (Santour, vib, key, perc) gehörten am 06.11.2005 Lothar Stahl (dr, xyl), Jens Pollheide (Nai, fl, b), Valentin Altenberger (perc, b, g), David Drudi
s (Oud, g) und Mik Quantius (voc) zu Embryo. Letzterer bringt mit seiner tiefen Stimme und seinem einzigartigen Gesang Erinnerung an Captain Beefheart auf die Bühne.
Die rohen, vitalen Songs fließen auf stetem Rhythmus episch dahin. Während der Bass äußerst aktiv im Jazz unterwegs ist, partiell von der Gitarre begleitet, und Vibraphon und Xylophon neben dem Schlagzeug die Songs am Rotieren und Vibrieren halten, entwerfen Flöte, Keyboard, Nai, Oud und Gitarre das harmonische Geflecht, das Folklore-Motive in eigener Sprache wiedergibt. Auf dem Rockgroove, der in den ersten Songs noch dezent, dann stärker die Songs bestimmt, geht das improvisativ wirkende melodische Geschehen sehr gut auf. Mal finden die Songs Volumen, die Instrumente werden lauter, intensiver gespielt, die Harmonie ist dicht und farbig, und dann zerfließt die Struktur, dunkle Melancholie breitet sich aus, vom vielfältigen Rhythmusgeschehen weiter getragen, bis eines der Melodieinstrumente wieder intensiv einsteigt.
Witzig und schräg der Gesang Mik Quantius, der als extravagante Rockröhre gute Chancen hat, viel grandiose Eigenart beweist und selbstbewusst mit den Instrumenten blubbert, jault und schreit, lautmalerisch und in den tiefsten Tönen wie den kratzigsten singt. Als sei er von Tom Waits, Damo Suzuki und Captain Beefheart gleichsam inspiriert.
Ein lebhaftes Konzert, wie aus den Tiefen der Geschichte gekramt. Kein Pop darin zu finden. Die Band geht ganz im Psychedelic-Worldmusic-Jazz-Rock auf. Kategorien haben es heute auch nicht mehr leicht. Da könnte Milt Jackson auf der Bühne stehen. Mit südeuropäischen und vorderasiatischen Musikern, die eben einen wirkungsreichen Joint geraucht haben und ihre Songs nicht beenden mögen und wollen. Wenn das Wort Zeitgeist passt, dann in der Spanne von 1954 bis 2007. Endloser Groove, der auf der CD grandios in diesem feinen Klang gut kommt.


Oktober 2007 Von Willi Rodrian
Exklusiv auf www.folker.de:
Embryo
„Einmal ganz woanders gewesen sein ...“
   
lautet eine zentrale Textstelle auf der legendären Doppel-LP Embryo’s Reise von 1979, welche die neunmonatige Reise der Musiker nach Afghanistan, Pakistan und Indien dokumentiert. Dieser  Satz kann als wichtigste Erfahrung der beteiligten Musiker gelesen werden, die sich sehr nachhaltig ausgewirkt hat und bis heute noch spürbar ist. Was als Jazz-Rock-Underground-Projekt 1969 in München begann und anfangs noch sehr nach einem Produkt der sich damals entwickelnden Independent-Psychedelic-Szene klang, erfuhr als Band durch die ersten Reisen nach Nordafrika und Asien einen radikalen musikalischen Wandel. Embryo’s Reise wurde Ende der 70er Jahre für viele zu einer der Kultplatten und öffnete Ohren und Augen für das, was man heute unter dem Allerweltsbegriff „Weltmusik“ verkauft. Es ist also keine Übertreibung, Embryo als die deutsche Gruppe zu bezeichnen, die als eine der ersten Klänge aus aller Welt in ihre Musik integrierte sowie mit Musikern aus anderen Ländern
  und Kulturen zusammenarbeitete.

Redet man von Progressive, Independent oder Weltmusik in Deutschland, dann liest sich die Bandgeschichte von Embryo wie eines der spannendsten und buntesten Kapitel der deutschen Musikgeschichte der vergangenen Jahrzehnte. Allen Moden zum Trotz ist Embryo immer noch am Leben und bleibt der Idee der absoluten und unverzichtbaren musikalischen Freiheit ebenso treu wie den Lebens- und Gesellschaftsidealen seiner Gründer und Mitmusiker. Es begleitet sie das liebevolle Etikett „Althippies“, dem sie auch gerne und oft gerecht werden mit ihrer bewussten Nichtbeachtung etablierter Mechanismen der marktorientierten Musikindustrie. Was jedoch oberflächlich betrachtet als Alptraum eines jeden Managers erscheinen mag und die Formation Embryo völlig unkontrollierbar erscheinen lässt, täuscht über die faktische Kontinuität hinweg, mit der Bandgründer Christian Burchard dieses Tourprojekt in einer scheinbaren Endlosschleife seit nun bald 40 Jahren am Leben erhält.

Christian Burchard ist die große Integrationsfigur der Band. Christian Burchard ist Embryo und seine Lebensmaxime ist eindeutig: Die Bühne ist das Leben, und das Leben findet auf der Bühne statt - so oft und so lange wie irgend möglich. Was nicht stattfindet, das ist die Unterordnung des eigenen Schaffens unter aktuelle Trends. Ein Prinzip, dass eigentlich seit der Gründung radikal durchgehalten wird.

Wie wir überhaupt auf die Weltmusik gekommen sind
Christian Burchard: „Schlüsselerlebnis für die Weltmusik war die Reise nach Nordafrika 1971. Wir haben ja auch angepeilt, dass wir in die Länder fahren, um dort Musiker zu treffen. [...] Es begann eigentlich alles mit den Medien. Da war ein Artikel über uns im Spiegel, Anfang 1971. Daraufhin hat sich ein engagierter Leiter vom Goethe-Institut in Casablanca mit uns in Verbindung gesetzt, und wir haben dann gleich gesagt, wenn wir eine Tournee machen, dann wollen wir auf keinen Fall mit dem Flieger dorthin, sondern mit dem Auto, mit all den Instrumenten. Wir wollen die Musikerszene vor Ort kennen lernen.


Das hat dann auch funktioniert. Wir haben in Marokko, Algerien und Tunesien gespielt. Für uns war es der absolute Kick, eben, dass wir wieder völlig am Anfang standen. Wir waren mit dem anderen Tonsystem konfrontiert, das die orientalische Musik hat. Also die Zwischentöne, die wir auf unseren Instrumenten nicht haben. Dann die verschachtelte Rhythmik, die typisch ist für die orientalische Musik. Nach dieser Tournee haben wir erst einmal komplett umgedacht. Der Roman [Bunka; Anm. d. Verf.] hat beispielsweise die Saz genommen und dann die Oud. Das war ungefähr zehn Jahre, bevor diese Instrumente bei uns überhaupt populär wurden. Ich habe mir mein Xylophon mit den arabischen Vierteltönen selber gebaut. [...] Das war ein Weg ins vollkommen Unbekannte, weil es ja keine Beispiele in dieser Richtung gab. Es gab kaum Begegnungen zwischen europäischer und orientalischer Musik - außer vielleicht bei Yusef Lateef, der sich mit außereuropäischer Musik bereits in den 50er Jahr
en beschäftigt hat. Allerdings blieb er mehr im Jazzkontext. Wir haben dann angefangen - wenn es möglich war -, Musiker aus den Ländern, in die wir gereist sind, einzuladen.“

Auf Anregung Roman Bunkas, der vorher bereits Begegnungen mit indischen Musikern wie Trilok Gurtu hatte, war es vor allem die indische Musik mit all ihren Facetten, die im Mittelpunkt des Interesses der Musiker stand. Da die Reise mindestens ein dreiviertel Jahr dauern sollte, musste sie entsprechend vorbereitet sein. Es mussten Auftritte organisiert werden, ein Filmteam sollte den Trip dokumentieren, an dem ca. 30 Personen teilnahmen. Planung und Organisation brauchten letztendlich gut drei Jahre.

Burchard: „Die Konzerte mussten vorbereitet sein, damit wir die Gelegenheit hatten, etwas zu verdienen. Die Reise musste ja finanziert werden. Das lief über alle möglichen Kontakte. Da war zum Beispiel Peter Michael Hamel von der Gruppe Between. Der saß in Bombay im Goethe-Institut als ihm der Leiter des Instituts sagte: ‚Ich habe hier ein Angebot von der Gruppe Embryo ...‘ Das waren auch Glücksfälle. Diese Indienreise war praktisch unser großer Schritt in Richtung Weltmusik. Weltmusik ist ja sowieso eine Bezeichnung, die man vorsichtig gebrauchen muss. Das ist ein Begriff, der eigentlich ein bisschen größenwahnsinnig ist in gewisser Beziehung. Die Welt ist so vielfältig, das sind Galaxien. Kein Mensch kann das wirklich erfassen und verarbeiten.“

Auch Dieter Serfas (61), Drummer der ersten Stunde bei Embryo und Ex-Mitglied von Amon Düül, erinnert sich intensiv an die Tatsache, dass Musik als ein wesentliches Element der Kommunikation erfahren wurde. Ein Phänomen, das langsam verschwindet.

Dieter Serfas: „Diese nigerianische Afrika, so wie wir das damals dort erlebt haben, das geht verloren. Wo die Sprache der Talking Drum noch verstanden wird als Kommunikation, als Zwiesprache mit den Gottheiten, das verschwindet jetzt immer mehr.“


Allerdings mussten die Bandmitglieder mitunter schmerzhaft die Erfahrung machen, dass die Zeit damals, Anfang der 80er Jahre, diese Verbindung europäischer und außereuropäischer Musik noch nicht mit offenen Armen aufnahm.

Burchard: „Nach der Reise war das erst mal keine Erfolgsstory. Wir haben die Musik hier live vorgestellt. Da sind dann Leute zur Kasse gegangen, haben ihr Geld zurückverlangt und gesagt: ‚Das ist ja nicht Embryo.‘ Aber wir haben das konsequent weitergemacht, und wir hatten das Glück, dass wir das geschafft haben, die wunderbaren Gruppen, die wir beispielsweise in Indien getroffen hatten - wie das Karnataka College of Percussion -, nach Deutschland zu holen und Tourneen mit ihnen zu unternehmen. Und dann konnten die Leute das auch live hören, das war eine wunderbare Sache. Mit über 20 Personen sind wir durch die ganze Republik gereist.“

In dem Film Vagabund Karawane, der Reisedokumentation, die 1981 vom ZDF ausgestrahlt wurde, gibt es eine markante Szene, in der die Musiker der deutschen Band Embryo in Islamabad auf einen Wanderzirkus treffen und es zu gemeinsamen Auftritten mit dem Zirkusorchester kommt.

Burchard: „Das mit dem Zirkus, das kam ganz spontan, das war überhaupt nicht geplant. Wir haben uns mit den Zirkusleuten getroffen, wir haben uns gut verstanden. Die haben gesagt: ‚Ihr seid eine Band, dann spielt mit uns ...‘ Und das hat funktioniert. Es war ein Austausch da, und das Publikum war total begeistert.“

Genau diese Begegnung hat erst vor Kurzem der Autor Stefan König in seinem Buch Die Nanga-Notizen, einem Bergsteigerroman, literarisch verewigt. Aus diesem stammt die folgende Passage (mit freundlicher Genehmigung des Autors):

„‚Was das Außergewöhnliche heute Abend ist‘, erläuterte er, ‚ist die Musik. Sie wird normalerweise von einheimischen Musikern live zu den Zirkusnummern gespielt. Heute spielen sie zusammen mit Musikern aus Deutschland. Einer Gruppe, die alle paar Jahre durch Pakistan fährt und mit den Musikern aus der Region zusammen­spielt. Ich dachte mir, das könnte interessant sein für Sie.‘
Die fünf einheimischen Künstler waren unschwer von den Deutschen zu unterscheiden. Sie hatten graue und braune Straßenanzüge an, ihre Haare waren kurz, und jeder der Männer trug einen Schnurrbart. Sie spielten Saiteninstrumente, die Sitars ähnelten, und verschiedene Handtrommeln. Bei den Deutschen handelte es sich um Althippies. Drei Männer mit langen Haaren und einer Kleidung, bei der sich europäische mit asiatischen und orientalischen Elementen ziemlich willkürlich mischten. Einer spielte E-Gitarre, einer saß hinter einem Schlagzeug, und der Mann am Vibrafon war offensichtlich tonangebend. Auf den ersten Blick eine überaus sonderbare Zusammenstellung also: Hier pakistani­sche Volksmusikanten, da übrig gebliebene Rockstars aus den frühen Siebzigern. Da war so genannte Weltmusik zu befürchten: traditionelle Volksmusik als Marzipan auf der pappigen Popcreme­torte.“
(Aus: Stefan König, Die Nanga-Notizen, Zürich: AS-Verlag, 2006)

Heute allerdings beschränken sich die Reisen - neben den häufigen Tourneen im europäischen Ausland in Italien, Spanien, bis hin nach Polen - aus pragmatischen Gründen eher auf den Mittelmeerraum.

Embryo als Weg, die Welt zu entdecken
Burchard: „In letzter Zeit fahren wir vor allem nach Nordafrika, nach Marokko und so. Auch weil es leicht zu erreichen ist. Man muss nicht fliegen. Wir haben ja ein großes und spezielles Instrumentarium. Die Xylophone zum Beispiel. [...] Zurzeit sind es aber weniger Kooperationen mit Musikern aus Asien oder Afrika. Momentan gibt es dieses Projekt mit den Alphörnern [mit dem Münchner Alphorn-Kollektiv; Anm. d. Verf.]. Da unsere Musik ja viel von der Improvisation lebt, kann man das nicht so planen, das muss man machen. Aber es gibt zwischendurch immer wieder entsprechende Projekte, wie beispielsweise das im Dezember 2006 mit Roman Bunka und dem argentinischen Gitarristen Luis Borda.“


Mitunter nimmt das dann auch gesellschaftspolitische Formen an, wie beispielsweise bei dem China-Solidaritätskonzert in München im Jahr 1995.

Burchard: „Zum Jahrestag des Massakers auf dem Tiananmen-Platz haben wir ein Konzert gemacht, eine Benefizveranstaltung für die Opfer. Eine Veranstalterin hat uns angerufen und gesagt: ‚Embryo, ihr seid doch immer offen für so etwas. Ich habe jetzt hier zehn oder fünfzehn chinesische Musiker, und vielleicht könnt ihr was zusammen machen - hier in München.‘ Das waren alles Exil-Chinesen, die auf das Massaker aufmerksam machen wollten. Außerdem mit dabei waren Rabih Abou-Khalil, Titus Waldenfels und Lothar Stahl. Die Veranstaltung fand im Gasteig statt, und mit einigen der chinesischen Musiker haben wir dann wirklich spontan nach einer kurzen Probe am Nachmittag live gespielt. Danach haben wir ein Jahr lang immer wieder mit ihnen gespielt, auch bei Konzerten in ganz Deutschland.“

Ein weiterer Wegbegleiter und Zeitzeuge ist der Münchner Gitarrist und Oudspieler Roman Bunka (56), der heute nur noch sporadisch als Gastmusiker bei Embryo spielt. In der gemeinsamen Zeit mit der Band erhielt er jedoch wesentliche Impulse für seine spätere musikalische Karriere.

Roman Bunka: „Als ich zu Embryo kam, da war Christian fleißig am Schlagzeug. Das war an sich sein Hauptinstrument. Die Drummer waren damals bei den Bands eigentlich immer die wichtigsten. Er hatte schon ethnische Hörerfahrungen. Er hatte Pygmäenmusik gehört, daran erinnere ich mich noch. Und Afrika war natürlich sehr wichtig, auch durch den Jazz, der ja sehr präsent war. Das war natürlich bedingt durch sein langes Zusammenspiel mit Mal Waldron, dem berühmten Jazzpianisten.

Der erste Einfluss waren diverse Reisen nach Afrika über das Goethe-Institut und dann natürlich die Reise nach Indien. Da war man dann schon voller Bewunderung oder Verwunderung, was es denn alles so gibt auf der Welt, was für tolle Musik, und wie klein doch unser Horizont in Deutschland ist. Ich war vorher schon einmal in Indien gewesen [1974; Anm. d. Verf.] und habe dort Trilok Gurtu getroffen. Ich wollte die Veena lernen und habe mit Trilok dort Konzerte gespielt, mit Gitarre und Oud. Die arabische Musik schlummerte noch so ein bisschen im Hintergrund. Im Vordergrund standen erst einmal die indische Musik und vor allem die Musik in der Türkei, die uns ja sehr nah ist. Das war dann eher die Rhythmik, die interessant war. Dass man begriff, in der türkischen Volksmusik gibt es sehr viel ungerade Rhythmen, und das war natürlich immer wieder ein Fundament für Christian, weil er diese ungeraden Rhythmen liebt, all diese 9/8, 11/8, 13/8 - diese unglaublich komplexen Strukt
uren mussten erst einmal erforscht werden.


Wichtig waren die Konzerte mit Embryo in Marokko, später. Da hat man natürlich viel arabische Musik gehört, auch in den Medien vor Ort, und da kam dann ein großes Interesse auf an der ganzen arabischen Musikkultur.“

Wie für viele andere ehemalige und gegenwärtige Musikerkollegen bei Embryo war auch für Roman Bunka die persönliche Begegnung mit Christian Burchard von großer Bedeutung.

Bunka: „Menschen gehen verschiedene Wege, und Christian spielt sehr viel, auch mit vielen jungen Musikern, und das war schon immer seine große Stärke, dieser pädagogische Aspekt. Christian ist wie eine fahrende Musikschule. Er ist ein guter Pädagoge. Das sehe ich auch an seiner Tochter, die jetzt bei Embryo mitspielt. Das haben nur wenige Musiker geschafft mit ihren eigenen Kids. Das ist ein großes Talent von ihm. Ich weiß, dass Christian auch für mich in den ersten Jahren ungeheuer wichtig war. Ich kam als Gitarrist mehr vom Rock, vom Blues. Christian hat uns jungen Musikern damals die Jazzmusik nahegebracht.“

Ähnliche Erfahrungen schilderte mir auch Georg Janker (38), eigentlich E-Techniker von Beruf, der jedoch gerne und sporadisch den Kontrabass bei Embryo mitspielt, wann immer sich Auftritte mit dem Beruf vereinbaren lassen.

Georg Janker: „Diese Idee, etwas Neues zu erfinden aus dem Spontanen heraus, das ist das spannende bei Embryo. Genau dieser Aspekt macht es für mich interessant, bei Embryo zu musizieren: Du kannst diese Musik als Bassist eigentlich supergut würzen, viel besser als beim Jazz. Beim Jazz bist du als Bassist immer nur der Service für die Leute im Vordergrund, beispielsweise die Bläser - bei Embryo bin ich zwar auch der Service, aber da habe ich zum ersten Mal das Gefühl, dass es Sinn macht, über eine halbe Stunde immer das Gleiche zu spielen. Das ist für mich ein sehr wichtiger Aspekt, der wieder mit Mal Waldron zu tun hat: dieser Sessionaspekt. Auszuprobieren, was man eigentlich mit einem Stück machen kann. Jedes Mal, wenn man sich trifft, kommt dann wieder was Neues raus. Dieser Workshopgedanke, den es eigentlich gar nicht mehr gibt, außer eben im Fall von Embryo, das ist ja eine ganz alte Tradition des Jazz. Die endlosen Sessions.

Christian ist so eine Art Übervater, der alles ganz gut unter Kontrolle hat. Er nimmt auch junge, nicht perfekte Musiker mit auf, bildet sie aus, die können dann mitspielen, egal wie gut sie sind. Und das bewundere ich, wie er das zusammenbringt, zu musizieren mit absoluten Profis, aber auch mit totalen Neulingen. Das ist wie eine Schule. Die spuckt immer irgendwelche Musiker aus und immer wieder kommen neue nach.“

Musik als Schule des Lebens
Ein anderes, wenn nicht das wichtigste musikalische Prinzip von Embryo ist die Improvisation. Es wird keine Reproduzierbarkeit angestrebt wird, wie sie derzeit im digitalen Zeitalter üblich geworden ist und wo die gesamte technische Machbarkeitspalette darauf abzielt, jedem Konzertbesucher an jedem Ort jederzeit dasselbe perfekte Konzert zu verkaufen. Weitab solch technokratischer Ideale bewegen sich die Musiker und die Musik von Embryo. Jeder Auftritt ist anders, einzigartig. Die Bühne wird gelebt und erlebt, es wird improvisiert, und manische Sammler horten Aufnahmen von jedem Konzert seit Jahrzehnten.

Die Musik von Embryo ist im Fluss, in ewigem Wandel - wie das Leben selbst. Und so geht es bei den Konzerten der Gruppe nicht darum, eine großartige Show abzuliefern. Der Weg ist das Ziel, es geht um Annäherung, Kommunikation und Entwicklung. Dieser Weg ist ebenso vielfältig und wechselhaft wie die Besetzung der Gruppe. Die wichtigste Konstante dabei ist Christian Burchard. Seit ca. acht Jahren ist nun auch seine Tochter Marja Burchard (21) mit von der Partie, die auf Embryos Bühnen in aller Welt, von Europa über Afrika bis nach Japan, aufgewachsen ist. Auch für sie stellt Embryo eine wesentliche Lebenserfahrung dar.

Marja Burchard: „Embryo ist für mich auf jeden Fall Heimat. Mit 14 bin ich zum ersten Mal mitgetourt und habe ein bisschen mitgespielt. Es war total einfach, in die Band hineinzuwachsen. Das war meine Jugend. Das war cool. Embryo ist für mich Heimat, eine Sprache und eine Schule. Und eine Bereicherung. Die Möglichkeit, viele Sachen zu sehen und zu erleben. Ich fühle mich von meinem Vater überhaupt nicht bevormundet. Ich bin total frei. Die Verbindung zu ihm ist total intensiv. Aber wir reden nicht viel. Der sieht immer, was abgeht. Er sagt nicht, du musst jetzt das machen oder das. Er lässt mir die Freiheit, zu spielen, was ich will. Mein Vater ist Embryo. Er ist ja auch meistens vorne, er hat die Musiker in der Hand. Er kann aufbauen, wen er will, und er kann zerstören. Er kann jeden Menschen gut umspielen, egal wie gut oder schlecht der als Musiker ist. Er kann ihn so gut umspielen, dass es einfach gut klingt.

Überhaupt die vielen Begegnungen und Plätze, die man sieht. Leute, die Embryo mögen, sind meistens total offene Menschen, sonst kannst du das auch nicht ertragen. Ich spiele ja in mehreren Bands mit, aber Embryo gibt mir in musikalischer Hinsicht am meisten. Da hat man mehr Entfaltungsmöglichkeiten. Embryo ist auf jeden Fall Bewegung, immer etwas anderes, immer sind andere Musiker dabei. Eine total anarchische Band. Es ist erstaunlich, dass sie überhaupt existieren kann. Das ist ja total unkommerziell und gegen den Mainstream. Embryo ist Entwicklung, Schule, und viele, viele Einflüsse. Christian ist die treibende Kraft, derjenige, der durchgehalten hat.“

Geld spielt bei Embryo allem Anschein nach keine große Rolle. Geld sichert mehr oder weniger das Leben, hat aber keinerlei Einfluss auf musikalischen Ausdruck oder musikalische Entwicklung. Das erscheint auf den ersten Blick völlig unprofessionell, ermöglicht in dieser Hinsicht jedoch den größten denkbaren Professionalismus und eine enorme Unabhängigkeit.


Christian Burchard, der sich immer sehr bescheiden und unscheinbar gibt, auf der Bühne wie im Leben, geht mit unbeirrbarer Beharrlichkeit und beispielhafter musikalischer Konsequenz seinen Weg und hilft zugleich vielen anderen, ihren Weg zu finden. Das allein verdient schon Respekt.

Embryo ist seit 38 Jahren ständig auf Tour, und zu spielen, ist das Lebenselixier schlechthin. Die Bühne stellt sich als permanenter Workshop dar, als Übungs- und Begegnungsraum. Denn Begegnung ist eines der wichtigsten Elemente in der Musik von Embryo. Deshalb ist es auch kaum möglich, die Band in irgendeine Schublade zu stecken. In diesem sehr speziellen Embryo-Meltingpot verschmilzt alles miteinander: Jazz, Rock, Musik aus aller Welt, Persönlichkeiten und Instrumente. Wie hat es die Münchner Abendzeitung einmal so schön formuliert: „Nach den Gesetzen des Musikmarktes dürfte es eine Band wie Embryo eigentlich gar nicht (mehr) geben.“ Aber allen ökonomischen Gesetzen zum Trotz, existiert Embryo auch heute noch, und es bleibt zu hoffen, dass uns diese absolute Ausnahmeband noch lange erhalten bleibt.

Diesen Sommer noch steht die Veröffentlichung einer neuen Embryo-CD an, unter dem programmatischen Titel Freedom In Music (beim Label Schneeball im Vertrieb von Indigo). Sie wird kollektive Bandimprovisationen in den unterschiedlichsten Besetzungen in Aufnahmen von 2003 bis 2007 präsentieren. Mit dabei unter anderem Dieter Serfas, Lothar Stahl, Jens Pollheide, Mik Quantius, Roman Bunka, Georg Janker, Steffen Müller, Marja und Christian Burchard und Gäste aus aller Welt wie Larry Porter, Fakhraddin Gafarov, Alexander Alexandrov sowie das Münchner Alphorn-Kollektiv.

2009 feiert Embryo 40-jähriges Jubiläum, und es scheint an der Zeit, endlich die einzigartige Geschichte dieser Gruppe zu schreiben, als alternatives Beispiel dafür, wie man mit der grenzenlosen und nicht erfassbaren Vielfalt dieser unserer Welt umgehen kann, jenseits von Mainstream und industrieller Verwertbarkeit.


 

 

 

Hannover Tageszeitung 7.04.07
Zwischen den Tönen
Embryo entführt in fremde musikalische Welten
Mit rund einstündiger Verspätung hat das Konzert der Kultband Embyro am
Gründonnerstag in der Kleinen Freiheit Nr. 43 in Wölpinghausen begonnen.
Schuld war ein geplatzter Autoreifen, der unter abenteuerlichen Bedingungen
gewechselt werden musste, wie das Embyro-Urgestein Christian Burchard
berichtete.
Wölpinghausen. Das Publikum, darunter viele eingefleischte Fans, aber auch
Zuhörer, die sich einfach überraschen lassen wollten, nahmen es gelassen.
Die Band, die als Vorreiter der so genannten "Weltmusik" gilt, entschädigte
mit einer Session mit Einflüssen orientalischer Musik, aus dem Jazz, dem
Rock und vielen anderen Stilrichtungen.
Wölpinghausen ist nur eine Zwischenstation der Münchner Gruppe ?Embryo3.
Seit nunmehr 38 Jahren sind die Musiker unterwegs - nicht nur in
Deutschland, sondern in der ganzen Welt.
Begonnen hat die Entdeckung anderer musikalischer Welten mit einer vom
Goethe-Institut organisierten Reise durch Spanien nach Marokko im Jahre
1972. Fremde Kulturen, andere Töne und Klänge, besonders die Zwischentöne,
die es in der europäischen Musik nicht gibt, weckten die Neugierde des
Musiker-Kollektivs.
Beim Konzert in der „Kleinen Freiheit“ standen weniger fest strukturierte
Stücke, sondern der Session-Charakter im Vordergrund. Burchard, dessen
Tochter Marja, Lother Stahl, Jens Pollheide und Andreas Rust improvisierten,
mischten afrikanische, arabische, asiatische und europäische Melodien und
verwandelten den Abend in ein einzigartiges Klang-Erlebnis. Ein Bass-Riff,
ein Gitarrenlauf, eine Tonfolge wurden aufgenommen und entwickelten sich zu
20-minütigen Sessions. Der Rhythmus - eben noch ruhig und gemächlich, konnte
im nächsten Moment davon rasen.
Ebenso vielfältig wie die Töne waren auch die Instrumente, mit denen diese
hervorgebracht wurden. Von Marimba, Vibraphon, Flöte und Keyboard, über
Posaune, Gitarre, Bass und Laute, bis hin zum Schlagzeug war auch hier die
ganze Welt vertreten. Christian Burchard gab am Vibraphon die Themen vor:
Mal waren es melodiöse Jazz-Läufe, die er seinem Instrument entlockte, mal
schlichter, extatischer Krach. Der Sänger, Mik Quantius aus Köln, hatte es
sich auf dem Boden bequem gemacht und gab seltsame bis höchst kunstvolle
Laute von sich. Die Zuhörer, viele mit geschlossenen Augen, ließen sich in
diesen Geräusch-Welten treiben.
 

 

Mainpost 13.11.06

Seite 25 von Helmut Glauch

Seit 37 Jahren ein "Embryo"

Deutschrock-Kultband spielt in der Wülfershäuser Brückenschänke
 
Wenn irgendwo "Embryo" spielt, dann sind sie alle wieder da, die alten Freaks,die echten und die gar nicht so seltenen Neo-Hippies. 
"Embryo" ist
Kult, trotz und vielleicht vor allem wegen ihrer sperrigen Jazzrock-
Session-Musik, die man nicht nebenher konsumieren kann, sondern die im wahrsten Sinn des Wortes erhört und erlebt werden will. 
Am Samstag hatten die Fans Gelegenheit dieses "Deutschrock Fossil" in der Wülfershäuser Brük-
kenschänke live zu erleben.
Seit 1969 bin ich mit Embryo auf Tour, erzählt Christian Burchard,derzeit einziges noch verbliebenes Gründungsmitglied der Urformation.
Burchard hat nicht nur schon mehr als 5000 Konzerte mit "Embryo" gespielt, sondern auch alle Höhen und Tiefen des Musikgeschäfts erlebt.
 Wenn er ins Erzählen kommt, dann werden sie wieder lebendig, die siebziger Jahre, in
denen unabhängige Musiker eine von der Plattenindustrie unabhängige Musik machen wollten".
"Schneeball", "April", "Brain","Ohr", "Pilz" oder "Bazillus". Alles
Label-Namen, die dem Deutschrockfan noch im Ohr klingen, die aber
fast alle längst Geschichte sind.

Ein Mann mit (Musik)Geschichte

Burchard hat auf Amon Düüls legendärer Debüt-LP "Phallus Dei" mitgewirkt, mit "Embryo" neun Monate lang Indien bereist, schon auf großen
 Festivals vor 100000 Zuschauern gespielt und auf Einladung des Goethe-Instituts seine Musik in afrikanischen Ländern vorgestellt.
So um die 30 Platten und CDs mit den unterschiedlichsten Formationen 
sind in all diesen Jahren entstanden, wenn man die Bootlegs (nicht autorisierte Veröffentlichungen) dazurechnet, dann werden es um 
die 500 sein". Scheiben wie "Embryos Reise" oder "Embryo steig aus", standen in den 70er Jahren in jeder gut sortierten WG 
Plattensammlung. 
Ruhiger ist es in den vergangenen Jahren eigentlich kaum geworden.
Immer noch funktioniert die Gruppe wie ein Kollektiv von Musikern,
die sich mit Leib und Seele dem progressiven Jazzrock verschrieben ha-
ben. " Wir geben rund 140 Konzerte im Jahr und das Gastspiel in Wülfers-
hausen ist so eine Art Chillout unserer jüngsten Europa - Tournee", be-
richtet Burchard. Vor zwei Wochen haben der 60jährige und seine musi-
kalischen Mitstreiter noch in Kopenhagen gespielt "Im Moment läuft: es
ganz gut für Embryo" zeigt: sich Burchard zufrieden. Gemeinsam mit der
angesagten Band "NNCK - Sonic Youth Freunde" haben sie ihre jüngste Platte aufgenommen, die besonders in Italien ein Renner ist.
 Auf einem alternativen Plattenlabel werden zur Zeit viele der alten Scheiben, die es bisher nur als LP gab, auf CD herausgebracht.

Beim Konzert in Wülfershausen standen weniger fest strukturierte Stücke, sondern der Jam-Charakter im Vordergrund. Loko Richter (Bass),
ebenfalls immer wieder mal Embryo - Musiker und zur Zeit bei "New Aera",
aktiv, war mit von der Partie und auch Gitarrist Eugen de Ryck gab
sich die Ehre. Lothar Stahl, einst Schlagzeuger bei der berühmt - be -
rüchtigten Polit-Rockband "Checkpoint Charlie" spielt auch seit "1974
oder so" immer wieder mal bei Embryo mit.

Musik für geübte Ohren

Auf Embryo-Musik muss man sich einlassen, oder man wird frühzeitig
den Saal verlassen. Eine Musik, die nicht bestimmt ist für Ohren, die
sonst nur an weichgespülte Radiosounds gewöhnt sind. Der Sänger
hat es sich auf seiner Jacke auf dem Boden bequem gemacht, gibt selt-
same bis kunstvolle Laute von sich und dreht sich dazwischen seine
Kippen. Die Musik lebt aus sich selbst. Ein Bass-Riff, ein Gitarrenlauf
werden von den anderen aufgenommen und entwickeln sich zu halb-
stündigen Sessions. Free-Jazz eben, aber doch nicht einer aus der Schub-
lade, sondern eine Musik, die nie gleich ist, die sich immer wieder
selbst erfindet, ein Stück mit dem gleichen Namen kann sich heute so
und morgen ganz anders anhören.
"Embryos Reise" (LP-Titel.von 1979) geht weiter. Ans Aufhoren denkt
Burchard nicht. Schließlich spielt er schon fast So lange bei "Embryo" wie
Mick Jagger bei den Rolling Stones und der ist ja bekanntlich schon
ewig dabei.

Daten & Fakten

Embryo

Die Jazzrock-formation wurde 1969 gegründet und spielte 1970 ihre erste Platte "Opal" ein. Die Band, in der bisher nach 
diversen Umbesetzungen an die 400 Musiker mitgespielt haben, entwickelte sich in den folgenden Jahren zu einer der führenden 
Jazzrock-Formationen in Deutschland und
Europa. "Embryo" sind eine der wenigen noch aktiven Bands aus
der so genannten Deutschrock-Ära (ca. 1968 bis 1975).

23-04-06, pag. 17, Cultura - Spettacolo

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Messaggero Veneto

Embryo das ist kreative Musik, mit Elementen des Jazz, der ethnischen Musik und 
sogar Rock und das alles in Reinkultur. Verwirklicht wird es mit vielschichtiger Fantasie
und großem intellektuellen Anspruch. Embryo sind die deutsche Musikgruppe mit einer echten
Geschichte -in ihrem abenteuerlichen Bus leben sie von einer Stadt zur anderen wie Nomaden,
aber immer mit Kunst und der Aufkleber "Erde" auf ihrem Gefährt will zeigen, dass das ihre
einzige Zugehörigkeit zur.Menschheit ist. Geleitet wird das alles von ihrem Gründer, Komponisten und Xylophonspieler Christian Burchard
der die mehr als zwei Stunden dauernden Doppelsets meistert. Embryo leben um zu spielen und spielen um zu leben. Ihre Legende ist von gestern, heute und morgen, seit 1969. Ihre Geschichte ist die Macht von tausenden von Auftritten und eine Vielzahl an Aufnahmen die
ihre Begegnungen und Reisen hinreichend dokumentieren.. So die fast ein Jahr lange Reise nach
Indien, die Platten mit Mal Waldron, Charlie Mariano oder Massimo Urbani, ...... das sind alles Perlen und Edelsteine! Christian Burchard ist ein 60 jähriger Junge. Im reinsten Sinne des Wortes ein Anarchist, der Millionär
hätte werden können, doch er bevorzugt den inneren Reichtum. Mit seinen Mitspielern für seine Zuhörer teilt er gerne die musikalischen Kreationen in einem
Konzert von Schönheit, Kraft und Energie. Embryo beginnt unplucked, sie spielen so schon lange bevor dieser Begriff in Mode kam, und gehen dann in
eine Art Jazzrock , der mitreißend, bewegt und reich an reizvollen Abwechslungen ist.. All das scheint
geradewegs ins Herz zu gehen. trotz hochkomplizierter Formen. Die Mitmusiker bringen frische Impulse.
Mit ihnen war es kein Retro oder Aufguß der 70 er wie es die meisten Gruppen praktizieren. Embryo bleibt ein Kollektiv, das der Welt eine gefühlvolle Lektion der Ehrlichkeit bietet. Große Musik mit Genialität.

Oberpfälzer Nachrichten 04.04.2006

Kultband Embryo verzaubert die Silberhütte.

Embryo verwandelte das Schutzhaus Silberhütte in einen Klangraum.
Die Musiker um Christian Burchard, der die Band vor über 37 jahren gegründet hat,
übertrafen die Erwartungen der über hundert Fans. Burchard, David Drudis, Martin
Pirchner, Marja Burchard, Dieter Serfas und Peter Schrameiergaben kein
Konzert im üblichen Sinn. Es war vielmehr eine improvisierte Session mit Einflüssen
orientalischer Musik, aus dem Jazz, dem Rock und vielen anderen Stilrichtungen.
Sechs begnadete Musiker ließen den Samstag für viele zum begeisterten Klang - Erlebnis werden

Embryonnck Rating: 8

by Jennifer Kelly Insound

Multilayered excursions into ethnic tinged improvisation
Since quitting Amon Düül II in 1969, Christian Burchard has made a career
out of collaborating with ethnic musicians, incorporating them into his
free-flowing improvisational blend of world music, jazz, krautrock and other
indefinable genres.  Over the last three decades, Burchard has brought in
traditional musicians from Morocco, India, Pakistan, Afghanistan, Iran,
Egypt, the Middle East, Nigeria, Turkey and many other places for impromptu
collaborations.  And then, a year or so ago, he ventured, via email, into
wholly unknown territory-Harlem to be precise-and made contact with a
reclusive tribe called The No-Neck Blues Band. 

Both Burchard's Embryo and NNCK share a genre-crossing commitment to
improvisation.  They are equally fond of multilayered ethnic percussion and
the sorts of stringed and blown instruments you won't find in most suburban
guitar stores.  They are both very serious outfits.  NNCK, in particular,
pursues its art with almost monastical rigor, bounded by strange rules and a
vow of anonymity, if not silence.  After trading CDs and messages, the two
ensembles decided to work together, NNCK bringing its seven-person caravan
to Germany, arriving at the venue and learning that the band would play
first alone, then merge with Embryo for an all-improvised session. 

The result is Embryonnck-seven tracks and 44 minutes of concentrated musical
collaboration, a fierce and uncompromising mesh of artistic visions that
will surely be among the year's best experimental releases.  NNCK fans will
find it lighter in texture than last year's Qvaris with fewer electrified
instruments and more white space.  There are no tracks as rock-oriented and
beat-centric as "Live Your Myth In Grease" or "Boreal Gluts" here, though
the opening and closing cuts borrow its shuffling, Middle Eastern rhythm.  

These two cuts-"Wieder Das Erste Mal" (Again the First Time) and "Das Erste
Mal" (The First Time)-bookend the album, yet they are in some sense its
core.  Alternate versions of the same musical idea, they are the disc's
longest compositions, building eerie textures of malleted and shaken
percussion, ethnic flutes and keening, altered voices around a circling,
insistent beat.  The repetitive rhythm is critical to this piece, its steady
reiteration providing a foundation for a dizzying array of ideas.  There are
always ten things going on at once, notes pinging off each other,
polyrhythms intersecting, independent patterns colliding off each other to
create harmonies and melodies, whistling and buzzing and ringing.  The whole
composition feels like a circus train rolling by, its elements varied,
colorful and many-textured but united in a single raucous experience. 

"Five Grams of the Widow" is a more tranquil experience, more traditionally
rooted in jazz with its bursts of sax rhythms and vibraphone shimmer.  This
is the single "live" take on the album, recorded separately in Berlin, and
it has a looser, more muted feel than the rest of the CD.  "After Marja's
Cats", though, flashes a bit of the same late-night glamour, with flute and
saxophone flutteringly chillingly through a muted metallic clangor.  More
overtly experimental, "Frank Cologne" pits rhythmic panting against a choir
of tonal percussion, the vocalist building syncopated breath cadences of
varying urgency.  "Die Farbe Aus Dem All" ("The colors from the universe"
according to Babelfish) hews the closest to NNCK's Qvaris, its electric bass
pulsing under an ominous clatter and ghostly howls, more frightening and
more rock oriented than anything else on the album. 

The disc ends with "Das Erste Mal", a cut that takes up nearly a third of
the album's total duration.  It starts with struck, metallic percussion,
pipes of different length perhaps, or cymbals.  Out of this abstract frame,
feverish sounds emerge and disappear, a trembling flute note, a haze of
bowed notes, the reverberating sounds of something like a koto.  The sounds
are oddly-shaped, distinct from one another, introduced seemingly at random.
 Yet almost immediately they are sucked into the fabric of the piece, in a
listening and responding process that you very nearly hear in progress.  The
piece gains density as it moves along, accelerating as it draws in keening
female vocals, a nattering, muttering male's sounds, slashes of violin and
staccato bursts of horns.  The CD cover lists 13 musicians (including,
sssshhhh!, the full names of all the No-Neck people), and it's easy to
imagine every one of them at work in this piece, adding to and communicating
about and playing an unimaginably complex group tapestry of sound. - 28
April 2006


 

THE-NO-NECK-BLUES BAND: EMBRYONNCK (Staubgold)

Look ma, no necks! "Größte Band in der Geschichte des Universums." sagten die Krautfresser Sonic Youth
in klassischer Untertreibung über dieses vielköpfige Improv-Orchester - ja
dann ... aber tatsächlich: welche Energien und Schwingungen die erste
Kooperation des in störrischer Anonymität verbleibenden New Yorker
Loft-Kollektivs mit der weltmusikreisenden Kraut- und Ethnolegende Embryo
freisetzt, ist schier unglaublich: sagenhafte Grooves, atmende Drones und
eine ganz eigene freie musikalische Sprache, die sich aus diesem
pulsierendem Geflecht herausschält. Das ist einer dieser klassischen
Platten, die erst wie scheinbares Hippie-Gedaddel in den Hörmuscheln
tippeln, aber auf Dauer mit grenzüberschreitendem und wandernd-urbanem
spirit durch die Blutbahn fließt. No Staatsbürgerschaft necessary for this
sound! (Honker)
Mai 2006 TERZ ist die autonome Stadtzeitung für Politik und Kultur in
Düsseldorf und Umgebung.


 

No Neck Blues Band & Embryo Text,

Interview: Peter Kaemmerer

Die Kraut-Legende Embryo und das New Yorker Improv-Kollektiv No Neck Blues Band
Manche Musiker gehen die Dinge eben gelassen an. Oder sie begehen
kryptische, verschlungene Pfade. Sie lesen zum Beispiel Bücher von obskure
Autoren wie Algernon Blackwood, Lord Dunsany oder H.P. Lovecraft, der sich
zwischen 1920 und 1940 in die hinteresten Winkel seines vom Tageslicht
abgedunkelten Hauses in Baltimore zurückzog, um an Pulp-Horror-Stories wie
»Cthulhu« oder »Die Farbe aus dem All« zu schreiben, basierend auf der
fiktiven schwarzen Kult-Bibel namens Necronomicon, die der Jemenite, Poet
und »verrückte Araber Abdul Alhazred« im 8. Jahrhundert verfasst hatte. So
jedenfalls will es die Legende.Tune In
Diese bildet einen konstanten Eckpunkt im Improv-Kollektiv No Neck Blues
Band, die im New Yorker Stadtteil Harlem seit 1994 ihr Hauptquartier, das
Hint-House bewohen. Geblieben sind vor allem eine Handvoll teils
vergriffener Alben und das aktuelle, hervorragende neue Werk »Qvaris«. Aber
vor allem die legendären Live Shows sorgen an sich für eine beständige
Erweiterung am Mythos Nnck. Seit 1995 improvisiert die Band um die Aktuere
Keith Connolly und Dave Nuss geschlossen ihre spirituelle Ragas, die auch in
den unterschiedlichen Solo-Konstellationen wie das experimentierfreudige
low-fi Side-Project Enos Slaughter um No Neck-David Shuford mit Sunburned
Hand Of The Man-Marc Orleans plus Carter Thornton von IZITITIZ zusammen
laufen, sowie das R&B-Blueprint Coach Fingers um Gitarrist Jason und Drummer
Dave Nuss, die allesamt eher unregelmäßig Platten auf dem Bandeigenen Label
»Soundatone« veröffentlichen. 
Wie schon mit dem Bruch der klassischen Komposition im Barock bei Jean-Marie
Leclair oder Franz Biber, in der Jazz-Ära der späten 1950er Jahre bei
Thelonius Monk oder Albert Ayler, der Schauspiel- und Tanz-Performances der
mobilen Truppen The Living Theater oder von The Nonplussed Some in der
Dekade des Love & Peace oder den frühen 70er Jahren bei Can komponieren die
Nncks instant, d.h. spontan und auf der Stelle. Damo Suzuki besteht auch
heute noch darauf, dass seine Band »sich niemals auf Jam-Sessions einlässt
oder die Basis für Solos liefert, sondern konzentriert das Prinzip der
>Instant Composition< verfolgt«. So setzen auch die unsterblichen
Rock-Dinosaurier Embryo um den Marimba-Spieler Christian Burchard zusammen
mit der No Neck Blues Band auf das Pfand der gemeinsamen spontanen
kompositorischen Erleuchtung. Durch die Scheibe »Embryonnck« (Staubgold 67)
kulminiert diese spezielle Arbeitsweise in einen ersten gelungenen
Entwurf.Turn On Dave Nuss: »Lange Zeit schon war ich großer Fan von Embryo,
vor allem von deren Meisterwerk »Steig Aus« (Brain Records 1973, re-released
2004 bei Motor). Irgendwann habe ich über Embryos Webpage die Adresse von
Burchard erhalten und ihm nach und nach unsere Alben geschickt. Er mochte
sie sehr, ober wohl er zugab, nicht gerade viel Material an neu entstandener
Musik zu erhalten.« Flugs wurden gemeinsame Shows in Berlin geplant. Am 16.
und 17. Juli 2004 fanden so zwei fantastische Konzerte des
»Embryonnck«-Projekts statt. Zuerst führte der geimeinsame Funkenschlag in
das Friedrichshainer Höhlenlabyrinth der Supamolly, schon am nächsten Morgen
gings gemeinsam per Bus nach Nürnberg ins TechnoLogic-Studio, um in nur
einer Session das Album »Embryonnck« aufzunehmen. Dave Nuss: »Cristian hatte
den Tag im Studio organisiert. Er kennt die Jungs dort. Wir konnten dort
einfach kostengünstig und in ruhe unser Album aufnehmen. Es gab keine
vorherigen Proben oder musikalische Direktiven, die einzige echte Probe vor
dem Studio war die Show im Supamolly.« Noch am selben Abend spielte die
Fusion »Embryonnck« im Kreuzberger Regenbogenkino ihre zweite Show. Die
Supamolly-Liveaufnahme »Five Grams of the Widow« schaffte es sogar mit auf
das Album. Die musikalischen orientalen Bezugspunkte werden durch das von
Christian Burchard gespielte Marimbaphone über einem grummeligen Bongo-Beat
gesetztDropOut
Mystisches Gerassel und schräge Flötentöne eröffnen »After Marja's Cats«,
das softig weich wie im Trance dem balinesischen Gamelan zuwendet, bis nach
fünf Minuten ein hoher, greller Pfeifton scheinbar daran erinnert, flugs den
Wasserkessel vom Herd zu nehmen. Schnaubend und keuchend beginnt die
japanische Nnck-Sängerin Takahashi Michiko ihren Nicht-Singsang, ein
Saxophon Oberton samt fiebriger Perkussionspattern leiten über in das no
wave-ige »Die Farbe Aus Dem All«, in dem eine Saz-Laute verstohlen an einer
schönen kleinen Melodie nästelt, manuell angeschoben von einigen exzellenten
Slide-Guitar Wellen. Burchard spielt sein Marimbaphon so locker und virtuos
aus wie Theo Monk einst die schwarzweissen Tasten am Klavier, bis die
farbenfrohen und sanften Kalimba-Klingelklangel Töne schließlich einen
goldenen Sonnenuntergang ins Nirvana einläuten.

 

EMBRYONNCK (EMBRYO AND THE NO NECK BLUES BAND s/t (Staubgold) cd 15.98

by Jennifer Kelly

The weird thing about this wonderfully weird collaboration, between NYC's
premier avant free folk
tribalists and legendary German progrock/krautrock combo Embryo, is that it
doesn't sound all that
different from what we might have expected a new NNCK record to sound like.
Not sure what that
says, either the two groups were absolutely perfectly in sync, or NNCK are
masterful channellers
of classic Krautrock jams, or NNCK stole everything they know from Embryo
and their sonic
brethren, or Embryo are the true masters, aligning themselves with the manic
primal tribal sound
of NNCK's percussive rituals. Hardly mattters, whichever way you slice it,
this record is
stunning. Dense and lush, and packed solid with strange and wonderfuls
sounds, tribal rhythms,
chimes, woodblocks, drum kit, hand drums, hand claps, all sorts of buzzing
strings, what sounds
like sitars and harpsichords and autoharps, woodwinds, flutes and recorders,
and vocals, an
impossible array of chanting and moaning, gargling, mumbling, humming,
whistling and singing in
tongues. Dreamy super melodic grooves give way to full on Wicker Man pagan
insanity which further
gives way to some clattery free jazz minimalism but always returning to that
transcendental
tribalism we just can't get enough of. If Embryo add anything to the mix,
it's a warmth and
melodicism that sometimes seems to be missing from a a lot of the more
abstract NNNCK jams. Folks
who dug NNCK's recent Qvaris will most certainly find this to their liking
as it sounds like a
much more dense, much more melodic, much more vibrant exploration and
expansion of the songs on
that record. And we LOVED that record, so that should tell you something!
The more we listen to
these songs, the more we think it might not be such a bad idea for this NNCK
/ Embryo hybrid to
just BE the new NNCK, those No Neck guys ought to just ask those Embryo guys
to join the band,
what the hell, the more the merrier, and judging from this one time jam, the
thought of these guys
moving forward aas a single unit, and actively exploring the realms of inner
and outer musical
space, is almost too much for us to handle. 

 

Review by Thom Jurek

It goes and it goes. You may have an idea of what you think a full
collaboration between New York's underground improv pioneers the No-Neck
Blues Band (NNCK) and Germany's longstanding Krautrock experimentalists
Embryo (alive in one form or another for over 30 years) might sound like. In
some ways, you're right. But nothing quite prepares the listener for the
understated, snaky, playful, yet ambiguous interaction that goes on here.
Embryo have consistently defied categorization with their incorporation of
various ethnic and aboriginal elements in their music. While it's true that
Christian Burchard has been the only constant member, he has brought in
players from Australia, various regions of Africa, Laplanders, and all
manner of indigenous musicians to add to his mix of composition and
improvisation. NNCK have been from the land of strange from the word go.
Their numerous releases have defied easy pigeonholing and their insistence
on remaining anonymous (until this release where every musician's name is
listed on the back cover, but there's still no information about who plays
what or where). This collaboration walked the wire from the outset and could
have gone either way. It stays on the spare side of excess, though there is
always a lot going on. Check the opener, "Wieder das Erste Mal," where a
tom-tom, hand percussion, marimbas, shakers, a cimbalom, and a moaning voice
usher in nine and a half minutes of trance where flutes and voices slip into
the mix gradually, almost imperceptibly, until there is a wall of sound
where the listener falls in the middle of the swirl. Its tribal nature never
breaks down, but there is so much more in this mysterious meld that one can
forget the rhythms, because they enter the unconscious. "Five Grams of the
Widow," a brief piece recorded live, is almost jazz with arranged horns,
vibes, toy pianos, etc., following a head for a short period. One has to
wonder if the piece was excerpted for this release. It would have been nice
if this one had stretched out more. "Die Farbe Aus Dem All," also moves into
out rock territory and becomes an entity that engages jazz and Krautrock
more than anything else here. The wailing horns are a real turn on, as is
the intensity of the work. Both of the last two tunes here take a while to
find their groove: "Zweiter Sommer" is laid-back and exotic, full of flutes
and hammered dulcimers and subtly chanted voices; "Das Erste Mal," a revisit
of the first track, is over 13 minutes and finds its groove about halfway
through. Again, percussion and voices (with some throat singing) lead the
charge, but it floats and begins to move and change shape, shifting
constantly for about the last seven minutes until it ends up so far from
where it began that one is likely to wonder what has just transpired. This
is magic music; it melts, shifts, transforms itself as it displaces time. It
goes and it goes. 
 


__________________________________________________
Review by Thom Jurek
It goes and it goes. You may have an idea of what you think a full
collaboration between New York's underground improv pioneers the No-Neck
Blues Band (NNCK) and Germany's longstanding Krautrock experimentalists
Embryo (alive in one form or another for over 30 years) might sound like. In
some ways, you're right. But nothing quite prepares the listener for the
understated, snaky, playful, yet ambiguous interaction that goes on here.
Embryo have consistently defied categorization with their incorporation of
various ethnic and aboriginal elements in their music. While it's true that
Christian Burchard has been the only constant member, he has brought in
players from Australia, various regions of Africa, Laplanders, and all
manner of indigenous musicians to add to his mix of composition and
improvisation. NNCK have been from the land of strange from the word go.
Their numerous releases have defied easy pigeonholing and their insistence
on remaining anonymous (until this release where every musician's name is
listed on the back cover, but there's still no information about who plays
what or where). This collaboration walked the wire from the outset and could
have gone either way. It stays on the spare side of excess, though there is
always a lot going on. Check the opener, "Wieder das Erste Mal," where a
tom-tom, hand percussion, marimbas, shakers, a cimbalom, and a moaning voice
usher in nine and a half minutes of trance where flutes and voices slip into
the mix gradually, almost imperceptibly, until there is a wall of sound
where the listener falls in the middle of the swirl. Its tribal nature never
breaks down, but there is so much more in this mysterious meld that one can
forget the rhythms, because they enter the unconscious. "Five Grams of the
Widow," a brief piece recorded live, is almost jazz with arranged horns,
vibes, toy pianos, etc., following a head for a short period. One has to
wonder if the piece was excerpted for this release. It would have been nice
if this one had stretched out more. "Die Farbe Aus Dem All," also moves into
out rock territory and becomes an entity that engages jazz and Krautrock
more than anything else here. The wailing horns are a real turn on, as is
the intensity of the work. Both of the last two tunes here take a while to
find their groove: "Zweiter Sommer" is laid-back and exotic, full of flutes
and hammered dulcimers and subtly chanted voices; "Das Erste Mal," a revisit
of the first track, is over 13 minutes and finds its groove about halfway
through. Again, percussion and voices (with some throat singing) lead the
charge, but it floats and begins to move and change shape, shifting
constantly for about the last seven minutes until it ends up so far from
where it began that one is likely to wonder what has just transpired. This
is magic music; it melts, shifts, transforms itself as it displaces time. It
goes and it goes.
 

Durchlauferhitzer

Embryo, derzeit zu fünft, bringen ihre Weltmusik ins "Bett"

VON GERD DÖRING
vom 24.3.06 aus der Frankfurter Rundschau.

Christian Burchard ist weit herumgekommen in der Welt. Dass er seinen 
alten Mercedes-Bus einmal vor einem Apfelweinlokal in Sachsenhausen 
parken würde, um dort Musik zu machen, das hätte sich der Münchner wohl 
nicht träumen lassen. Aber genau hier, im Herzen der Frankfurter 
Bembel-Gemütlichkeit, hat sich ein neuer Club eingenistet. Ins "Bett" 
wird jene stilistische Grenzenlosigkeit eingeladen, in der eine Band wie 
Embryo zuhause ist.
Ein Durchlauferhitzer, der Heimat schon für mehr als 300 (!) Musiker war. 
Seit 1969 spielen Embryo sich durch die Clubs in Europa, touren 
unentwegt und mit Vorliebe in Asien und Nordafrikas. Der prämiierte Film 
Embryos Reise (1978/79) hat diese Aufbruchszeit einprägsam für die 
Nachwelt fest gehalten.

Der Abend beginnt denkbar unspektakulär. Christian Burchard und Lothar 
Stahl liefern sich einen intensiven Dialog auf Vibraphon und Marimba vor 
dem percussiven Hintergrund aus Darabuka und Oud. Die Führung im 
meditativen Intro übernimmt eine kleine Mundorgel. Ein sanftes
Einstimmen.  
Die Kollektiv-Improvisationenwerden verwandelt in jenes energiereiche
Kontinuum, das man von Embryo kennt. Eine aus vielen Quellen schöpfende,
zuweilen hitzige Weltmusik, inspiriert einmal von der Schlitzohrigkeit eines
John Cage, dann wieder vom Astro-Sound Sun Ras.

Die Weitmusikanten werden geschätzt von Anhänger in den unterschiedlichsten
musikalischen Lagern und - sie erfinden sich immer wieder neu. Nicht
zuletzt, weil es gelingt, junge Musiker ins Kollektiv zu holen. Talente wie
Nick McCarthy (heute erfolgreich mit Franz Ferdinand), der noch immer von
seiner immerhin fünfjährigen "Lehrzeit" bei den Embryos schwärmt. Oder David
Drudis, den Spanier, der derzeit 
nicht nur die Oud im Weltmusik-Projekt spielt, sondern sich noch viel
spannender auszudrücken versteht mit der E-Gitarre.

Wo eben noch meditative Ruhe herrschte, bricht plötzlich das kreative Chaos
aus. Mit einem Grinsen und angefeuert von Schlagzeug und E-Bass schlingert
Burchard übers Keyboard - auch das eine Art, mit Embryo zu reisen.

Legendäres Soundchaos.

Embryo begeisterten Bierkeller-Publikum

Eike Freese, Schwäbisches Tagblatt 13.2.06
Wil1kommen im Soundchaos von Embryo.." begrußte Frontmann Christian Burchard
die Zuhörer am späten Freitagabend im Tübinger Bierkeller; Da hatte
Deutschlands einflussreichste Ethno-Band gerade ihr erstes Stück hinter sich
gebracht: Volle zwanzig Minuten Trance-ähnliche Rhythmen, psychedelische
Geräusch-Einlagen und Musikanleihen aus aller Herren Länder..
Embryo sind eine lebende Legende. Burchard und seine Kollegen stammen aus
einer Zeit, als sie zusammen mit Kraan oder Can die Speerspitze des
deutschen Avantgarde-Pop bildeten. Vierzig Jahre Musik-Erfahrung stecken in
der Münchner Gruppe.
Die Band ist in Würde gealtert, das zeigte sich wieder einmal an diesem
Samstagabend. Auch weil Embryo sich seit jeher jeder oberflächlichen Mode
verweigern. Man braucht keine Drogen-Tnps und lange Haare, um
die Geräusch-Landschaftenden der sogenannten Hippie- Ikonen zu ögen..
Auch,weil sie immer wieder junge Musiker integriert haben, die neue Ideen
und frische Energie in die Band einbrachten. So wie Valentin A1tenberger,
der an den Congas und am Bass, seine Qualitäten zeigte.
Burchard-Tochter Marja begeisterte zunächst kraftvoll am Schlagzeug, später
am Marimbaphon und an der Orgel. Der junge Spanier David Drudis spielte
E-Gitarre und die arabische Laute Oud.
Die drei sorgten dafür, dass der Sound von Embryo auch im neuen Jahrtausend
noch immer frisch und fast klassisch klingt: einer virtuoser Spagat zwischen
Musik-Konservatorium und Stammes-Rhythmen, zwischen filigraner Kunst und
roher Musik-Power.
Christian Burchard gab am Vibraphon die Richtung vor: Mal waren es melodiöse
Jazz-Läufe, die er seinem Instrument entlockte, mal schlichter, extatischer
Krach. Dann wieder schnappte sich der Altvater das Mikrophon und schwelgte
über Minuten in autistischem Skat-Gesang.
Die Zuhörer, viele mit geschlossenen Augen, schwelgten in den
Geräusch-Welten wie in einem Traum. Und der ehrliche Bierkeller wurde so für
ein paar Stunden zur psychedelischen Oase.

Bis ans Ende der Straße und dann weiter, so lange es geht

TAZ 28.2.2006

TM
Nein es geht nicht anders. Da muss man jetzt durch Wenn eine Band aber nun
mal jede verflixte Mehrzweckhalle hier in diesem Land bespielt hat, um
überhaupt erst Schwung in den muffigen Laden zu bringen, und sich dann in
allen weiteren Zipfeln der Welt umschaute und so viele musikalische Gäste
dabei auf dem Weg sammelte, dass mit der Zahl schon eine kleine Stadt
bestückt werden könnte. Wechsel also stets, immerwährender Wandel und nie
die Zeit eifersüchtig nach irgend-welchen Hitparaden zu schielen, weil diese
Band lieber spielte und spielt, abertausende Konzerte mit einer in aller
Gelassenheit improvisierten Kommunikationsmusik, zu der man Jazz sagen kann
oder Fransenrock oder Weltmusik was jedoch nicht sagende Etikette sind für
die Mission dieser Band, die sich seit über 35 Jahren auf einer endlosen
Tour befindet, die man nur noch als methaphysisches Lebensprinzip begreifen
kann, so dass man dann halt auch mal ein bisschen Respekt zeigen muss für
diese Band. Also meine Damen und Herren! Einen Applaus für Embryo. Deutsche
Rocklegende.
 

Embryo
Presse - Reaktionen 2005

Wildes Klang-Eldorado

Improvisierte Bandfusion mit "Embryo zum 2. Free Flow Festival"

Quelle: Hessisch-Niedersächische Allgemeine 15.11.2005
Autor: Bastian Ludwig

Kassel. In rotes Licht getauschte Nebelschwaden liegen wie Teppiche vor und auf der Bühne. Ethno-Psyche-delische Klänge surren durch den Raum. Über eine Leinwand huschen halluzinative Videos mit fremdartigen Zeichen. Wie in Trance ziehen Ausdruckstänzer ihre Bahnen. Auf der Bühne acht Musiker, die beinahe ekstatische ihre Instrumente bearbeiten. Am zweiten Abend des Free Flow Festivals in der Kulturfabrik Salzmann waren unter anderem die Münchener Weltmusik-Pioniere "Embryo" zu Gast, die experimentelle Musik abseits üblicher Hörkonventionen produzierten. In einer Fusion mit der Kassler Band "Strom" entstand ein Soundkaleidoskop, das die Grenzen zwischen Europa, Asien und Afrika auslotete.

"Embryo", deren Ursprünge vor 35 Jahren in der Rockmusik liegen, haben sich zu einem Stil-Chamäleon gewandelt. Inzwischen beherrschen die Münchener meisterhaft die Partitur der Weltmusik. Global wie der "Embryo"-Sound ist auch die Besetzung der Band. Europäer, Afrikaner, Asiaten und Amerikaner belegen die Authentizität des Weltmusikgedankens.

Fernöstliche Saiteninstrumente und afrikanische Trommeln gingen in schier endlosen Instrumental-Sessions auf. Mik Quantius agierte als singender Instrumentalist. Im Schneidersitz hockte er vor dem Mikro und entlockte Mund und Händen mannigfaltige Laute und beschwörerische Formeln. Kopf der Formation ist der Vibrafonist und Percussionist Christian Burchard, bei dem schon Nick McCarthy, bevor er mit der schottischen Rockgruppe Franz Ferdinand zu Weltruhm gelangte, in die Lehre ging.

"Embryo" boten eine Soundperformance mit wahrhaft bewusstseins - erweiterndem Charakter. Bis spät in die Nacht gaben sich knapp 150 Festivalbesucher den treibenden Grooves der Inprovisationsmeister hin.

Eine Reise durch faszinierende Klangwelten

"Embryo gastierten im "Traumstern" - Meisterhafte Beherrschung hochkompizierter Rhythmen

Quelle: Gießener Allgemeine Zeitung - 22.10.2005

Lich (gbp). Kultband, Legende und seit 35 Jahren unterwegs in aller Welt, um im Zusammenspiel mit einheimischen Musikern in aller Welt Klänge aufzunehmen und auszutauschen. Die Musikgruppe "Embryo", eine der ältesten deutschen Rockbands, entführten am Donnerstagabend im Kino "Traumstern" in Lich die rund 100 Konzertbesucher auf eine etwa dreistündige Reise durch faszinierende Klangwelten, in der sich Elemente aus Rock, Jazz und Klangbilder fremder Kulturen zu einem facettenreichen Hörabenteuer verdichteten.

Entspannt, aber hochkonzentriert; zuweilen entrückt und stets aufeinander bezogen wirkten die Musiker um Schlaginstrumentalist Christian Burchard an Santour, Vibraphon und Keyboard neben dem besonders "Vokalzauberer" Mik Quantius in das Zentrum des Bühnengeschehens rückte. Im Schneidersitz auf der Bühne kauernd, erscheint er zunächst als versunkener Zuhörer, der die Musik in sich eindringen lässe - bis der plötzlich mit unglaublicher Stimmggewalt tönt. Wie ein Instrument benutzt er seine Stimme und formt mit Lippen, Mund und Händen unglaubliche Klänge, gurgelt, zischt, klagt und singt über mehrere Oktaven. "Embryo" ist mehr eine Haltung als ein Musikstil, den der Begriff Weltmusik nur unzureichend beschreibt und der Welten entfernt ist von Ethno-Pop oder modischem "Multikult". Es lohnt sich, sich einzulassen auf das ungewöhnliche Hörerlebnis; die Embryo -  Klangwelt, die klangliche Trance wirkt ansteckend und lässt Intensität und Tiefe spüren. Was so wie eine mühelos improvisierte Jam-Session klingt, entpuppt sich bei näherem Hinhören als meisterhafte Perfektion und Beherrschung hoch-komplizierter Rhythmen in der auch Lothar Stahl (Marimba, Drums) David Drudis (Gitarre, Bass) und Valentin Altenberger (Percussion, Gitarre, Bass) überzeugten.

Am Ende dieses bemerkenswerten Konzertabends konnten sich die meisten Zuhörer trotz vorgerückter Stunde nicht von den fazinierenden Klagwelten der fünf Musiker trennen, die dem Verlangen nach einer Zugabe gerne nachkamen. Schade für jeden, der diese musikalische Weltreise verpasst hat..."

Saarbrücker Zeitung 3.11.05

Quieken aus dem Untergrund

Die großartige Band Embryo gab in Sotzweiler ihr Bestes. 
Von S. Z.s - Redakteur Peter Wagner:
Sotzweiler. "Underground? Kann man das Underground nennen?" spekulierte ein
begeistert tanzender Artur Reubekeul. Ja, man konnte. Erlaubt war auch die
Bezeichnung "Space-Ethno-Jazz". Der Hauptverant-wortliche der Band, der
Komponist, Bandleader, Keyboarder und Vibrafonist Christian Burchard, sprach
von "Psychedelik, garantiert jugendfrei" und war nach 80 Minuten Konzert
seiner Gruppe "Embryo" am Samstag im Sotzweiler Club zufrieden mit der
Leistung. "Ja, ja, war gut, es baut sich halt jeden Abend anders auf",
lautet das Urteil des inzwischen fast 60-jährigen Mitbegründers der Münchner
Hippie-Band, die seit gut 35 Jahren auf einem Musiktrip durch alle
Kontinente ist. Ein Ende ist glücklicherweise nicht abzusehen. Embryo hatten
nie einen Hit, aber man schätzt sie rund um den Globus als souveräne,
unbe-stechliche Weltmusiker. Sie reisen - Achtung, Krautrock-Vorurteil! -
tatsächlich in einem alten umgebauten Mercedes-Krankenwagen und spielen
überall, wo man sie hören will, in Galerien und Opernhäusern, in Urwäldern,
in Ställen und in Turnhallen. Jedes Mal sind sie musikalisch und kulturell
ein Stück weiter. Die Gruppe war im Sommer in Südeuropa gewesen und hatte so
viel Sonne ins Gemüt getankt, dass sie die enttäuschende Kulisse ertrug.
Burchard spielte überirdisch gut ein elektrisch verstärktes Hackbrett mit
Wah-Wah-Pedal, Lothar Stahl gab am Schlagzeug den hypnotischen Takt vor,
feinfühlig assistiert von Edgar Türk am Bass. Türk, der an diesem Abend
einmal auch die E-Gitarre rausließ, war Gastmusiker an diesem Saarland-Tag.
Das hat man oft bei Embryo. Es darf aber nicht jeder mitspielen, sondern nur
gute Musiker, die auch in das Band-Konzept passen. Türk hat übrigens eine
eigene, vorzügliche Band namens "M.T. Wizzard". 
Auf dem Bühnenboden hockte im Schneidersitz der junge Stimmenmann Mik
Quantius, der vom blauen Trickfilm-Elefanten aus der "Sendung mit der Maus"
über Captain Beefheart und gesunde Vögel bis Yoko Ono alles nachmachen
könnte, dann aber doch meist sein eigenes Ding aus den dünnen jugendlichen
Backen blies: Schlabber- und Quiek-Geräusche, die man vorher noch nie gehört
hatte, schon gar nicht als Lead-Instrument in einer deutschen Rockkapelle. 
Quantius, der unermüdlich rauchte und Fruchtsaft trank, hat noch Arbeit in
drei anderen Bands, bei Embryo darf er sich am meisten ausprobieren. Es
versetzte der Gruppe übrigens einen verdienten Schub, dass ihr ehemaliger
Lehrling Nick McCarthy jetzt bei der neuen Pop-Hoffnung "Franz Ferdinand"
spielt und so oft Reklame für Embryo macht, wie er kann.... 
Es wird, jede Wette, die Charakterköpfe von Embryo noch viel länger geben.

Elbe-Jeetzel-Zeitung 8.11.05

Wir kennen ihn, es ist der Sänger der Weltmusikgruppe
»Embryo», die bereits im vergangenen Jahr im Landkreis
gastierte. Am Sonntagabend gab die Band aus München erneut ein
Solidaritätskonzert für den Gorleben-Widerstand, diesmal im Café
Grenzbereiche. Seit 35 Jahren existiert dieses kollektive Fossil deutscher
Musikgeschichte nun schon. 400 Musiker jeder Couleur haben in dieser Zeit in
der Gruppe mitgespielt, änderten immer wieder den Sound, hinterließen
unterschiedliche Stilrichtungen und Strömungen. Ein Konzert von und mit
»Embryo» ist eine Zeitreise zurück in die Ursuppe. Zusammengesunken im
Schneidersitz, eingehüllt von einer Wolke aus Zigarettenqualm, hat sich Mik
Quantius, die Stimme aus Köln, vor das instrumentale Equipment
niedergelassen. Er singt in fremden Zungen. Gutturales
Glucksen aus fremdartiger Tiefe entfleucht der schmächtigen Gestalt, die von
Tönen besessen scheint. Frank Zappa bestellt Grüße von einer fernen Galaxie.
Hungrige Geister flehen um Absolution. Dann wieder kein Mucks aus diesem
Mund, abruptes Schweigen und entrücktes Abtauchen. Die Gestalt sackt noch
mehr zusammen. Der Griff zum Tabaksbeutel. Erstmal eine drehen. Im Zentrum
des musikalischen Geschehens agiert derweil immer noch die treibende
altvordere Kraft Christian Burchard, begnadeter Zauberer am Vibraphon,
Keyboard und Santour. Um ihn versammelt haben sich in erster Linie Musiker
der jüngeren Generation: Lothar Stahl (Marimba, Drums), Davis Drusi (Oud,
Gitarre), Valentin Altenberger (Gitarre, Percussion) und Jens Pollheide
(Bass, Querflöte). ..Gespeist aus alten orientalischen Quellen, entsteht ein
eigenes Netz aus verspielten Improvisationen.

Nesthäckchen setzt die Akzente

Krautrock- und Hippielegende "Embryo" spielt im Haus der Jugend

Quelle: Mainzer Allgemeine Zeitung - 29.10.2005 - Autor: Alfred Balz
Ein Dutzend Konzerte finden monatlich im Mainzer Haus der Jugend statt.
Musikerinitiativen wie JIM, Airfield und Mayence Acoustique bieten neben
Punkern, Hiphoppern und einem Akkordeonverein regelmäßig Livemusik.
An diesem Abend waren es gleich zwei, denn parallel zu "States Of Matter"
bei Mayende Acoustique spielte die Krautrock- und Hippie-Legende "Embryo" im
großen Saal. Als das kurzfristig anberaumte Konzert beginnen sollte, steckte
Christian Burchard, Gründer und Kpf der umtriebigen Musiknomaden, noch auf
der Autobahn fest. Schlagzeuger Lothar Stahl von der 1967 gegründeten
Politrockband "Checkpoint Charlie" und Stimmakrobat Mik Quantius und "MT
Wizzard" Bassist und Gitarrist Edgar Türck sitzen derweil etwas abgekämpft
mit alten Freunden in der Küche.
Wer von Embryo ein konventionelles Rock-, Ethno- oder Jazzkonzert erwartet
muss umdenken. In 36 Jahren haben hunderte Musiker mit Embryo gespielt,
darunter Sigi Schwab und Charlie Mariano. So gibt es auch an diesem Abend
kaum festgelegte musikalische Strukturen. Auf einem polyrhythmisch
flirrenden perkussionsteppich kreist die Musik entweder um ein tonales
Zentrum oder einfache harmonische Wendungen. "Now Music" haben Freejazzer
das spontane Entstehen von Musik aus einem Gefühl heraus einmal genannt. Es
geht von der Vorstellung aus, dass alle Klänge Musik sind.
Locker groovt sich Lothar Stahl in einen 6/8-Takt. Edgar Türck setzt mit
seinem bundlosen Bass einen Bordunton, den er modal umspielt. Das
vielschichtige Rhythmusgerüst trägt auch die schrägen soundverliebten
Keyboardklänge Christian Burchards, hier fließt die Musik locker und
entspannt, und es entstehen Arabesken und melodische Interaktionen, die in
einem eingängigen Thema enden können.
So ist es eigentlich der Obertongesang des nicht mal halb so alten Mik
Quantius, der mit seinem unkonventionellen Vokalstil Akzente setzt. Mal ist
es der vibratoreiche baritonale Klang seiner ausgebildeten Stimme, dann
wiederum röchelt er unverständliche Phhantasietexte

Die Weitgereisten - Embryo unternehmen musikalische Weltreise

Kultband im Haus Forellental in Gossenzugen und im Bielefelder "Extra"

Quellen: Alb Bote, 30.06.2005 - Autor: Rainer Schmidt & Neue Westfälische
12.06.2005 - Autor: rene
Großenzugen - Bielefeld. 1969 wurde die Band "Embryo" gegründet, und von
denen, die damals zunächst avantgardistischen Jazzrock spielten, ist nur
noch einer dabei. Vibraphonist Christian Burchard ist Kopf der Band, die am
Dienstagabend im Gossenzugener haus Forellental gastierte. Seit vielen
Jahren scharrt Burchard immer wieder neue Mitstreiter um sich, die unter dem
"Embryo-Etikett" zusammen spielen.
Leisem fast schüchtern tasten sich die Musiker herein in den rhythmischen
Fluss. Zarte Melodien aus der arabischen und persischen Welt erheben sich
über vielfältigen Trommeln in ungeraden Taktmaß.
Mit der Zeit wusste sich die Band dann deutlich zu "steigern". Der iranische
Drummer Barbak Barbor setzte immer wieder überraschende Akzente, als die
fast schon tranceartigen Stücke plötzlich rasant an Fahrt gewannen. Aus
Tönen wurden Melodien, die stark orientalichen Einschlag hatten. Noch weit
nach Mitternacht bewiesen "Embryo", dass Weltmusk eine überaus spannende
Sache sein kann.
Wenn die Stimmung bis in die kleinste, wohlgesetzte Phrase ausgekostet ist,
wird das Rhythmusgeflecht irgendwie störrisch, franst polyrthytmisch aus,
und das Stück "versandet" irgendwann. Im einzelnen Stück schon kann man die
charakteristische Dramarturgie eines "Embryo"-Konzertes erkennen.
Oase und Weltenbrand in zwei Sets, meistens. Dennoch ist es immer wieder ein
Ereignis, auch wenn man mal besonders zottelige individuen (im Publikum)
sehen möchte. Dieses Mal lässt es "Embryo" gemächlicher angehen. kein
Rockjazz-Chaos im zweiten Teil, weniger aufgekratzte Ansagen, keine
"Rauchpausen", nach der eine noch wilderer musikalische Selbstenttäüschung
folgt - oder auch nicht. Es mag daran liegen, dass sich nach drei Jahrzenten
des steten, nervenaufreibenden Wechsels eine nahezu konstante Besetzung
entwickelt hat, die alljährlich zwischen Istanbul und Casablanca die Clubs
bespielt.
Oder daran, dass bei diesem Auftritt kein Saiteninstrument den Raum zwischen
dem Bass von Jens Pollheide und der Hand-Persussion von Christian
Schmidhofer (Kanjeera & Tavil), Babak Borbor (auch am Schlagzeug und Saxofon
zu hören) und Lothar Stahl (auch Marimba) mit mächtigem Klag füllt. Moment,
nach der Pause hat Christian Burchard seine Santur an Verstärker und
Wah-Wah-Pedal angeschlossen und eröffnet dem Zuhörer mit sphärischen
Klangüberlagerungen und entzückend schrägen Melodien sein
"Geht-Doch-Gar-Nicht"-Konzept des "mikrotonalen Jazz". Auch am Vibraphon
verausgabt sich der Mann er ersten Stunde wie gewohnt.
"Embryo" hat seit einiger Zeit den unsichtbarsten Vokalisten der Welt in
seinen Reihen. Mik Quantius aus Köln sitzt im Schneidersitz im Dunkeln vor
dem Podest und lässt in sehr willkührlichen Einsetzen Laute hören, die
unirdisch zu sein scheinen: schnelle, gurgelnde Tremoli und fauchende
Reibelaute

Embryo spielt die etwas andere Musik

Allgäuer Zeitung 30.06.2005

Gossenzugen (ekn) - Einmal im Monat wird Gossenzugen, ein kleines Örtchen
bei Zwiefalten mit etwa 40 Häusern, Treffpunkt für Fans der etwas "anderen
Musikkultur". Dann veranstaltet Sabine Trunzer im "Haus Forellental wieder
ein Konzert. So auch am Dienstag. Es spielte die Kultband und "Musikkommune"
"Embryo".
Die Bands die im "Haus Forrental" spielen, gehören zu etwas "anderen
Musikkultur": Auf dem Programm stehen Bands aus Russland, Dänemark aber auch
aus Deutschland, die elektonische Musik, "Psychedelic" oder "Jazzrock"
spielen.
So auch die Band "Embryo", die in Gossenzugen zu Gast war: Eine
"Institution", wie es Bandgründer Christian Burchard nennt, die seit 1969
die ganze Welt bereist: Sie waren in Japan, Amerika und Indien. Auf ihren
Reisen sind die Musiker von "Embryo" immer mit einheimischen Kollegen
zusammengetroffen, haben zugehört und gemeinsam musiziert.
Von den verschiedenen Musikstilen ließen sich Embryo beeinflussen und so
begeisterten sie auch ihr Publikum im "Haus Forellental" mit ihrer
"Weltmusik": Den Zuhörern wurden Stücke aus Kairo oder Japan präsentiert.
Auch die Improvisation ermöglicht das Zusammenspiel bei "Embryo". Denn eine
weitere Besonderheit ist, dass die Band nicht aus Stammusikern besteht. Die
Besetzung von "Embryo" wechselt ständig und so war der Bassist Valentin
Allenberger beim Auftritt in Gossenzugen zum ersten Mal dabei. Auch
Christian Burchards Tochter Marja gehört inzwischen zu "Embryo" und stand im
"Haus Forellental" als einziges weibliches Bandmitglied auf der Bühne. Sie
spielt Marimba und sorgte am Keyboard für den passenden Sound. Aber auch
Violine, Vibraphon, Gitarre oder Percussion gehören zur "Embryo"-Musik. Die
sechs Musiker ließen diese unterschiedlichen Instrumente melodisch
miteinander verschmelzen und ernteten dafür viel Beifall vom Publikum.

Intelligente Musik

Krautrock-Helden "Embryo" auf Weltreise im Kloster

Südwestpresse SWP 14.10.2005
HORB (vov). die Macher des "Projekt Zukunft" bieten der Horber Kulturszene
was: Mit "Embryo" holten sie nicht nur eine echte Kultband, sondern auch
über 35 Jahre Musikgeschichte ins historische Gemäuer. Am Samstag
faszinierte die bunte Truppe um christian Burchard zwischen Weltmusik,
Krautrock und Ethno-Jazz im "Kloster"
Seit 1969 macht der Vibraphonist Christian Burchard mit ständig wechselnden
Besetzungen seine spannende Musik. Mit fast 400 Musikern hat er auf seinen
Tripps rund um den Erdball gespielt. Hat dabei musikalische Einflüsse aus
Mitteleuropa, Kleinasien, Afrika und Indien fröhlich vermengt zu einem
Klangteppich zwischen Weltmusik, Jazz und Krautrock. Musik für intelligente
Menschen wollten "Embryo" damals machen.
Und die Musik von "Embryo" ist auch ganz sicher nicht jedermanns Sache..
dazu ist sie zu schräg, zu originell, zu fremdartig. Wer nimmt sich heute
noch Zeit, teils fast endlosen, jazzigen Improvisationen zu lauschen?. Wer
hört noch Werke, die länger als drei Minuten sind. So aber ist die Musik von
"Embryo". Musik die nicht als Hintergrund-Berieselung taugt. Musik zum
Zuhören. Und die Musik lebt förmlich. Sie lebt zwischen vor sich hin
groovender, teils Nerven strapaziernder Aufregung.
Beeindruckend ist auch die große Instrumenten-Vielfalt: Da jault die Sitar,
das Vibraphon bimmelt samtweich, es wird gerasselt und getrommelt. All das
verbinden "Embryo" mit groovenden Bass, jazzigem Schlagzeug, einer auch mal
kreischenden Gitarre und sogar mit Cello und Geige.
Blieb der erste Teil des Abends im eher ruhigeren "Weltmusik"-Breich, so
stand die zweite Konzert-Hälfte im Zeichen von psychedelischen Ethno-Jazz
und coolem Krautrock. hier faszinierte vor allem einer der jüngeren
"Embryo"-Musiker: Sänger Mik Quantius.
Er ist gerade mal so alt wie die Band selbst und doch bereichert er dieses
wundersame Musker-Kollektiv ungemein. Quantius setzt seine Stimme ein wie
ein vielseitiges Instrument. Im Schneidersitz auf Bühne hockenend, lässt er
seine Stimme mal wie ein Didgeridoo klingen, dann wieder beeindruckt er
durch Oberton-Gesang oder opernhafte Einlagen und schockt fast ein wenig mit
böse keifenden Vocals, um die ihn ein jeder Black-Metal-Sänger schlicht
beneiden müsste.

Embryo
Presse - Reaktionen 2004

Taz 05.01.04:

Kultur S.16

Unterwegs

Embryo: "Bremen 1971". Garden of Delights CD084, Embryo: "live Recordings 2002 u,2003". Schneeball/Indigo 24462-5 [www.embryo.de)

Sie bestehen beinahe so lange wie die Rolling Stones. Embryo ist eine der ältesten Rockbands, die die deutsche Szene hervorgebracht hat. 2004 feiern sie ihr 35-jähriges Jubiläum. Seit 1969 ist die Münchner Formation unentwegt unterwegs, produziert. alle paar Jahre ein neues Album und setzt sich kontinuierlich neuen Einflüssen aus, auf langen Reisen, die sie hauptsächlich durch den Orient; unternehmen. Welche enorme musikalische Wegstrecke dabei zurückgelegt wurde, ist anhand zweier Neuerscheinungen zu ermessen, die die Band 1971 bei einem Auftritt in Bremen sowie bei einer Serie von Konzerten neusten Datums in Köln, München, Berlin und Spanien zeigen. Bei der Gründung waren Embryo Jazzdissidenten, die sich von den neuen elektrischen Sounds des Rock angesprochen fühlten. Mit kraftvollen Rhythmen und überblasenen Flötentönen war ihr Rockjazz ganz auf der ,Höhe der Zeit. Das Saxofon heulte elektrisch verzerrt, der Bassist, spielte sein Instrument als Sologitarre a la Jack Bruce. Mit der Zeit hat die Musik die Selbstbezogenheit der Woodstock-Ära abgestreift und' sich nach vielen Richtungen geöffnet. Den Embryo-Mitgliedern wuchsen größere Ohren. Bald führten sie kein einstudiertes Repertoire mehr auf, sondern suchten den Austausch mit Musikern aus anderen Kulturen, ob in Europa, Afrika oder Asien. Dafür muss man vor allem eines können: zuhören.

von Christoph Wagner 

 

EMBRYO Presseauszüge (99-01):

 

"..For Eva " bezeugt, dass den Musikern von Embryo ein profundes Handwerkszeug gegeben war, mit dem sie als solides Kapital ihre Vorstöße in Richtung Weltmusik starteten...Zeitloser Jazz, mal melancholisch, mal synkopisch vertrackt -aber immer Musik, die sich in einem entspannten Fluß entfaltet mit Improvisationen, die sich endlos weiter fortspinnen könnten..." Jazzeitung 11_2001"..Bei einem wie Mal Waldron mag es verwundern, dass ausgerechnet Aufnahmen, die er zusammen mit einer deutschen Combo gemacht hat, zu seinen schönsten zählen sollen. Als Pioniere eklektizistischer Weltaneignung waren sie immer an dem unmittelbaren Austausch interessiert. Sie spielen mit Musikern unterschiedlichster Kulturen in aller Welt, versuchen das fremde Material von innen zu durchdringen, im Gegensatz zu moderneren Montagetechniken mit beliebig verfügbaren SampIes... "

Jazzpodium 12_01

"..Seit üiber 30 Jahren zieht der Multiinstrumentalsist Christian Burchard mit seiner bunten Truppe durch die Welt, um wo immer möglich mit einheimischen Musikern zu spielen, ob in Afrika, dem Maghreb, dem Nahen Osten oder Indien. Meistens bietet die Improvisation eine Platform, die das Zusammenspiel ermöglicht..So entstand eine Musik, die durch die KUhnheit der Improvisation und die Vielfalt der Klänge gelegentlich an die kosmischen Sounds des legendAren Sun Ra und seines Arkestras erinnern, der - ja auch bei den Pyramiden spielte. "

TAZ 5.8.2001

"..Gerade Embryo verkörperte im Laufe seiner Existenz einen kreativen Nukleus für Einsteiger, entblößend offen nach allen Seiten, begierig, Impulse aus jeden Winkel der Erde aufzusaugen.."
Jazzthetik 12_00

"..Gemeinsame Nenner gibt es gleich mehrere: die freie Improvisation, da agiert eine Sinngemeinschaft, die Akkorde federn läßt, wUrdevolle Leerräume gestattet und Themen aus purer Lust an der Bewegung auf - und abwippen lässt, bis die melodischen KUrzel ein magisches Eigenleben gewinnen.. "
Jazzeitung 12_00

"..Die Musiker von Embryo um Vibraphonist Christian Burchard und Schlagzeuger Dieter Serfas, die sich vielleicht als Urväter der Weltmusik betrachten dürfen, beschäftigten sich an diesem Abend (Jazzfest München) besonders mit Musik aus China...jazzige Aspekte dieser unbekümmerten und fröhlichen musikalischen Grenzüberschreitungen.." Jazzpodium 12_00

"..Dichter Dialog. Wunderbar wie sich Christian Burchards (Embryogründer) Vibraphon - Melodien mit der Piano Perkussion zusammenfügen. Als hätte man einfach die Rollen getauscht. Der Mann mit den Schlägeln zieht seine Glitzertöne auf Melodiefäden...Uberhaupt begeisterte der dichte DIalog der Band, atemberaubend locker dahinschwebt. Wer dieses ungewöhnliche Konzertereignis verpaßt hat, darf sich zu Recht ärgern."

Nurnb. N. 7.12.99

"..Immer noch fallen ihnen neue Kombinationen ein. Wer kommt schon auf die Idee, mit einem in Athen lebenden Iren, einem Chinesen und deutschen Jazzmusikern ein arabisches Stück zu spielen?.." Jazzthetik 5.99

".. sind Embryo in Sachen Weltmusik unterwegs - unterwegs nicht nur eingedenk ihrer schon legendären Abenteuer - Bus- reisen, sondern vor allem weil ein " Ankommen " erst gar nicht eingeplant ist. Jenseits von esoterischer Schrebergärtnerei oder Trend -Anbiederung suchen und finden Embryo mit "Musikern verschiedenster Kulturen den gemeinsamen Nenner in der zumeist rhythmisch und motivisch gebundenen - Improvisation.. Die musikkulturellen Unterschiede sollen nicht eingeebnet oder aufgehoben werden, sondern in ihrer jewiligen Eigenheit als Beitrag zu einem musikalischen Dialog dienen, dessen Reiz die offenen Ohren und die Musizierfreude aller Beteiligten ausmacht. Embryos eigenster Beitrag sind dabei die immer langjährige Erfahrung in eben jener Offenheit (in diesem Fall kein Wiederspruch) und ihre an jazzmusikalische Phrasierung und Melodik orientierte Sprache - selbst schon eine Art Weltmusik"
Jazzpodium 2_99

 

aus "Die Welt ist Klang" v. Prof. Joachim Ernst Berendt

 

"...... Die universalste dieser Gruppen in Europa ist die seit dem Ende der sechziger Jahre bestehende »Embryo«, deren Musiker nun schon viele Jahre lang allein und mit ihrem Ensemble durch die Welttrampen - durch Indien, Afghanistan, Pakistan, den arabischen Raum ....

Sie haben begriffen, daß man die Musik all dieser Länder, um sie spielen zu können, nicht einfach »studieren« kann, sondern daß man sie »erleben« muß- in ständig erneuerter »Symbiose« mit den Musikern der betreffenden Kulturen....

Die Musiker werden immer »universaler«. Sie erfüllen das Phrasenhafte des Begriffes » Weltbürger« mit Leben.

Was wir alle auf diesem immer kleiner werdenden Planeten erst noch werden müssen, um überleben zu können: sie sind es bereits jetzt realiter: Weltbürger - in einem musikalischen Sinn, aber ich habe keinen Zweifel, daß die Musik hier wieder einmal vorwegnimmt,'was in den anderen Bereichen ebenfalls geleistet werden muß.

Es ist offensichtlich, daß es die Ausweitung des Begriffes Musiker vor allem im Umkreis des Jazz gibt. Charlie Parker war der erste, der gefordert hat: Ich würde mich freuen, wenn meine Musik einfach "Musik" genannt würde.«

Heute - fast 40 Jahre später - wünschen Tausende von Musikern das gleiche. Zur Zeit Parkers war der Wunsch Utopie; heute ist er erfüllbar. Die Musiker lehnen die labels, die Etiketten,die Kategorisierung und Rubrizierung der Musik ab, meinen, daß all dies Verwirrung stifte......"

 

Konzertkritik in der Nordreinischen Zeitung vom 13.11.03:

Enthemmte Rhythmen Konzert/ Die Kultgruppe "Embryo" faszinierte ihre Fans in der Musikschule TAN. Dawar er wieder, der samtweiche Klinklang aus dem Marimbaphon, heulende Geigen drängten sich in den Vordergrund, Rasseln, Töne aus dem Hackbrett.Assoziative Geräusche in Klubatmosphäre...Ein Abend zwischen meditativer Entspannung und der Kakaphonie enthemmter Rhythmen,wilder Gitarrenbreaks, Ekstase. Die unkontrolliert klingenden Improvisationen von Bandgründer Christian Burchard und Gitarrist Chris Karrer (Amon Düül), gepaart mit den solistischen Brvourstückchen des Oberhausener Pianistan Achim Jaroschek verdeutlichten auch ungeübten Ohren dieser freien Vortragsweise das Gefühl für gemeinsamer Klang- und Taktgestaltung. Waswie eine akustisch umgesetzte Komposition von Hyronimus Bosch klang, bei der vor allem die urvitalen Stimmbandlaute des im Schneidersitz auf der Bühne hockenden Mik Quantius (35,Gesang) Gänsehaut erzeugten, wirkte wie eine Spiegelung der Geräuschausstöße der hektischen Industriegesellschaft. Faszinierend waren auch die Einschübe der Gastmusiker Marcin Langer am Saxophon und Murat Cakmak amBlasintrument Ney. Zusammen mit dem bulgarischen Gadulkaspieler Stefan Daskalos gestalteten sie diese ursprünglische Ausdrucksform von Weltmusik zur vollen Blüte. (CK) 

Frankfurter Rundschau 22.7.2003

Die Vorreiter

Embryo machen mal wieder in Darmstadt irre Musik

....Statt um hiesige Krautgartenlandschaften zu streichen, sind sie eher Wanderer zwischen den Welten. Seit über 30 Jahren sind sie nun unterwegs, ob im Maghreb, im Nahen Osten oder in Indien....

Versunken mit geschlossenen Augen über ihre Instrumente gebeugt, die langen Hippiemähnen im Gesicht, stehen, sitzen die sieben Musiker auf der Bühne. Um sich herum ein gewaltiges Instrumentarium ausgebreitet, darunter Nay, Oud, E-Gitarre, Geige, Vibraphon, Marimba, Drums. Embryo-Stücke sind ausufernd lange Musiktrips, oszillieren zwischen arabischen Teehausklängen und spacigen Jazz-Freakouts a la Sun Ra, sind mal meditativ, plötzlich laut, schräg, dann wieder geschmeidig, mit einem funktgen Groove als Fundament.

Neben Burchard und Ex-Amon-Düül-Gitarist Chris Karrer sticht ein Embryo-Neuling hervor: Mik Quantius. Hingefläzt auf den Bühnenboden hört er stumm zu, hält sich zurück, bricht urplötzlich in wilde Gesänge aus. Wie besessen schüttelt er den Kopf und singt, während er mit dem Finger im Mund rührt. Was dabei herauskommt, ist ein flirrendes Getön, das nicht von dieser Welt zu sein scheint. Dann brüllt er, unartikulierte Worte, mit einem Organ irgendwo zwischen Jim Morrison und Tom Waits.

Miles Davis soll einmal über Embryo gesagt haben:"Das sind krative, gute Musiker, die einfach irres Zeug spielen." Wenn er es sagte, hatte er Recht

21.07.03 - Darmstädter Echo  S.12

ganz unverbraucht

"Embryo" - Avantgarde der siebziger Jahre:

Die Münchner Band in der Oetinger Villa.

VON MARC MANDEL

DARMSTADT. "Wir ersticken in Musik-Demos", sagt Dirk Neureuther vom selbstverwalteten Jugendzentrum Oetinger Villa. "Hunderte von Bands möchten gern bei uns spielen. Da ist es gar nicht so einfach, auszuwählen". Bei der deutschen Band "Embryo", ist das offensichtlich nicht schwer gefallen. Seit ihrer Gründung im Jahre 1969 hat die Gruppe des Hackbrettspielers Christian Burchard immerhin 22 Langspielplatten veröffentlicht, die heute ausnahmslos als CD vorliegen. Außerdem steht die Münchner Formation wie keine andere in der WeItmusik-Szene für "Kraut-Rock". Am Samstag- abend trat "Embryo" in der Oetinger Villa auf.

Lotbar Stahl scheint zunächst nur so auf dem Marimbafon herumzuklimpern. Das gilt ebenso für Max Weißenfeldt am Schlagzeug. Christian Schmidhofer begleitet eher unterschwellig an der Thavi1trommel, und Burchard entlockt dem Hackbrett spielerische Sequenzen. Spätestens wenn Jens Pollheide auf der Flöte zu improvisieren anfängt, weiß man, dass das Konzert längst begonnen hat. Chris Karrer (Violinist von Amon Düül lI) bearbeitet die arabische Laute Ud, während der Sänger Mik Quantius sich noch am Boden räkelt. Die Meditations- Musik der Gruppe ist für heutige Verhältnisse ungewöhnlich leise, und Bewegung und Gefühl scheinen wichtiger zu sein als Klarheit.

"Krauts" wurden die Deutschen von den Amerikanern genannt wegen ihrer angeblichen Vorliebe für Sauerkraut. In den sechziger Jahren stand "Kraut" jedoch auch für "Grass". Aus beiden Bedeutungen entwickelte sich für die deutschen Underground- Bands der siebziger Jahre die Kategorie "Kraut-Rock". Die harmonische Basis bildet meist ein einziger Grundakkord, der bei "Embryo" von Hackbrett und Marimbafon in Form von immer wiederkehrenden Melodie-Modulen gebildet wird. Dabei geben die restlichen "Embryos" vielen das Gefühl, sofort mitspielen zu können - doch spätestens bei den exakt gezeichneten Weltmusik-Grooves und ungeraden Taktzahlen wird auch dem Durchschnittshörer die hohe Professionalität deutlich.

Sänger Mik Quantius ist neben dem Bandleader die prägende Musikerpersönlichkeit der Gruppe "Embryo". Er benutzt die Stimme wie ein Instrument. Während des gesamten Konzertes sitzt er im Schneidersitz auf der Bühne und raucht eine Zigarette nach der anderen. Gewöhnlich korrespondiert sein Gesang mit der Violine, der Gitarre oder der Flöte; manchmal gurgelt er in sein Mikrofon und moduliert zusätzlich mit Handfläche und Fingern. Seine Gesichtsmuskeln arbeiten ohne Pause und seine Mimik spricht so deutlich, dass "Embryo" sich Zuschauern unterschiedlicher Kulturen auch ohne Worte erschließt. Die einstige Avantgarde klingt erstaunlich unverbraucht.

30.1.03

Amberger Nachrichten (Jeff Fichtner)

...Fast unmerklich schwang sich die mit vielen jungen Kräften durchsetzte deutsche Rock-Legende in ihr Konzert ein..."Embryo" die hautnahe Erfahrungen mit "echten" Ethnoklängen aus ihren vielen Reisen in all dieser Zeit seit den frühen Siebziger-Jahren. "Embryo" ist mit Sicherheit näher dran am Kern der "Folklore"..

Für westliche Ohren mögen die Münchener um Chris Karrer immer noch allzu avantgardistisch wirken, doch wer sich wirklich mit "Weltmusik" beschäftigen will, kommt an dieser Gruppe auch heute nicht vorbei. Die Ratlosigkeit, die Embryo bei nicht wenigen der Besucher hinterließ, spricht eigentlich eher für die Band als gegen sie."

7.8.2003

Allgäuer Zeitung (Christian Gögler)

Wiedersehen mit Embryo

Ziemlich genau 25 Jahre ist es nun her, als ein ungewöhnliches Musikerkollektiv mit einigen klapprigen Bussen von Europa nach Indien aufbrach, die Münchner Gruppe "Embryo". Unentwegt tourt die Band seither durch die Weltgeschichte und Lässt sich auf ihren Reisen gerne von der Musikverschiedener Kulturen inspirieren. Die Worldmusic- Truppe um den Vibrafonisten Christian Burchard war nun zu Gast in Eschasberg.

Sieben Mitstreiter waren es, darunter Burchards 17 - jährige Tochter Marja. Seit geraumer Zeit wird der Sound auch bereichert durch Chris Karrer, Kopf der Gruppe "Amon Düül". Er wechselt hin und her zwischen E - Bass und Gitarre, Tamburin und Violine. An Hackbrett und Vibrafon fand man den Senior - Chef Christian Burchard.

Entwicklung und Improvisation sind die Schlüssel - und Zauberwörter bei Embryo. Was zunächst noch wirr und schräg klang, entfaltet sich nach und nach zu einem einheitlichen Groove mit magischen Momenten, deren Intensität die Zuhörer mitriß.

Eindringlich und ungewohnt für westliche Ohren waren Nüzans kurdische Gesänge. Einen Kontrast dazu setzte die 25- järige Baika aus Berlin, die in Indien zur Welt kam, mit ihren warmen, souligen Vocals. ........

14.6.2003 Die Reinpfalz

...Es ist dunkel im Club, die Bühne ist in buntes Licht getaucht. "Embryo" macht nach eigenen Angaben "Ethno - Jazz Rock", also Weltmusik. Die reifen Musiker verstehen ihr Handwerk:

Chris Karrer entlockt seiner Oud, einer türkischen Kurzhalslaute, orientalische Klänge; Christian Burchard ist virtuos am Vibraphon, Schlagzeug und Orgel. An der Marimba beeindruckt Lothar Stahl, das vielfältige Klangbild untermalt Jürgen Bräutigam mit sich windenden Bässen. Mik Quantius sitzt zusammen-gekauert auf der Filmore - Bühne und erzeugt mit verzerrter Mundakrobatik fast schon außerirdische Laute.Die Bandmitglieder kommen aus München, Köln, Rockenhausen und haben sogar einen Gast - Musiker aus Mali dabei, der auf seiner Djembe ein verschachteltes rhythmisches Gerüst entstehen lässt. Das Besondere dabei: Die Kunst liegt in der Improvisation. Das, was perfekt ausgearbeitet wirkt, entsteht in Wahrheit aus einer spontanen Stimmung.

"Wie in Trance" Gegenseitig geben sich die Musiker Raum für Soli, suchen und finden sich ständig neu, erzeugen so wie in Trance eine melancholisch träumerische, wunderbar leidenschaftliche Athmosphäre. Die Zeit verliert dabei komplett ihre Bedeutung: Im Mittelpunkt steht das Musizieren im Hier und Jetzt, man spürt die Musik förmlich und fühlt sich wie in einer anderen Welt. Ein mehr als gelungener Tourauftakt und es scheint, als ob sich die Besuche im Filmore wieder lohnten. (Andreas Erb)

Lübecker Nachrichten 2.7.2003

(Anne-Catherina Knörnschild)

Entspannter Krautrock mit Embryo auf der Walli

Am Anfang waren da nur die Klänge einer Laute. Nach und nach suchten sich die sanften Melodien eines Marimbaphons, elektrische Sounds eines Keyboards und der Beat der Trommel ihren Weg in den dichten Dialog. Sänger Mik Quantius verweilte zunächst gekrümmt im Schneidersitz auf dem Boden, sein Gesicht gesenkt, bis er mit seiner kräftigen Stimme, die über mehrere Oktaven geht, einstieg. Den gesamten Körper als Instrument einsetzend, produzierte er Klänge, die einem klagenden Indianer, manchmal auch einem australischen Didgeridoo glichen. So präsentierte sich die 1969 gegründete Band .

Ganz im Sinne der fünf Musiker erschienen nicht nur Zuhörer verschiedener Nationalitäten, sondern auch jeden Alters...Ethnische Klänge gemixt mit psychedelischen Impulsen bescherten den Zuhörern einen Abend, der sie auf eine musikalische Reise in vergangene Hippie - Jahrzehnte entführte.

Süddeutsche Zeitung 23.5.2003

Sphärische Klänge und dunkle Räume

...leise streichen, fast möchte man sagen kratzen, Steffen Müller am Bass und Karsten Hochapfel am Cello über ihre Instrumente. Dunkle Räume öffnen sich hinter diesen sphärischen Klängen. Layth Abdul Ameer zupft einzelne Töne an seiner Oud an. Die Abfolge wird komplexer und schließlich kristallisiert sich eine Melodie heraus. Christian Burchard Santour kontrapunktiert diese auf seinem Hackbrett, während Bass und Cello die dunklen Schwingungen weiterführen und das Stück düster ausklingt. Doch Layt Ameer nimmt die Melodie nach dem Zusammenbruch wieder auf und führt sie fort. Das Stück heißt "Trauma". Oder doch "Drama"? Egal es passt beides.

Ein Stück jedenfalls, das wir dem Krieg zu verdanken haben.....